# taz.de -- Solidarität in der Klimakrise: Hitze ist keine Privatsache
> Immer häufiger steigen die Temperaturen über 30 Grad. Sieben Vorschläge,
> mit denen wir uns gegenseitig durch die nächste Hitzewelle helfen können.
(IMG) Bild: Der 28. Juni war der heißeste Tag dieses Jahres. Die Menschen suchten Abkühlung, wie hier im Victoriapark in Berlin-Kreuzberg
Hitze ist Stress für den Körper. Je länger und stärker eine Hitzewelle
anhält, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für einen Hitzschlag.
Schwitzen reicht dann nicht mehr aus, um den Körper zu kühlen. Besonders
gefährdet sind alte und kranke Menschen sowie Kleinkinder, da ihre Körper
sich schlechter an hohe Temperaturen anpassen können.
In diesem Sommer sind laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in
Deutschland bereits [1][9.800 Menschen] an den Folgen von Hitze gestorben.
In der Statistik der Hitzetoten ragt das Jahr 2026 schon jetzt über die
Balken der Vorjahre hinaus. Zum Vergleich: Für 2025 geht das RKI von
insgesamt 2.600 Hitzetoten aus.
Nach der Hitzewelle im Juni dieses Jahres schlugen deshalb viele Kliniken
in Deutschland Alarm. Die Notaufnahmen waren voller dehydrierter Menschen.
Das Stuttgarter Robert Bosch Krankenhaus schaffte sogar eine Eismaschine
an, um so die Körpertemperatur von überhitzten Patient:innen zu senken.
Die Methode: Die Menschen werden zum Abkühlen in einen Leichensack
gesteckt, der mit Wasser und Eis gefüllt wird. Das klingt makaber, ist aber
gleichzeitig die Realität im Sommer 2026.
Gegen die extremen Temperaturen kann man akut nichts unternehmen. Aber es
gibt Wege, wie man gemeinschaftlich besser durch die nächste Hitzewelle
kommen kann. Hier sind sieben davon.
1 Aufeinander achten
2003 erlebte Frankreich einen verheerenden Hitzesommer, 15.000 Menschen
starben an den Folgen der Hitze. Danach wurden zwei Faktoren identifiziert,
die die vielen Toten begünstigten: Ignoranz und Isolation. Die Franzosen
fuhren damals in die Ferien, zurück blieben die Alten, die allein in ihren
heißen Wohnungen starben. Seitdem wird [2][Hitze in Frankreich] als soziale
Aufgabe betrachtet, die gemeinschaftlich angegangen werden muss. In
Deutschland muss dieses kollektive Bewusstsein noch wachsen.
An heißen Tagen gilt also einmal mehr: Nach älteren Menschen schauen. Haben
sie genug getrunken? Wie fühlen sie sich? Das kann man nicht nur die
eigenen Großeltern fragen, sondern auch die alleinlebende Nachbarin, den
Mann in der Supermarktschlange, die Frau in der Bahn. Denn im Alter nimmt
das Durstgefühl ab, ältere Menschen dehydrieren leichter.
Bei Älteren lässt sich übrigens einfach testen, ob sie zu wenig getrunken
haben. Wenn man die Haut an der Hand hochzieht, sie wieder loslässt und
sich die Haut nur sehr langsam wieder glättet, ist die Person
wahrscheinlich dehydriert oder auf dem Weg dahin.
2 Gemeinsam querlüften
Tagsüber sollten die Fenster zugehängt und geschlossen sein. Aber sobald es
abends abgekühlt ist, hilft es, [3][quer durch die Wohnung zu lüften],
sodass ein Luftzug entsteht. Wenn alle eigenen Fenster auf der Sonnenseite
liegen, kann man bei den Nachbarn um Hilfe bitten und fragen, ob man durch
die geöffneten Wohnungstüren lüften kann. So kann sich kühle Luft über den
Hausflur austauschen. Und wer in einer Erdgeschosswohnung wohnt, kann den
Nachbarn aus dem Dachgeschoss anbieten, sich für ein paar Stunden unten
abzukühlen.
