# taz.de -- Fremdenfeindlichkeit in Südafrika: Eine Schande für die einstige Regenbogennation
       
       > Bis zum 30. Juni sollen Ausländer ohne gültige Papiere Südafrika
       > verlassen. Aus dem Land der Freiheit ist eins der Remigration geworden.
       
 (IMG) Bild: Tausende malawische Migranten warten in einem provisorischen Lager in Durban auf ihre Rückkehr nach Malawi, 27. Juni 2026
       
       Unter Nelson Mandela war die „Regenbogennation“ Südafrika ein Leuchtturm
       für die Welt. Auf friedlichem Wege war das mörderische Apartheidregime
       einer Demokratie mit gleichen Rechten für alle gewichen, ein seltener
       Erfolg des friedlichen Wandels. Gut dreißig Jahre später ist längst
       Ernüchterung eingekehrt. Südafrika steht politisch und ökonomisch still.
       Mandelas einstige Befreiungsbewegung African National Congress (ANC) ist zu
       einer Klüngelpartei der Besitzstandswahrung verkommen, Korruption und
       [1][Machtmissbrauch verdüstern die Aufstiegschancen der neuen Generation,
       Populisten jeder Couleur hetzen Menschen gegeneinander] auf, Angst vor
       Gewaltverbrechen prägt den Alltag und spaltet die Gesellschaft.
       
       Es ist das ideale [2][Terrain für Kampagnen der Fremdenfeindlichkeit,] die
       im Zuzug von Arbeits- und Schutzsuchenden aus anderen Ländern Afrikas eine
       unerwünschte Konkurrenz im Kampf um knappe Ressourcen und Dienstleistungen
       sehen. Gerade am unteren Rand der Gesellschaft wird aus solchen Kampagnen
       schnell blutiger Ernst. Zugezogene werden schikaniert und verjagt,
       Verkaufsstände und Hütten gehen in Flammen auf. Nun haben es die selbst
       organisierten „Bürgerwehren“ geschafft, den 30. Juni zum Tag der Angst zu
       machen, einem landesweiten Ausländer-raus-Tag, bis zu dem alle vermeintlich
       illegal eingereisten Nichtsüdafrikaner ausgereist sein sollen oder Freiwild
       werden.
       
       Der ANC-geführten Regierung gelingt es nicht, die Hetze wirksam zu
       unterbinden. Sie fährt einen gefährlichen Schlingerkurs. Einerseits droht
       sie Gewalttätern mit Härte, andererseits sagt sie „illegaler Migration“ den
       Kampf an. Längst gehört die Forderung zum politischen Mainstream, alle
       „Illegalen“ außer Landes zu schaffen. Da das nicht passiert, werfen
       Populisten der Politik Versagen vor und wollen selbst zur Tat schreiten.
       Jetzt drängeln sich Ausreisewillige zu Zehntausenden an Busbahnhöfen und in
       improvisierten Zeltlagern – eine Schande für Südafrika.
       
       Südafrika lebt vor, was Europa erst noch bevorsteht. Denn hier erstarken
       Rechtsextreme und Rechtspopulisten mit der Forderung nach „Remigration“;
       strittig ist höchstens, ob freiwillige Massenausreise genügt oder ob der
       Staat nachhelfen muss. In Südafrika ist die Massenausreise im Gange, und
       die Grenze zwischen Freiwilligkeit und staatlicher Nachhilfe erweist sich
       als bedeutungslos: Die Menschen haben einfach Angst. [3][Jetzt rächt sich,
       dass Südafrika nie wirklich aus Angst und Misstrauen herausgefunden hat].
       Von der Regenbogennation zur Remigration – es war ein kurzer Weg. Und ein
       steiler Abstieg.
       
       29 Jun 2026
       
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