# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Selenskyj in Washington, Drohnen auf Moskau
       
       > Der ukrainische Präsident Selenskyj ist zu Gesprächen mit US-Präsident
       > Trump in den USA eingetroffen. Finnland schließt derweil teilweise seinen
       > Luft- und Seeverkehr.
       
 (IMG) Bild: Journalist*innen warten auf die Ankunft des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington
       
       ## Selenskyj trifft Trump in Washington
       
       afp | Vor dem Hintergrund verstärkter gegenseitiger Angriffe zwischen
       Russland und der Ukraine empfängt US-Präsident Donald Trump den
       ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj in Washington. Selenskyj gab am
       Dienstag im Onlinedienst X bekannt, er sei in der US-Hauptstadt
       eingetroffen. Das Gespräch mit Trump im Weißen Haus ist auf 9.30 Uhr
       (Ortszeit, 15.30 Uhr MESZ) angesetzt. Die russischen Behörden meldeten
       derweil ukrainische Drohnenangriffe.
       
       Selenskyj erklärte auf X, bei dem Besuch in Washington sei die „Priorität
       Nummer eins die antiballistische Verteidigung und die strategische
       Zusammenarbeit mit den USA“. Der Frieden müsse außerdem nähergebracht
       werden.
       
       Der ukrainische Staatschef wird bei seinem Besuch im Weißen Haus
       voraussichtlich auf neue Lieferungen antiballistischer Raketen drängen, wie
       ein ranghoher ukrainischer Vertreter, der anonym bleiben wollte, der
       Nachrichtenagentur AFP mitteilte. „Es ist entscheidend, dass Washington dem
       Kauf eines Pakets von Patriot-Raketen zustimmt“, sagte der Vertreter AFP.
       Demnach will der ukrainische Präsident mit Trump außerdem über Wege zur
       Wiederaufnahme eingefrorener Gespräche zur Beendigung der Kämpfe beraten.
       
       Nach Angaben der UNO töteten russische Angriffe mit ballistischen Raketen
       im Juni die meisten ukrainischen Zivilisten in einem Monat seit April 2022.
       Diese Raketen kann die ukrainische Luftabwehr nur mit Patriot-Systemen aus
       den USA abfangen. Der Ukraine mangelt es jedoch dramatisch an
       Patriot-Raketen vom Typ PAC-3. Diese Situation hat sich seit dem Beginn des
       Irankriegs im Februar noch weiter verschärft.
       
       Spannend dürfte das Treffen auch auf persönlicher Ebene werden: Trump und
       Selenskyj haben ein schwieriges Verhältnis. Unvergessen ist, wie der
       US-Präsident und seine Entourage [1][den ukrainischen Staatschef im
       vergangenen Jahr im Oval Office des Weißen Hauses vor laufenden Kameras
       demütigten].
       
       In den vergangenen Monaten hat es aber eine Annäherung gegeben. So lobte
       der US-Präsident den Ukrainer als „mutig“. Beim Nato-Gipfel in Ankara
       Anfang Juli erlaubte Trump der Ukraine den Nachbau von
       US-Luftabwehrsystemen vom Typ Patriot.
       
       Während seines Besuchs in Washington will Selenskyj außerdem [2][an der
       Trauerfeier für US-Senator Lindsey Graham teilnehmen]. Der 71-jährige
       Senator war vor rund zwei Wochen überraschend nach einem Besuch in der
       Ukraine gestorben. In der Nationalkathedrale ist eine Trauermesse geplant,
       bei der Trump eine Rede halten will. An der Trauerfeier will auch Israels
       Regierungschef Benjamin Netanjahu teilnehmen, der am Dienstag ebenfalls
       Trump im Weißen Haus trifft.
       
       ## EU bestellt nach Luftraumverletzung Vertreter Russlands
       
       dpa | Die EU hat in Reaktion auf neue Drohnenvorfälle und die Zerstörung
       des lettischen Honorarkonsulats in der Ostukraine den Geschäftsträger
       Russlands in Brüssel einbestellt. „Wir haben unsere scharfe Verurteilung
       der vorsätzlichen Verletzung des rumänischen Luftraums durch russische
       Drohnen zum Ausdruck gebracht“, erklärte ein Sprecher der
       EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas. Dieser rücksichtslose Akt stelle eine
       ernste Eskalation dar und bedrohe die Sicherheit der Menschen in der EU,
       die regionale Stabilität und den internationalen Frieden.
       
       Laut den Angaben wurde bei dem Treffen zudem die Zerstörung des lettischen
       Honorarkonsulats in der frontnahen ukrainischen Stadt Slowjansk in der
       Region Donezk thematisiert. Nach Angaben Lettlands handelt es sich bei dem
       Konsulat um die einzige dauerhaft besetzte europäische Vertretung in der
       Frontregion. Sie wurde von einer russischen Präzisionslenkbombe vom Typ
       KAB-250 getroffen. Kallas hatte nach dem Angriff am vergangenen Freitag
       auch Vorschläge für weitere Sanktionen gegen den russischen
       militärisch-industriellen Komplex angekündigt. Sie sollen in den kommenden
       Wochen von Vertretern der Mitgliedstaaten diskutiert werden.
       
       Zu den jüngsten Luftraumverletzungen in Rumänien war es am Wochenende
       gekommen. Die rumänische Luftwaffe schoss dabei mehrere der Flugobjekte im
       eigenen Luftraum ab.
       
