# taz.de -- Zuwanderer verlassen Südafrika: Kein Gemüse, kein Friseur, kein Gärtner, kein Bauarbeiter
> Über 160.000 afrikanische Zuwanderer sind aus Südafrika geflohen. Das hat
> drastische Auswirkungen – vom Kleinhandel in den Townships bis zu
> Großfarmen.
(IMG) Bild: Mit Sack und Pack: Simbabwer verlassen Südafrika aus Angst vor Gewalt, hier am Busbahnhof von Pretoria am 28. Juni
Nach den ausländerfeindlichen Kampagnen der vergangenen Monate in Südafrika
haben [1][über 160.000 afrikanische Migranten das Land verlassen]. Allein
Simbabwe hat mittlerweile 108.360 Rückkehrer aufgenommen, wie aus den
neuesten amtlichen Zahlen von dieser Woche hervorgeht. 46.890 kehrten
offiziellen Angaben zufolge nach Malawi zurück.
An dritter Stelle liegt Mosambik, das 2.000 Rückkehrer meldet, allerdings
nur die von der Regierung zurückgeholten – die Gesamtzahl der Rückkehrer
wird auf rund 20.000 geschätzt. Nigeria hat 1.490 seiner Staatsbürger aus
Südafrika repatriiert, Ghana 926. Weitere Rückkehrer vermelden Uganda,
Lesotho, Kenia und die Demokratische Republik Kongo.
An Südafrikas verkehrsreichstem Grenzübergang Beitbridge nach Simbabwe
wickelt das gemeinsam von Simbabwes Regierung und der
UN-Migrationsorganisation IOM (International Organisation for Migration)
betriebene [2][„Beitbridge Reception and Support Centre“] jetzt täglich
zwischen 1.000 und 2.400 Menschen ab. IOM, Hilfswerke und Behörden
unterstützen sie dann mit Lebensmitteln, Obdach, Transport und
Gesundheitsversorgung.
Die südafrikanische Hilfswerk „Gift of the Givers“ hat über 75.000
Mahlzeiten verteilt, unmittelbar brauchen die Leute auch Decken und
Beratung über ihre Zukunft. 1.474 Menschen mussten in Beitbridge
medizinisch behandelt werden, 416 Busse haben Rückkehrer bislang in ihre
Heimatgemeinden im ganzen Land gebracht.
## In KwaZulu-Natal ist Südafrikas Zuckerernte in Gefahr
Von den über 108.000 Rückkehrern aus Südafrika – mehr als ein Zehntel der
dort lebenden Simbabwer – hat die simbabwische Regierung gut ein Drittel in
organisierten Repatriierungen zurückgeholt, die anderen sind auf eigene
Faust nach Simbabwe zurückgekehrt, manche auf dem Umweg über Botswana.
Bislang haben sich 15.065 Rückkehrer als arbeitssuchend gemeldet, meist in
den Bereichen häuslicher Dienste, Bauarbeit und Ackerbau.
In Südafrika werden entsprechend Arbeitskräfte knapp. In der
bevölkerungsreichsten Provinz KwaZulu-Natal melden die Zuckerrohrplantagen
einen enormen Arbeitskräftemangel, weil so viele weg sind. Pratish Sharma,
Vorsitzender des [3][„Maidstone Local Grower Council“] und Zuckerfarmer bei
Tongaat, berichtet, dass manche Ernten nicht eingeholt werden können und
große Teile der Produktion auf den Feldern zu verrotten drohen. Ein Farmer
habe 100 Arbeiter verloren und nur 20 neue gefunden.
Radikale ausländerfeindliche Gruppen in Südafrika hatten „illegalen“
Zuwanderern [4][eine Frist gesetzt, bis 30. Juni das Land freiwillig zu
verlassen] oder ab dann dazu gezwungen zu werden. Ausländerfeindliche
Gewalt hat in diesem Zusammenhang mindestens vier Tote gefordert. Nicht nur
Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus haben Südafrika verlassen,
sondern auch andere, da manche Arbeitgeber keine Ausländer mehr
beschäftigen wollen und viele Migranten Angst vor Schikanen durch
selbsternannte Ordnungskräfte bekommen, die willkürlich Ausweise prüfen.
Das Versprechen, dass eine massive Ausreise von Zuwanderern mehr
Arbeitsplätze für Einheimische schafft, in einem Land mit einer offiziellen
Arbeitslosenquote von 32 Prozent, geht offenbar nicht auf. Wer Südafrika
verlässt, nimmt seine Fähigkeiten mit, und in vielen Berufen ist es
ausgesprochen schwer, dafür Ersatz zu finden.
## In Soweto sind Gemüsehändler und Friseure weg
In Südafrikas Straßenverkaufsbuden, Frisiersalons, Schweiß- und Bauarbeiten
dominieren afrikanische Zuwanderer, die meisten Südafrikaner blicken auf
sie und ihre Arbeit herab. Nun wundern sie sich, wo die Leute geblieben
sind.
Etwa in Protea Glen, ein Mittelklassenvorort von [5][Soweto], dem größten
Township von Südafrikas größter Stadt Johannesburg. Die Gemüsehändler an
den Straßen, wo bislang jeder einkaufte, haben größtenteils dichtgemacht
und sind nach Mosambik zurückgegangen. Sie waren immer die ersten auf den
Großmärkten und öffneten ihre Verkaufsstände ganz früh, auch bei kaltem und
schlechtem Wetter. Dafür finden sich nun keine einheimischen Südafrikaner.
