# taz.de -- Krieg im Libanon: Kein Stein mehr auf dem anderen
       
       > Israel und Libanon verhandeln über die Entwaffnung der Hisbollah-Miliz
       > und den israelischen Abzug aus dem Libanon – währenddessen eskaliert die
       > Lage.
       
 (IMG) Bild: Eine libanesische Familie sucht Schatten unter den beschädigten Solarmodulen ihres zerstörten Hauses im Südlibanon
       
       Der Architekt Tarek Mazraani hat in seinem Heimatdorf Hula geholfen,
       hunderte Häuser zu bauen. Auch traditionelle Werkzeuge von Bauern, alte
       Bücher und Fotografien hat er zusammengetragen und daraus ein Heimatmuseum
       errichtet, um die Geschichte des Dorfs im Südlibanon zu dokumentieren. Nun
       ist alles weg. „Mein Haus ist weg, das ganze Dorf zerstört“, sagt er.
       
       Der aktuelle Waffenstillstand zwischen Libanon und Israel gilt offiziell
       seit Mitte Juni. [1][Das bilaterale Abkommen sieht vor, dass Israel die
       Besatzung beendet und die Hisbollah entwaffnet wird.] Die Hisbollah war an
       dem Deal jedoch nicht beteiligt und sträubt sich gegen die Entwaffnung.
       Israels Regierung möchte weiter den Südlibanon besetzen und dort alle
       Infrastruktur für eine „Pufferzone“ zerstören.
       
       Für die Bewohner*innen der Region ist der Krieg also nicht vorbei.
       „Täglich werden Häuser zerstört, Gebäude mit Sprengfallen versehen und
       gesprengt, bewaffnete Soldaten patrouillieren, verbrennen
       landwirtschaftliche Flächen“, erzählt Mazraani. Das geschehe entlang des
       gesamten Grenzstreifens. „Die Zerstörung ist systematisch, geplant und
       vorsätzlich – die Zerstörung aller öffentlichen Plätze und Gebäude,
       religiöser Einrichtungen, der großen Wasserreservoirs, die das gesamte Dorf
       mit Wasser versorgen, Gemeindezentren, Schulen, Krankenhäuser, Kliniken.
       Die Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, ihre Wahrzeichen zerstört.
       Kein Stein steht mehr auf dem anderen.“
       
       Die israelische Armee besetzt über 600 Quadratkilometer im Südlibanon –
       fast 60 Dörfer. Mehr als 360.000 Menschen wurden laut UN-Nothilfebüro Ocha
       vertrieben. Auch Tarek Mazraani ist seit drei Jahren vertrieben, musste
       wegen des Kriegs mehrfach seine Unterkunft wechseln. „Niemand darf
       zurückkehren“, sagt er. „Jeder, der es versucht, wird getötet. Am Dorfrand
       werden Minen vergraben. Vor einiger Zeit gingen einige junge Männer hinaus,
       Zivilisten, die sich umschauen wollten. Die Israelis eröffneten das Feuer,
       töteten vier von ihnen. Ihre Körper wurden 20 Tage später im Tal gefunden.“
       Derzeit würden Checkpoints errichtet. „Als wollten sie eine langfristige
       Besatzung aufrechterhalten.“
       
       ## Anhaltende Lufangriffe
       
       Extremisten in Israels Regierung möchten Israels Nordgrenze zum
       Litani-Fluss vorverlegen, 30 Kilometer ins Landesinnere des Libanon. Im Mai
       erklärte der rechtsextreme Minister für Nationale Sicherheit, Itamar
       Ben-Gvir, Israel habe einen „Siedlungsplan für den Libanon“. Dabei sind
       beide Länder derzeit in historischen bilateralen Gesprächen. Von Dienstag
       bis Donnerstag sprachen die in den USA akkreditierten Botschafter*innen
       beider Län[2][der über die schrittweise Umsetzung des Juni-Abkommens]. In
       einer „Pilotzone“ in Zawtar al-Gharbiyah hat sich das libanesische Militär
       stationiert, das israelische Militär hat sich zurückgezogen,
       Bewohner*innen sind zurückgekehrt. Diese Woche sollte es um weitere
       Pilotzonen gehen, aus denen Israel abziehen soll.
       
       Das israelische Militär hatte zuvor seine Angriffe eskaliert und Häuser in
       mehreren Städten abgerissen. Im Dorf Jarun zündete die Armee ein Feuer an
       und brannte laut Gemeindeverwaltung 1,2 Quadratkilometer Olivenhaine
       nieder. Libanesische Medien berichten, die israelische Armee wolle weitere
       Gebiete einnehmen, darunter den strategisch wichtigen Ali-Taher-Hügel und
       das Dorf al-Mansouri.
       
       Dort hätte ein Sprengsatz fast die Verhandlungen gesprengt. Israelische
       Militärfahrzeuge patrouillierten durch al-Mansouri. Dabei detonierte ein
       wohl von der Hisbollah versteckter Sprengsatz und tötete zwei Soldaten. Das
       meldete das israelische Militär am Donnerstag. Israels Militär erließ eine
       Zwangsvertreibungswarnung für das Dorf und flog Luftangriffe.
       
       Medienberichten zufolge forderte die libanesische Delegation daraufhin, die
       Drohung gegen die Bewohner*innen von Mansouri zurückzunehmen. Die USA
       sollen interveniert und die Sitzung am Donnerstag vorzeitig beendet haben.
       Sie sprachen getrennt mit beiden Seiten.
       
       Tarek Mazraani aus Hula hat mittlerweile eine Bürgerinitiative gegründet,
       die sich für die Rückkehr der Bewohner*innen des Südlibanons einsetzt.
       Diese fordern den Stopp der Gespräche mit Israel – solange die
       „systematische und tägliche Zerstörung, Bombardierung und Vernichtung von
       Dörfern“ weitergehe.
       
       8 Aug 2026
       
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 (DIR) Julia Neumann
       
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