# taz.de -- Zunehmende Klimaskepsis: Wenn die Hitze keine Lehre ist
> Immer häufiger Dürren, immer mehr Brände und tropische Nächte – die
> Klimakrise ist spürbar wie nie. Trotzdem nimmt seit 2023 Klimaskepsis zu.
> Warum?
(IMG) Bild: Ein Löschhubschrauber bei der Wasserentnahme aus einem Pool während eines Waldbrandes in der spanischen Provinz Ávila im Juli
Immer größere Teile Europas brennen, immer mehr Menschen sterben an der
Hitze. Schuld ist der zunehmende Klimawandel. Und verantwortlich für den
Klimawandel ist der anhaltende CO2-Ausstoß der Menschheit. Trotzdem hält
sich auch in Deutschland die Skepsis: War es nicht immer schon heiß? Ist
das wirklich ein großes Problem? Selbst wenn sich das Klima verändert: Wie
viel Anteil kann der Mensch daran schon haben?
Die Zahl dieser Klimaskeptiker*innen ist im Laufe der 2010er Jahre
kontinuierlich gesunken. Bis 2023: Damals stellten verschiedene
[1][Umfragen] einen Anstieg der Klimaskepsis fest.
## Die Studie
Eine [2][Studie] im Fachjournal Global Environmental Change hat diesen
Sprung zwischen 2022 und 2023 untersucht. Die beiden Flensburger
Autor*innen haben dafür Daten des GESIS-Panels genutzt, bei dem etwa
3.000 Erwachsene in Deutschland jedes Jahr befragt werden. Interessiert hat
die Forschenden, ob die Teilnehmenden den Klimawandel für real halten,
seine Folgen für gefährlich und den Einfluss des Menschen aufs Klima für
ausschlaggebend.
Sie wollten aber auch wissen, ob die Befragten die Energiewende und den
Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie die CO2-Steuer und steigende Preise
für klimaschädliche Produkte befürworten. An all den Punkten maßen sie
„Klimaskepsis“. „Das ist nützlich, weil es klarmacht, dass Skepsis
verschiedene Aspekte beinhaltet“, sagt der Politikwissenschaftler Jan
Eichhorn, der nicht an der Studie beteiligt war. „Es macht einen
Unterschied, ob jemand vorsichtiger bei den aktuellen Klimaschutzmaßnahmen
wird oder den Anteil des Menschen am Klimawandel unterschätzt.“
Das Ergebnis der Studie: 59 Prozent der Teilnehmer*innen wurden über
die diversen Aspekte hinweg skeptischer. Einer von vier Befragten stellte
eher Klimawandel, Klimafolgen und menschlichen Einfluss infrage. Die
Forscher*innen schreiben sogar, dass nicht nur die ohnehin Zweifelnden
noch mehr zweifelten. Stattdessen beobachten sie „eine Verschiebung breiter
Schichten der Bevölkerung“.
Entscheidend für wachsende Skepsis ist ihnen zufolge nicht Alter,
Geschlecht oder Einkommen. Sondern wer [3][politisch rechts] stand, der
Regierung misstraute und eher individualistisch und traditionsbewusst war,
tendierte am ehesten zur Klimaskepsis. Und wegen des fossilen
Energiepreisschocks 2022, der folgenden Inflation und der wirtschaftlichen
Unsicherheit sei das [4][Misstrauen] in die Regierung gestiegen – beste
Voraussetzungen für mehr Klimaskepsis.
## Was bringt’s?
„Klimapolitik ist kein unabhängiger Bereich, sondern man muss ihn mit
anderen Sorgen zusammendenken“, schließt Eichhorn aus der Studie. „Besser
wäre es, das gemeinsam anzugehen und auch so zu kommunizieren: Wir können
die Wirtschaft stärken und gleichzeitig das Klima schützen.“ Ein
Gegenmittel gegen Klimaskepsis ist also: Klimagerechtigkeit.
15 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://link.springer.com/article/10.1007/s10640-022-00747-1
(DIR) [2] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378026000919?via%3Dihub
(DIR) [3] /Studie-zur-Klimapolitik-der-AfD/!5798257
(DIR) [4] /Rechtsextremisten-nutzen-mit-wachsendem-Erfolg-die-epidemisch-gewordene-Missstimmung/!6112886
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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