# taz.de -- Hitze in Spanien: Das neue Normal
       
       > Mindestens 12 Menschen sind in den vergangenen Tagen bei Waldbränden in
       > Andalusien gestorben. In Spanien werden es immer häufiger über 40 Grad.
       
 (IMG) Bild: Alles ausgebrannt: verheerende Waldbrände in Andalusien
       
       Selbst die Feuerwehrleute der Waldbrandeinheiten hatten so etwas noch nicht
       gesehen. [1][Das Feuer in der andalusischen Provinz Almeria] breitete sich
       mit bis zu 100 Metern pro Minute aus und verschlang alles auf seinem Weg
       durch die karge, zerklüftete Landschaft voller Gestrüpp. Auslöser waren
       wohl die Funken einer herabgefallenen Stromleitung am Donnerstag gegen
       Abend zwischen den kleinen südspanischen Dörfern Bedár und Los Gallardos.
       Am Sonntag konnte der Brand endlich eingedämmt werden. Bis dahin waren
       7.000 Hektar Wald verwüstet und mindestens 12 Menschen gestorben. 23
       Menschen werden noch immer vermisst. Seit Sonntag sind Freiwillige und
       Angehörige des Zivilschutzes dort unterwegs, wo das Gelände wieder begehbar
       ist, und suchen nach ihnen.
       
       Zuvor hatte die Gemeindeverwaltung von Bedár die Bewohner der Region dazu
       aufgefordert, ihre Häuser und das Gebiet zu verlassen. Rund 1.000 Menschen
       wurden evakuiert, doch nicht alle kamen der Aufforderung nach. Viele Häuser
       liegen verstreut in der Landschaft und sind im Besitz von Rentnern aus dem
       restlichen Europa, die in Südspanien ihren Lebensabend verbringen. 11 der
       12 Todesopfer von Bedár und Los Gallardos sind – so vorläufige
       Informationen – Ausländer, die meisten wohl aus Großbritannien. Sie flohen
       viel zu spät und wurden auf Feldwegen von Flammen eingeschlossen.
       
       „[2][Der Klimawandel] führt zu immer komplexeren Lagen, mit Bränden, wie
       wir sie noch nie zuvor gesehen haben, viele davon unkontrollierbar“,
       erklärte der Chef der andalusischen Regionalregierung, Juanma Moreno.
       [3][Der Konservative, der in Koalition mit der rechtsextremen VOX regiert],
       warnt vor weiteren Gefahren durch Waldbrände: Der Sommer habe gerade erst
       begonnen.
       
       ## 15 Brände pro Tag
       
       Tatsächlich sind aktuell in Andalusien durchschnittlich 15 Brände pro Tag
       zu verzeichnen. Die allermeisten können zum Glück schnell gelöscht werden.
       Doch die Wettervorhersagen und mittelfristigen Prognosen lassen nichts
       Gutes für die kommenden Wochen erwarten. In Spanien ist dieser Tage viel
       von der 30er-Regel die Rede: mehr als 30 Grad, mehr als 30 Stundenkilometer
       Windgeschwindigkeit und eine Luftfeuchtigkeit von unter 30 Prozent. Weit
       mehr als ein Drittel aller großen Waldbrände entstehen genau unter diesen
       Bedingungen. In großen Teilen Spaniens ist dies derzeit erfüllt.
       
       Nicht nur in Andalusien, sondern überall im Land brennt es. Die Satelliten
       der NASA zählten für die vergangenen 24 Stunden 973 Brandherde in Spanien.
       [4][Betroffen sind 64 Gemeinden in 30 der 52 Provinzen]. Über 68.000 Hektar
       – eine Fläche, die drei Viertel Berlins entspricht – sind dieses Jahr
       bereits abgebrannt.
       
       Was die Presse und das Wetteramt die zweite große Hitzewelle dieses Sommers
       nennt, ist eigentlich so etwas wie die neue sommerliche Realität, denn
       zwischen den Wellen kühlte es nur einige Tage ab und dann auch nur wenig.
       Mittlerweile wurden selbst an der nordspanischen Atlantikküste und deren
       Hinterland – dem Baskenland, Kantabrien oder Asturien – Temperaturen von
       über 40 Grad gemessen. Normal sind hier 10 Grad weniger. Vorbei sind die
       Zeiten, als der Nordwesten als Reiseziel für hitzegeplagte Menschen aus dem
       Zentrum und dem Süden des Landes galt.
       
       Die Waldbrände sind nicht die einzige Folge der hohen Temperaturen. Allein
       in den ersten neun Tagen im Juli starben in Spanien 622 Menschen in Folge
       der Hitze, seit Mai sind es 1.683. Neben Menschen, die trotz großer Hitze
       im Freien arbeiten müssen, sind vor allem ältere Menschen, meist in
       Nordspanien, davon betroffen. Anders als im Süden sind sie an Temperaturen
       in den hohen 30ern oder gar über 40 Grad nicht gewohnt. Die Wohnungen sind,
       ähnlich wie in Deutschland und Frankreich, auf die Hitze dieses Sommers
       nicht vorbereitet.
       
       Die Unternehmen sind per Gesetz verpflichtet, ihre Beschäftigten vor
       extremen Temperaturen zu schützen. Löst das spanische Wetteramt AEMET
       Hitzealarm aus, muss die Arbeit im Freien während der heißesten Stunden
       angepasst werden, eingeschränkt oder verboten. Im Gaststättengewerbe müssen
       bei besonders hohen Temperaturen – 42 Grad – außerdem die Terrassen
       geschlossen werden, um das Personal zu schützen. Nicht alle Unternehmen
       halten sich an die Vorgaben. Immer wieder kommt es zu Hitzeschlägen bei der
       Arbeit.
       
       12 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Feuer-in-Spanien/!6195369
 (DIR) [2] /Foerster-ueber-Waldbraende-in-Spanien/!6179367
 (DIR) [3] /Regionalwahlen-in-Andalusien/!6179560
 (DIR) [4] https://www.rtve.es/noticias/20260701/mapa-incendios-espana-ultima-hora/17101895.shtml
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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