# taz.de -- Neuer Minister in der Ukraine: Selenskyj will die Akte Fedorow schließen
> Medienberichten zufolge steht der Nachfolger für den geschassten
> Verteidigungsminister fest. Für Freitag sind jetzt wieder Proteste
> angekündigt.
(IMG) Bild: Protest gegen die Absetzung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow – aber der wird nicht zurückkommen
Eine Wiedereinsetzung des geschassten ukrainischen Verteidigungsministers
Mychajlo Fedorow scheint für Präsident Wolodymyr Selenskyj vom Tisch zu
sein. Das will [1][die ukrainische Nachrichtenagentur RBK-Ukraina] von
einer Quelle aus dem engeren Umfeld Fedorows erfahren haben.
Berichten vom Dienstag zufolge soll Ewgeny Chmar, zuvor Chef des
ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU, den Posten des
Verteidigungsministers übernehmen, den er seit Fedorows Entlassung bereits
kommissarisch bekleidet.
„Hätten sie Fedorow wieder ins Boot holen wollen, hätten sie ihm sofort ein
Angebot gemacht. So aber ist klar, dass all das Gerede von einem
stellvertretenden Ministerpräsidenten und Ähnlichem lediglich dazu gedient
hat, die Straßenproteste zu beruhigen“, zitiert RBK-Ukraina ihren
Informanten.
Offensichtlich habe, so die Agentur weiter, Selenskyjs Bereitschaft,
„Zugeständnisse zu machen“ oder auf das ukrainische Volk zu „hören“, ihre
Grenzen. [2][Nachdem er mit der Entlassung des Oberbefehlshabers der
ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, eine Forderung der
Demonstranten erfüllt habe], werde er der anderen Forderung, nämlich
Fedorow zurückzuholen, nicht nachkommen.
## Hohes Maß an Kompetenz
Vor über zwei Wochen hatte Selenskyj im Zuge einer umfassenden
Regierungsumbildung auch Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entlassen.
Der 35-Jährige, der erst seit Januar im Amt war, ist bei vielen
Ukrainer*innen beliebt. Vor allem wird ihm ein hohes Maß an
militärischer Kompetenz zugeschrieben.
Ab 16. Juli waren daher in der Hauptstadt Kyjiw und anderen Städten
tagelang Tausende Menschen mit Slogans wie „Schande“ und „Gebt uns Fedorow
wieder“ für den entlassenen Minister auf die Straße gegangen. Nachdem
bekannt geworden hat, dass es massive Unstimmigkeiten zwischen Fedorow und
Syrskyj gegeben hatte, war bei den Protesten auch der Ruf nach Syrskyjs
Entlassung laut geworden. Dieser Forderung hatte sich Selenskyj gebeugt.
Danach wurden die Kundgebungen deutlich kleiner.
Doch offensichtlich wollen nicht alle Ukrainer*innen klein beigeben –
auch Dmytro Kosjatynskyj nicht, Veteran der ukrainischen Armee und
ehemaliger Sanitäter. In den sozialen Medien rief er zur weiteren
Unterstützung für Fedorow auf: Die Protestierenden hätten immer noch keine
Antwort auf ihre Fragen erhalten.
Selenskyj müsse den Dialog mit Fedorow fortsetzen, schrieb Kosjatynskyj auf
seiner Facebook-Seite und kündigte eine weitere Protestaktion für kommenden
Freitag in Kyjiw an. Offensichtlich wollen die Unzufriedenen ihre Taktik
ändern. Anstatt sich auf einem Platz zu versammeln, wollen sie mit einem
Marsch durch die ukrainische Hauptstadt ziehen.
Laut einer Umfrage der Agentur Rejting vom 20./21. Juli wären bei
Präsidentenwahlen 13,4 Prozent der Ukrainer*innen bereit, Fedorow ihre
Stimme zu geben, sollte er antreten. Vor der Regierungsumbildung lag dieser
Wert bei 2 bis 3 Prozent.
Doch unter Verweis auf eine Quelle aus Fedorows Umfeld heißt es bei
RBK-Ukraina, dass Fedorow keinerlei Absicht habe, in die Politik zu gehen –
wenngleich vieles vom weiteren Verlauf der Ereignisse abhinge: von der
Protestlage, der Situation an der Front sowie von möglichem Druck, der auf
ihn oder auf seine Vertrauten ausgeübt werde.
28 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rbc.ua/rus/news/perepoloh-bankoviy-k-zelenskiy-obrav-drapatogo-1785181457.html
(DIR) [2] /Proteste-gegen-Selenskyj/!6198136
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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