Für Gemüse müssen sie nun in die [6][modernen Shopping-Malls] gehen, wo
alles doppelt so viel kostet und normalerweise nur die begüterte
Mittelschicht einkauft. Und in den Supermärkten „Shoprite“ und „Pick n Pay“
in Protea Glen gibt es hauptsächlich Kohl und Spinat, andere Gemüsesorten
fehlen.
Draußen vor den Malls sind die Gehwege weitgehend leer. An den Mauern, vor
denen einst Kleinhändler ihre Waren anboten, prangen noch Parolen wie
„Please Go Home“, die die ausländerfeindlichen Gruppen dort im Zuge ihrer
Einschüchterungskampagnen vor dem 30. Juni hinsprühten. Dem Aufruf wurde
offensichtlich Folge geleistet, dort steht niemand mehr.
„Die Ausländer sind nach Hause gegangen oder können nicht mehr auf der
Straße operieren, nun leiden die Einheimischen“, analysiert Passant Samuel
Nthodi. „Es gibt jetzt kein erschwingliches Gemüse mehr. Die Supermärkte
schlagen daraus Profit, denn man hat jetzt keine Wahl mehr, als dort
überteuert einzukaufen.“
Nhlanhla Tholashe sucht derweil vergeblich einen Friseur. Sein Stammfriseur
aus Mosambik ist nicht mehr da. „Seit heute Mittag bin ich auf der Suche“,
sagt er am Abend. „Vielleicht muss ich nach Mosambik gehen, um mir die
Haare schneiden zu lassen.“ Die ausländerfeindlichen Gruppen, findet er,
sollten jetzt selber die Arbeit machen, die bisher die Migranten
verrichteten – oder die Migranten zurückholen.
Die mosambikanischen Barbiere verlangten 30 bis 50 Rand (1,60 bis 2,60
Euro). Feinere südafrikanische Salons hingegen nehmen 150 bis 200 Rand (8
bis über 10 Euro), sehr viel für südafrikanische Verhältnisse. Das
Friseurproblem ist jetzt besonders akut, weil am Dienstag das neue
Schuljahr in Südafrika begonnen hat und die Jugendlichen alle
frischgeschnitten zum Unterricht wollen.
Auch andere Sektoren sind betroffen. Eine Frau in Soweto, die anonym
bleiben will, klagt, dass ihr Gärtner, der Unkraut jätet und den Hof
reinigt, das Land verlassen hat. Sie hat einen südafrikanischen Ersatz
gefunden, „aber er kam erst um 10 Uhr, obwohl wir 8 Uhr vereinbart hatten,
und hat überhaupt nicht sauber gemacht“.
## Bauarbeiter und Handwerker dringend gesucht
Soweto mit über zwei Millionen Einwohnern [7][entwickelt sich rasant], es
zählt inzwischen eigene wohlhabende Stadtviertel und expandiert Richtung
Westen, über die Grenze der Provinz Gauteng hinaus nach North West
Province. Bauarbeiter, Maurer, Maler, Schreiner, Klempner, Bodenleger und
Handwerker aller Art sind schwer nachgefragt, und viele davon kommen aus
dem Ausland.
Das liegt auch an Südafrikas Bildungssystem, das nach einhelliger Meinung
von Experten und Arbeitgebern viel zu theoretisch ist und keine praktische
Berufsbildung anbietet. Südafrikaner verlassen sich daher zumeist auf
zugewanderte Arbeitskräfte für praktische Dinge.
Derweil kursieren Gerüchte, Südafrikas Regierung habe den Regierungen der
Nachbarländer ein Ultimatum gesetzt, ihre Repatriierungsaktionen zu
beenden, um den Abfluss von Arbeitskräften zu stoppen. Simbabwes Regierung
trat dem jetzt offiziell entgegen.
„Wir hören nichtoffizielle Gruppen, die verschiedene Daten in den Raum
stellen“, sagte Außenminister Amon Murwira nach einer Kabinettssitzung in
der Hauptstadt Harare. „Ich will mal klarstellen: In unserer Kommunikation
mit der Regierung Südafrikas und in unserer Arbeit gehen wir von der
freiwilligen Rückkehr aller Simbabwer aus, die nach Hause kommen wollen, in
Zusammenarbeit mit der südafrikanischen Regierung. Zu keinem Zeitpunkt
wurde uns eine Frist gesetzt.“
22 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.france24.com/en/live-news/20260721-south-africa-s-anti-migrant-unrest-led-over-160-000-to-flee
(DIR) [2] https://zimbabwe.iom.int/news/official-handover-beitbridge-reception-and-support-center-government-zimbabwe
(DIR) [3] https://www.facebook.com/people/Maidstone-Local-Grower-Council/61584708304818/
(DIR) [4] /Auslaenderfeindlichkeit-in-Suedafrika/!6191597
(DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Soweto
(DIR) [6] https://en.wikipedia.org/wiki/Protea_Glen_Mall
(DIR) [7] /Waehlen-gegen-Suedafrikas-Stillstand/!6008907
## AUTOREN
(DIR) Savious Kwinika
(DIR) Akani Chauke
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