       ## Moskau mit über 390 Drohnen angegriffen
       
       afp | Die russischen Behörden meldeten derweil neue Drohnenangriffe. Moskau
       wurde nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin in der Nacht mit mehr
       als 390 Drohnen angegriffen. Die Drohnen seien größtenteils von der
       Luftabwehr „lange vor Erreichen der Stadt neutralisiert“ worden, erklärte
       Sobjanin im Onlinedienst Telegram. 81 „feindliche“ Drohnen seien zerstört
       worden, als sie sich Moskau näherten, fügte er hinzu.
       
       Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, meldete ebenfalls
       Drohnenangriffe. Dabei seien Wohnhäuser in der Stadt Tschechow und dem Dorf
       Waulowo vor den Toren Moskaus beschädigt worden.
       
       Später erklärte das russische Verteidigungsministerium jedoch, dass
       insgesamt 356 ukrainische Drohnen über mehr als einem Dutzend Regionen
       abgeschossen worden seien, darunter in der Nähe der Hauptstadt. Weder das
       Verteidigungsministerium noch Sobjanin machten weitere Angaben zu der
       Abweichung.
       
       Fast viereinhalb Jahre nach Beginn des russischen Großangriffs auf die
       Ukraine gibt es weiterhin keine konkreten Aussichten auf ein Ende des
       Krieges. Beide Seite verstärkten zuletzt ihre Luftangriffe. Dabei führt die
       ukrainische Armee zunehmend auch Angriffe tief im russischen Staatsgebiet
       aus. Neben dem Zerstören von Militärinfrastruktur und Öldepots will Kyjiw
       mit den Angriffen auch Moskau an den Verhandlungstisch zwingen.
       
       ## Finnland schränkt Luft- und Seeverkehr ein
       
       rtr | Finnland schließt wegen der Gefahr verirrter Drohnen einen Teil
       seines Luftraums und schränkt den Seeverkehr vor seiner Südküste nahe der
       russischen Grenze ein. ‌Die Maßnahmen sollen den Behörden sichere
       Gegenmaßnahmen und den Schutz von Unbeteiligten ermöglichen, sollte eine
       Drohne in das Gebiet eindringen, sagt ein finnischer Militärsprecher. Zur
       Herkunft der Informationen über mögliche Drohnenaktivitäten äußert er sich
       nicht. Hintergrund sind wiederholte Vorfälle, bei denen ukrainische
       Militärdrohnen auf dem Weg zu Zielen in Russland in den Luftraum von
       Nato-Staaten wie ‌Finnland, Estland, Lettland und Litauen eindringen. Die
       Ukraine und Nato-Staaten machen russische Störsender für die
       Kursabweichungen verantwortlich. Die Regierung in ⁠Moskau wirft der Ukraine
       dagegen vor, die Drohnen absichtlich über die Grenzen zu steuern.
       
       ## Viele Verletzte nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Busse
       
       dpa | Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf zwei Busse sind nach russischen
       Angaben insgesamt 25 Menschen verletzt worden. In der Grenzstadt Schebekino
       sei eine Drohne in einen Linienbus eingeschlagen, teilte der amtierende
       Gouverneur der westrussischen Region Belgorod, Alexander Schuwajew, mit. 19
       Menschen seien verletzt worden, 6 davon schwer.
       
       Eine zweite Attacke wird aus den von russischen Truppen besetzten Gebieten
       in der Ukraine gemeldet. In der Stadt Horliwka unweit von Donezk habe eine
       ukrainische Drohne 5 Personen verletzt, als sie in einen Bus eingeschlagen
       sei, teilte Horliwkas Bürgermeister Iwan Prichodjko mit.
       
       Die Ukraine hat zur Abwehr der seit 2022 von Russland betriebenen Invasion
       [3][ihre Drohnenangriffe zuletzt massiv ausgeweitet]. Ziel ist es, die
       russischen Truppen an der Front vom Nachschub abzuschneiden. Dabei werden
       aber auch immer wieder zivile Ziele getroffen. Das verstößt gegen das
       Kriegsrecht. Die Unterscheidung zwischen zivilen und militärischen Zielen
       ist freilich schwierig, weil das russische Militär eigene Fahrzeuge
       teilweise als zivil tarnt – auch dies ist ein Verstoß gegen das
       Kriegsrecht.
       
       ## Raffinerie in Westsibirien steht nach Drohenangriff still
       
       rtr | Die russische Raffinerie Tjumen im Westen Sibiriens hat laut Insidern
       die Ölverarbeitung am vergangenen Samstag nach einem ukrainischen
       Drohnenangriff eingestellt. Eine Anlage zur Dieselentschwefelung und eine
       zur Benzinproduktion hätten Feuer gefangen. Die Insider lehnen es ab, sich
       dazu zu äußern, wann die Raffinerie den Betrieb wieder aufnehmen könnte.
       Der Betreiber war für ‌eine Stellungnahme nicht erreichbar.
       
       Lokalbehörden hatten am Samstag lediglich mitgeteilt, dass ein ukrainischer
       Drohnenangriff ein Feuer in der Raffinerie ausgelöst habe. Die Anlage liegt
       mehr als 2000 Kilometer von der Ukraine entfernt. In ihr werden
       Branchenschätzungen zufolge jährlich rund 6 Millionen Tonnen Rohöl
       verarbeitet und etwa eine halbe Million Tonnen Benzin und 2,8 Millionen
       Tonnen Diesel hergestellt. Die Ukraine nimmt seit geraumer Zeit verstärkt
       die russische Ölinfrastruktur ins Visier, was in einigen Gebieten zu akuten
       Treibstoffengpässen geführt hat.
       
       28 Jul 2026
       
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