# taz.de -- Libanon schafft Todesstrafe ab: UN-Kommissar begrüßt Ende der Todesstrafe
> Hingerichtet wurde im Libanon seit gut zwei Jahrzehnten niemand mehr. Nun
> erfolgte die formale Abschaffung. Auch die Europäische Union gratuliert.
(IMG) Bild: Soldaten der libanesischen Armee stehen vor dem Parlamentsgebäude Wache
## Menschenrechtskommentar begrüßt Schritt Libanons
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat die Entscheidung des
libanesischen Parlaments zur Abschaffung der Todesstrafe begrüßt. „Der
Libanon ist damit das erste Land der Region, das diesen Schritt vollzieht“,
sagte er am Dienstagabend.
Am Nachmittag hatte das Parlament eine entsprechende Gesetzesänderung
gebilligt. Demnach dürfen Gerichte künftig keine Todesurteile mehr
verhängen.
Türk rief die anderen Staaten in der Region, [1][die an der Todesstrafe
festhalten], auf, „diesem Beispiel zu folgen und diese unmenschliche Praxis
zu beenden“. In einem Land, das von verheerenden Angriffen getroffen wurde
und tiefes Leid und schwere Verluste erlebt, sei diese Entscheidung ein
starkes und prinzipienfestes Bekenntnis zum Recht auf Leben. Das Gesetz
müsse jetzt rasch vom Präsidenten gebilligt und unterschrieben werden.
Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International
wurde im Libanon seit dem 17. Januar 2004 keine Hinrichtung mehr
vollstreckt. Den Angaben zufolge befanden sich Ende Januar 2026 noch 85
Personen im Todestrakt. (kna)
## Europäische Union gratuliert
Zuvor hatte die Europäische Union dem Libanon bereits zur Verabschiedung
des Gesetzes zur Abschaffung der Todesstrafe gratuliert, das bereits auf
dem 9. Weltkongress gegen die Todesstrafe am 30. Juni in Paris bekannt
gegeben worden war.
Das „wegweisende Gesetz“ stelle „einen bedeutenden Fortschritt für die
Menschenrechte im Land dar. Die Abschaffung der Todesstrafe für alle
Straftaten, auch durch rückwirkende Anwendung, ist eine wichtige
Errungenschaft“, teilte der Rat der Europäischen Union in eine
Stellungnahme mit.
Der Libanon gebe als erstes Land in der Region, das die Todesstrafe
abgeschafft hat, „ein starkes Beispiel für andere Länder im Nahen Osten und
darüber hinaus und stärkt damit den starken globalen Trend zur Abschaffung
sowie die wachsende internationale Unterstützung für die weltweite
Beendigung der Todesstrafe“. (taz)
## Libanon schafft die Todesstrafe ab – als erstes Land im Nahen Osten
Der Libanon hat als erstes Land im Nahen Osten die Todesstrafe abgeschafft.
Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde nach Ergänzungen vom Parlament
verabschiedet, wie das Büro des Parlamentspräsidenten am Dienstag in Beirut
mitteilte. Kapitalverbrechen sollen nach Angaben der staatlichen
libanesischen Nachrichtenagentur NNA künftig mit lebenslanger Haft und
schwerer Zwangsarbeit geahndet werden. UN-Menschenrechtskommissar Volker
Türk rief andere Länder in der Region auf, dem Beispiel des Libanon zu
folgen und die Todesstrafe ebenfalls abzuschaffen.
Seit 2004 war die Todesstrafe im Libanon nicht mehr vollstreckt, aber noch
verhängt worden, zuletzt erst am Montag. Amnesty International zufolge
saßen im Januar noch 85 Insassen in Todeszellen ein.
Justizminister Adel Nassar sprach von einer „historischen“ Entscheidung.
Bislang habe die im Libanon drohende Todesstrafe die Auslieferung von
Verdächtigen aus Ländern verhindert, in denen Hinrichtungen verboten seien.
Der Menschenrechtler Ramzi Kaiss von der Organisation Human Rights Watch
bezeichnete die Entscheidung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP als einen
„Meilenstein für die Menschenrechte in dem Land, der einen klaren Bruch mit
einer grausamen und willkürlichen Strafe darstellt, die niemals hätte
verhängt werden dürfen“.
Frankreich sprach von einer „historischen und mutigen“ Entscheidung des
Libanon. Das Parlamentsvotum zeige, dass das Land „ein Beispiel bleibe, mit
seiner Fähigkeit, die demokratischen Werte und Freiheiten aufrechtzuhalten,
die die Grundlage seiner Existenz“ bildeten, schrieb Außenminister
Jean-Noël Barrot im Onlinedienst X.
Die EU erklärte, der Libanon „setze ein kraftvolles Beispiel für andere
Länder in Nahost und anderswo“. UN-Menschenrechtskommissar Türk erklärte,
er rufe alle anderen Länder, in denen die Todesstrafe noch gelte, auf, dem
Libanon darin zu folgen, „diese unmenschliche Praxis zu beenden“.
Die Todesstrafe wird in der Region noch regelmäßig verhängt und
vollstreckt. Laut Amnesty International wurden allein in Iran im
vergangenen Jahr mehr als 2000 Menschen hingerichtet und in Saudi-Arabien
mehr als 350. Im Juni wurden in Jordanien sechs Männer gehängt, weil sie
Sicherheitsleute getötet haben sollen. Das Land hatte die Todesstrafe zuvor
für neun Jahre ausgesetzt.
Israel hat die Todesstrafe erst zweimal angewendet: 1948 gegen einen
Offizier, der des Hochverrats beschuldigt worden war, und 1962, als der
[2][NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann] gehängt wurde. Allerdings
verabschiedete das israelische Parlament zu Beginn dieses Jahres ein
umstrittenes Gesetz, das die [3][Todesstrafe für Palästinenser] vorsieht,
die wegen tödlicher Anschläge verurteilt worden waren.
Im Libanon zählt die Abschaffung der Todesstrafe zu einer Reihe von
Gesetzesvorhaben, die in der laufenden Legislaturperiode erörtert werden
sollen. Darunter ist auch eine Generalamnestie, über die seit Jahren
gestritten wird. (afp)
12 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Amnesty-Bericht-zur-Todesstrafe/!6179466
(DIR) [2] /Die-Wochenvorschau-fuer-Berlin/!6074645
(DIR) [3] /Abstimmung-in-der-Knesset/!6167055
## TAGS
(DIR) Libanon
(DIR) Todesstrafe
(DIR) Israel
(DIR) Naher Osten
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Libanon
(DIR) Israel Defense Forces (IDF)
(DIR) Todesstrafe
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krieg im Libanon: Kein Stein mehr auf dem anderen
Israel und Libanon verhandeln über die Entwaffnung der Hisbollah-Miliz und
den israelischen Abzug aus dem Libanon – währenddessen eskaliert die Lage.
(DIR) Israel und der Krieg in Libanon: Verhandlungen trotz Waffenunruhe
Die Feuerpause in Libanon wird immer brüchiger: Nachdem zwei israelische
Soldaten getötet wurden, greift Israel mehrfach aus der Luft an. Wie geht
es weiter?
(DIR) Amnesty-Bericht zur Todesstrafe: Wenige Staaten lassen Zahl der Hinrichtungen massiv steigen
Die Zahl der dokumentierten Hinrichtungen ist 2025 der
Menschenrechtsorganisation Amnesty zufolge stark gestiegen. Die
Dunkelziffer dürfte noch höher sein.