# taz.de -- Mit fast 92 Prozent: Union wählt Frei zum neuen Fraktionschef
       
       > Die Unionsfraktion hat Thorsten Frei zum Nachfolger von Jens Spahn
       > gewählt. Ob dadurch Ruhe einkehren wird, ist fraglich. Die Kritik an
       > Kanzler Merz hält an.
       
 (IMG) Bild: Die Unionsfraktion im Bundestag hat einen neuen Vorsitzenden gewählt: Thorsten Frei (CDU)
       
       afp | Nach dem Rücktritt von Jens Spahn hat die Unionsfraktion im Bundestag
       den bisherigen Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) zum neuen
       Vorsitzenden gewählt. Der langjährige Vertraute von Kanzler Friedrich Merz
       (CDU) erhielt bei einer Sondersitzung am Mittwoch 91,9 Prozent der Stimmen.
       [1][Spahn war Mitte Juli wegen Vorwürfen zur Inanspruchnahme einer
       Leihmutter in den USA für die Geburt seines Sohnes zurückgetreten]. Dies
       hatte eine von Pannen begleitete Kabinettsumbildung ausgelöst, die auch am
       Mittwoch in der Partei weiter für Kritik an Merz sorgte.
       
       Denn Merz nutzte die Neubesetzung des wichtigen Fraktionspostens für
       umfangreichere Veränderungen im Kabinett. Er besetzte drei
       CDU-Ministerposten neu: Am Mittwoch ernannte Bundespräsident Frank-Walter
       Steinmeier [2][Nina Warken (CDU) als neue Kanzleramtschefin]. Ihren Posten
       als Gesundheitsminister übernahm der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten
       Linnemann, das Verkehrsressort ging an den bisherigen
       Parlamentsgeschäftsführer [3][Steffen Bilger] (CDU).
       
       Bei der Kabinettsumbildung sorgte vor allem die Hängepartie um den Rauswurf
       von Verkehrsminister Patrick Schnieder für Kritik in der CDU. Merz hatte
       ihm bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass er ihn entlassen wolle. Doch
       dazu kam es nicht, weil ein potenzieller Nachfolger wieder kurzfristig
       abgesagt hatte.
       
       Die CDU-Landtagsfraktion aus Schnieders Landesverband Rheinland-Pfalz sagte
       aus Protest gegen das Vorgehen ein geplantes Gespräch mit Merz im September
       ab. Kritik gab es auch aus ostdeutschen Landesverbänden, die sich zumindest
       bei Staatssekretärsposten im Zuge des Kabinettsumbaus nicht ausreichend
       berücksichtigt sahen.
       
       ## Kritik Worte an Merz hinter verschlossenen Türen
       
       Das Wahlergebnis des 52-jährigen Frei in der CDU/CSU-Fraktion fiel
       ungeachtet der Turbulenzen sehr gut aus und besser als bei Spahn. Dieser
       hatte bei seiner ersten Wahl zum Fraktionschef im vergangenen Jahr 91,3
       Prozent erhalten. Bei seiner Wiederwahl im Mai waren es dann noch 86,5
       Prozent.
       
       CSU-Chef Markus Söder gratulierte Frei im Online-Dienst X zur Wahl. „Als
       Baden-Württemberger kennt Thorsten Frei die Anliegen des Südens“, schrieb
       der bayerische Ministerpräsident. „Er hat den gleichen Kompass wie die CSU,
       ist tief in den Themen und ein guter Kommunikator.“ Er habe zudem
       „Fraktions- und Regierungserfahrung, Leidenschaft und Empathie“. Dies seien
       „beste Voraussetzungen“ für die neue Aufgabe.
       
       Am Mittwoch gab es aber weiter Kritik am Kommunikationsstil des Kanzlers.
       „Ich schätze Friedrich Merz als Bundeskanzler. Seine Kommunikation als
       CDU-Chef aber ist ausbaufähig. Und seine Personalpolitik auch“, sagte der
       CDU-Landesvorsitzende Heiko Strohmann dem „Tagesspiegel“ vom Mittwoch.
       „Eine Partei funktioniert nicht, indem da einer vorn sitzt, einen Monolog
       hält und wir anschließend applaudieren.“
       
       Auch der CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke forderte im Deutschlandfunk
       einen besseren Kommunikationsstil des Partei- und Regierungschefs. Es sei
       das Recht eines Kanzlers, seine Führungsmannschaft neu aufzustellen. Zur
       Führungsaufgabe gehöre es aber auch, Kritik einzupreisen und damit
       umzugehen.
       
       Merz nahm am Mittwoch an der Fraktionssitzung zur Wahl Freis teil. Erwartet
       wurde, dass seine Kritiker das Treffen hinter verschlossenen Türen auch für
       klare Worte an den Partei- und Regierungschef nutzen würden. Das Treffen
       dauerte nach der Wahl Freis länger als geplant. Eine zunächst für 15.00 Uhr
       angesetzte Pressekonferenz verzögerte sich deutlich.
       
       Dass es Diskussionen in der Fraktion gebe, sei gut, sagte die bisherige
       parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Gitta
       Connemann (CDU) vor der Sondersitzung im Sender Phoenix. „Denn wir sind ja
       kein Abnick-Verein.“ Auf die Frage, ob sich der Unmut gegen Merz nun
       schnell wieder legen werde, sagte sie: „Es wird sicherlich bei dem einen
       oder dem anderen etwas Zeit brauchen, aber das ist nur menschlich.“
       Connemann wechselt im Zuge der Kabinettsumbildung nun als Staatssekretärin
       ins Digitalministerium.
       
       29 Jul 2026
       
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