# taz.de -- Programm gegen Migration in Südafrika: Zäune und Drohnen sollen afrikanische Zuwanderer fernhalten
       
       > Südafrikas Regierung steckt Milliarden in die faktische Schließung der
       > Grenzen. Bestehende Ideen zum produktiven Umgang mit Migration wurden
       > vergessen.
       
 (IMG) Bild: Malawische Staatsbürger, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, warten in Durban, Südafrika auf die Abfertigung durch Grenzbeamte
       
       Südafrika will mehr als 10 Milliarden Rand über drei Jahre ausgeben, um
       seine Grenzen zu seinen afrikanischen Nachbarn zu schließen. Grenzzäune,
       effiziente Patrouillen, Aufklärung über Migrationsbewegungen,
       Luftüberwachung und damit verbundene Infrastruktur an Land- und Seegrenzen
       sowie Flughäfen sollen damit bezahlt werden, [1][kündigte Anfang dieser
       Woche Mamoloko Kubayi an], Vorsitzender des interministeriellen Ausschusses
       für Migration.
       
       Das neue Milliardenprogramm ergänzt das beantragte Jahresbudget der
       Grenzschutzbehörde BMA (Border Management Authority) in Höhe von vier
       Milliarden Rand zur Ertüchtigung der bestehenden Maßnahmen.
       
       Ziel ist, den unkontrollierten Zustrom von Migranten von Mosambik, Malawi,
       Simbabwe und Lesotho zu stoppen. In Südafrika besteht weitgehende
       politische Einigkeit über die Notwendigkeit, illegale Einwanderung zu
       beenden. Über die Kosten dafür wird aber heftig gestritten.
       
       Das veranschlagte Geld solle in einheimische Technologie fließen, sagte
       dazu Daniel du Plessis, Vizepräsident des südafrikanischen
       Rüstungsunternehmens Milkor. Es stellt Überwachungsdrohnen mit großer
       Reichweite und modernster Technologie wie KI-Erkennungstools her.
       
       ## Technokratische Lösung für ein politisches Problem
       
       Das Problem ist, dass Südafrikas Regierende keine eigenen Ideen entwickeln,
       sondern sich darauf verlassen, was die Technokraten in ihren Ministerien
       ihnen aufschreiben und mit Kostenvoranschlägen versehen. Ob die weitgehende
       Abriegelung von Südafrikas Grenzen überhaupt die Probleme des Landes löst,
       bedenken die Technokraten nicht, das müsste politisch diskutiert werden.
       
       Das neue Programm wird ab 2027 mehr als fünf Jahre brauchen, bis alles
       läuft. Aber so viel Zeit hat das Land nicht. Südafrikas Migrationskrise ist
       eine Folge der hohen Arbeitslosigkeit, die immer mehr
       [2][Ausländerfeindlichkeit unter Einheimischen] und [3][Übergriffe gegen
       Zuwanderer] schürt, und der Notwendigkeit, dringend Arbeitsplätze in großer
       Zahl zu schaffen, indem schwarze Unternehmer gefördert werden, um
       Industrien zu gründen. Starthilfen dafür würden 200 Millionen Rand kosten.
       
       Stattdessen fließen nun 14 Milliarden Rand ins Grenzmanagement.
       Währenddessen haben über 160.000 Zuwanderer Südafrika in den vergangenen
       Wochen [4][schon wieder verlassen], weil sie ihr Leben nicht für eine
       zunehmend riskante Existenz in Südafrika aufs Spiel setzen wollen.
       
       ## Die vergessene Geschichte der Zuwanderung
       
       Die eine Million Simbabwer in Südafrika und die anderen afrikanischen
       Zuwanderer, die aus Malawi ausgenommen, wollten da ursprünglich
       größtenteils gar nicht hin. Nach Simbabwes Unabhängigkeit 1980 kamen
       hauptsächlich Angehörige der Volksgruppe der Ndebele, die in der neuen
       Regierung marginalisiert war und enge Verbindungen zu Südafrikas Zulu
       pflegt. Es waren nur wenige Tausend, meist hochgebildete Menschen, die ab
       dem Ende der Apartheid 1994 den Fachkräftemangel unter Südafrikas Schwarzen
       kompensierten.
       
       Aber als Simbabwe in die Krise schlitterte, erkannte Südafrika Simbabwes
       umstrittene [5][Wahlen von 2002] an, anders als die meisten internationalen
       Beobachter. Südafrika trug durch seine einseitige Unterstützung der
       Regierung Simbabwes zur Krise dort und damit zur Auswanderung von Millionen
       Menschen aus Simbabwe nach Südafrika bei – darunter viele ungelernte
       Landarbeiter, die saisonale Arbeit auf südafrikanischen Farmen fanden.
       
       Das haben die Südafrikaner vergessen, oder sie wollen sich daran nicht
       erinnern. Auf Druck simbabwischer Exilorganisationen erforschten die
       südafrikanischen Behörden bereits ab 2007 die Lebensumstände der
       simbabwischen Emigranten und die Möglichkeiten einer freiwilligen Rückkehr.
       Daraus ergaben sich zwei Hauptforderungen: Legalisierung sowie Starthilfen
       zur Unternehmensgründung.
       
       Die Legalisierung wurde [6][ab 2010 umgesetzt]. Die Starthilfen wurden mit
       50 Millionen Rand Fördergeldern beziffert, im Rahmen eines breiten
       Industrialisierungsprogramms. Aber dieser Vorschlag erreichte nie den
       Präsidenten, weil seine Technokraten ihn nicht weiterleiteten. Statt auf
       Förderung des afrikanischen Kleinunternehmertums setzte Südafrikas
       Regierung in ihrem [7][Industrialisierungsplan von 2012] vor allem auf
       Infrastruktur zur Anwerbung von Großinvestoren aus den reichen
       Industrienationen.
       
       Hätte Südafrikas Regierung damals die 50 Millionen Rand zur Förderung der
       Unternehmensgründung unter Migranten zur Verfügung gestellt, gäbe es heute
       vielleicht nicht die Krise über die Anwesenheit von derzeit einer Million
       Simbabwern in prekären Verhältnissen, die zu ausländerfeindlichen Unruhen
       und schließlich einer Massenrückwanderung geführt hat.
       
       Die alternativen Ideen von damals wieder auszugraben und auf die
       Herkunftsländer zu erweitern, würde in allen Nachbarländern Arbeitsplätze
       schaffen – und könnte damit den Migrationsdruck effektiver lindern, als es
       jeder Grenzzaun und jede Überwachungsdrohne vermag.
       
       28 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.gov.za/news/media-statements/minister-mmamoloko-kubayi-progress-made-implementing-five-point-plan
 (DIR) [2] /Auslaenderfeindlichkeit-in-Suedafrika/!6191597
 (DIR) [3] /Proteste-gegen-Auslaender-in-Suedafrika/!6192382
 (DIR) [4] /Zuwanderer-verlassen-Suedafrika/!6198144
 (DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/2002_Zimbabwean_presidential_election
 (DIR) [6] /Fluechtlinge-aus-Simbabwe-in-Suedafrika/!5134225
 (DIR) [7] https://www.gov.za/sites/default/files/dti_ipap2012-15.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luke Zunga
       
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