# taz.de -- Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Herkunftsländer sollen Südafrika für Deportationen bezahlen
> Länder, in die Südafrika Migranten deportiert, sollen die Kosten dafür
> tragen, sagt Südafrikas Regierung. Neue Aktionen gegen Migranten sind
> geplant.
(IMG) Bild: Gute Miene zum bösen Spiel: Südafrikas Präsident Ramaphosa und Simbabwes Präsident Mnangagwa während des SADC-Gipfels in Durban
Nachdem über 160.000 afrikanische Migranten in den vergangenen Monaten
Südafrika wegen der grassierenden ausländerfeindlichen Gewalt [1][verlassen
haben], verlangt Südafrikas Regierung jetzt Geld von Ländern, in die sie
illegal eingereiste Migranten zurückgeschickt hat.
Das kommt ausgerechnet in der Woche, in der Südafrika Gastgeber des
[2][Staatengipfels der südafrikanischen Regionalgemeinschaft SADC (Southern
Africa Development Community)] in Durban gewesen ist und die rotierende
SADC-Präsidentschaft übernommen hat. Und auf einem
Südafrika-Simbabwe-Wirtschaftsforum in Johannesburg am Freitag will
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa die wirtschaftliche Zusammenarbeit
zwischen beiden Ländern vertiefen.
Südafrika verlangt von Äthiopien, Malawi, Mosambik, Nigeria und Simbabwe
zusammen 292 Millionen Rand (etwas über 15 Millionen Euro) für die Kosten
von Deportationen in diese Länder: Busse, Nahrungsmittel, Überstunden,
Betriebskosten der temporären Deportationszentren Lindela nahe Johannesburg
und Musina an der Grenze zu Simbabwe, über die rund 82.000 Menschen
Südafrika im Rahmen der von ausländerfeindlichen Gruppen an alle
„illegalen“ Migranten gesetzten [3][Ausreisefrist des 30. Juni] das Land
verlassen hatten.
Eigentlich hatten Herkunftsländer der Migranten Entschädigung von Südafrika
verlangt, da ihre Bürger ihr Auskommen in Südafrika verloren haben und nach
der Rückkehr in ihre Heimatländer auf staatliche Unterstützung angewiesen
waren. In mehreren Fällen hatten Südafrikaner Unternehmen im Besitz von
Zuwanderern geplündert und gewaltsam übernommen. Ein südafrikanischer
Minister hatte sogar behauptet, Nigerianer in Südafrika würden ein
Drogenkartell führen.
## „Unvorhergesehene und unvermeidliche Kosten“
Dass nun stattdessen Südafrika Geldforderungen stellt, nennt Südafrikas
Innenministerium eine notwendige Maßnahme, um „unvorhergesehene und
unvermeidliche“ Kosten zu decken, die seinen Haushalt gesprengt hätten.
Aber „dass Herkunftsländer von Migranten für die Rückkehr von Staatsbürgern
zahlen sollen, die durch Ausländerfeindlichkeit vertrieben wurden, wird als
gefühlskalte Schikane empfunden“, sagt ein südafrikanischer Kommentator.
Viele afrikanische Regierungen stünden unter enormem Druck, sich stärker um
die Sicherheit ihrer Diaspora zu kümmern, sagt der nigerianische
Politikexperte Aura Ibrahim. Sie verlangen daher von Südafrika, Opfer
ausländerfeindlicher Übergriffe und Vertreibungen zu entschädigen und die
Täter zur Rechenschaft zu ziehen. „Diesen Regierungen im Gegenzug eine
fette Rechnung zu schreiben, fügt dem Streit um die Sicherheit von
Migranten einen ökonomischen Streit hinzu, was dem Ziel panafrikanischer
Solidarität widerspricht“, sagt er.
Ghanas Regierung, die die Vertreibungen aus Südafrika auf die Agenda der
Afrikanischen Union (AU) gesetzt hat, hofft auf eine diplomatische
Mäßigung, indem beide Seiten auf ihre Forderungen verzichten. „Ghana hat
keine finanzielle oder materielle Unterstützung von Südafrika erbeten, um
unsere Landsleute nach Hause zu holen, also wird Ghana auch auf keiner
südafrikanischen Liste von Ländern landen, von denen Südafrika eine
Kostenerstattung für Repatriierungen verlangt“, hoffte Außenminister Samuel
Okudzeto Ablakwa.
## „Einheit auf Gipfeln, Exklusion auf der Straße“
Auf dem SADC-Gipfel in Durban musste Präsident Ramaphosa vor diesem
Hintergrund einen Balanceakt meistern. „Als Südafrikaner sind wir tief
besorgt und schämen uns dafür, dass Bürger anderer Länder in den letzten
Monaten Diskriminierung und Misshandlung erleiden mussten“, sagte er auf
dem Gipfel. „Die kriminellen Handlungen einiger weniger widersprechen dem
SADC-Grundsatz der Solidarität. Wir können nicht auf Gipfeln Einheit
predigen und auf der Straße Exklusion praktizieren.“
Aber auf der Straße in Durban demonstrierten pünktlich zum SADC-Gipfel 300
Südafrikaner und forderten die angereisten Staats- und Regierungschefs des
südlichen Afrika auf, ihre Landsleute zurückzunehmen. Organisiert hatte den
Aufmarsch [4][unter dem Motto „It's Time To Fetch Your People“ (Es ist
Zeit, dass ihr eure Leute holt)] die militante ausländerfeindliche Gruppe
March and March, die bereits zum 30. Juni alle „papierlosen“ Ausländer zur
Ausreise aus Südafrika aufgefordert und Massenaufmärsche gegen Migranten
organisiert hatte.
Die Gruppe setzt nun eine neue Frist bis 30. September, um die
Deportationen zu vollenden. „Die Bewegung ist zuversichtlich und befindet
sich in einer strukturell besseren Position als am 30. Juni, um die Mutter
aller nationalen Aktionstage gegen illegale Ausländer in Südafrika zu
lancieren“, sagte March-and-March-Sprecher Sandile Dube im Hinblick auf den
30. September.
Zum Gipfelauftakt meldeten die südafrikanischen Behörden die Festnahme von
zwei Kongolesen und einem Simbabwer, die sich unerlaubten Zugang zum
Gipfelort verschaffen wollten. Die Kongolesen werden nun wegen
Identitätsdiebstahl und Betrug angeklagt. Der Simbabwer, der sich als
Artist ausgegeben hatte, wird zusätzlich der illegalen Einreise
beschuldigt.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zuwanderer-verlassen-Suedafrika/!6198144
(DIR) [2] https://www.sadc.int/node/6573
(DIR) [3] /Auslaenderfeindlichkeit-in-Suedafrika/!6191597
(DIR) [4] https://www.facebook.com/61583486076316/photos/-its-time-to-fetch-your-people-march-and-march-targets-sadc-summita-major-protes/122147719359116202/
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(DIR) Tintswalo Baloyi
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