3 An Obdachlose denken
[4][Menschen ohne Obdach] sind durch Hitze besonders gefährdet, weil sie
ihr permanent ausgeliefert sind und sie nicht immer einfach an Trinkwasser
kommen. An heißen Tagen kann man Menschen, die auf der Straße leben,
deshalb mit einfachen Dingen unterstützen, etwa einer Wasserflasche,
Sonnencreme oder einer Kopfbedeckung. Schläft jemand in der prallen Sonne,
sollte man die Person höflich ansprechen und fragen, ob sie Hilfe oder
einen Platz im Schatten braucht. Bei Anzeichen eines Hitzschlags – etwa
starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Verwirrtheit – und wenn die Person
einverstanden ist oder sogar nicht mehr ansprechbar, sollte ein
Krankenwagen gerufen werden.
4 Kühle Räume anderen zeigen
Für viele Städte gibt es bereits Karten, in denen öffentliche Orte zum
Abkühlen eingetragen werden. Alte Kirchengebäude bleiben verlässlich kalt
und öffnen ihre Räume oft für alle zum Ausruhen. Auch in Museen kann man
teilweise ausharren, ohne ein Ticket kaufen zu müssen. In den Karten werden
auch Trinkbrunnen oder schattige Parks markiert. Einer älteren oder
obdachlosen Person, die einen kühlen Ort für die Mittagsstunden sucht, kann
man mit diesen Karten weiterhelfen.
5 Hitzetelefonnummern verbreiten
Städte wie [5][Köln], [6][Bielefeld], [7][Würzburg] und [8][Berlin] haben
in den Sommermonaten Hitzetelefone eingerichtet – für manche muss man sich
allerdings vorab registrieren. Die Nummern können insbesondere ältere
Menschen anrufen, wenn sie sich wegen der Hitze Sorgen machen oder Hilfe
benötigen. Teilweise werden Hitzepaten zugeteilt, die sich an heißen Tagen
um eine ältere Person in der Nachbarschaft kümmern. Sie gehen für sie
einkaufen oder fragen nach, ob genug getrunken wurde. Wer die Möglichkeit
hat, kann sich als Pate melden.
6 Auf Sport verzichten
Dieser Punkt mag für manche radikal erscheinen, doch auch er ist
solidarisch. Denn selbst als junger, fitter und gesunder Mensch sollte man
an heißen Tagen keinen anstrengenden Sport machen, insbesondere nicht im
Freien. Bei Temperaturen über 30 Grad ist die gewohnte Laufstrecke sehr
viel herausfordernder für den Körper. Notaufnahmen sind an heißen Tagen oft
überlastet – auf noch mehr überhitzte Personen, die sich beim Sport unnötig
verausgabt haben, können Krankenhäuser verzichten. Wer auf sein Training
dennoch nicht verzichten kann: sehr früh oder sehr spät joggen gehen, wenn
es kühler ist.
7 Erste Hilfe lernen
Wie erkennt man einen Hitzschlag? Wie hilft man bei einem Kreislaufkollaps?
Wer sich auf den Ernstfall vorbereiten will, kann sich für einen
Erste-Hilfe-Kurs anmelden. Der wird übrigens von den meisten Arbeitgebern
übernommen und gilt offiziell als Arbeitszeit, weil jeder Betrieb
Ersthelfer:innen braucht.
31 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html?nn=16776990
(DIR) [2] /Hitzewelle-in-Frankreich/!6190264
(DIR) [3] /Klimakrise-in-der-Stadt/!6108432
(DIR) [4] /Obdachlosigkeit-und-Aufbruch/!5931604
(DIR) [5] https://www.stadt-koeln.de/service/produkte/20282/index.html
(DIR) [6] https://service.bielefeld.de/detail/-/vr-bis-detail/dienstleistung/9529753/show
(DIR) [7] https://www.seniorenvertretung-wuerzburg.de/hitzetelefon-wuerzburg/
(DIR) [8] https://www.drk-berlin-nordost.de/angebote/aktuelle-angebote/hitzeschutztelefon.html
## AUTOREN
(DIR) Sophie Fichtner
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