# taz.de -- Israelische Angriffe im Südlibanon: Kämpfe um Knotenpunkt von Hisbollah eskalieren
       
       > Trotz Waffenruhe greift Israel im Libanon weiter an. Zentral ist dabei
       > ein Tunnelsystem der Hisbollah-Miliz unter einem Hügel bei Ali al-Taher.
       
 (IMG) Bild: Israelische Angriffe auf den Südlibanon am 12. August
       
       Während [1][diplomatische Gespräche] zwischen Libanon und Israel
       stagnieren, setzt Israels Armee ihre Angriffe im Südlibanon gegen eine
       Hisbollah-Stellung fort. Zentraler Ort ist dabei der
       Ali-al-Taher-Gebirgsrücken. Er liegt nur 600 Meter über dem Meeresspiegel,
       bietet aber Aussicht über die Stadt Nabatija und wichtige Routen südlich
       des Flusses Litani. Das Gebiet bis zum Fluss hält Israel besetzt,
       [2][ultrarechte Minister fordern], dort völkerrechtswidrig die neue
       israelische Grenze auszurufen.
       
       Für die Hisbollah ist das Gebiet Nabatija ein wichtiger Knotenpunkt für
       Waffenlieferungen mit Verbindung zur Bekaa-Ebene Richtung Syrien. Unter dem
       Hügel hat die von Iran unterstützte Miliz ein Bunker- und Tunnelsystem
       gebaut. Für Israels Armee würde die Einnahme von Ali al-Taher die Einnahme
       des gesamten Gebiets und eines strategischen Überwachungspunkts bedeuten.
       Dort war bis zum Jahr 2000 eine der wichtigsten befestigten Stellungen
       Israels bei der damaligen Besatzung.
       
       Israel verkündete bereits am 26. Juni, das Gebiet eingenommen zu haben, die
       Hisbollah widersprach. Zurzeit verstärkt die israelische Armee ihre
       Angriffe auf Ali al-Taher. Libanesischen Medien zufolge sind dort etwa 40
       Kämpfer eingekesselt. Darunter seien Hisbollah-Kämpfer und Mitglieder der
       iranischen Revolutionsgarden, berichtet die libanesische Tageszeitung
       [3][L’Orient-Le Jour.]
       
       Demnach nutzte die Armee Roboter und ferngesteuerte Fahrzeuge, um die
       Tunneleingänge zu lokalisieren. Dann sollen die Soldaten giftiges Gas in
       den Tunnel geleitet haben. Die Einkesselung würde bedeuten, dass die
       Hisbollah-Kämpfer nicht nur von Waffen, sondern auch von Essen und Wasser
       abgeschnitten sind. Libanesische Medien gehen davon aus, dass Israels Armee
       Ali aö-Taher in Kürze stürmen wird. Solche Berichte, die sich auf
       libanesische Quellen beziehen, finden sich auch in israelischen Medien.
       
       Eine Anfrage der taz an das israelische Militär dazu blieb bis zum
       Zeitpunkt der Veröffentlichung unbeantwortet. Premier Benjamin Netanjahu
       erklärte aber am Sonntag: „Israel ist in den letzten Tagen im Libanon
       entschlossen vorgegangen und hat Terroristen ausgeschaltet, unter anderem
       auf dem Ali-al-Taher-Gebirgsrücken.“ Und fuhr fort, er könne keine weiteren
       Einzelheiten nennen. „Wir befinden uns inmitten einer sehr wichtigen
       Operation.“
       
       Dass sich Netanjahu mit weiteren Details zurückhält, liegt wohl auch an den
       bilateralen Verhandlungen. Zwischen Israel und Libanon, mit Vermittlung der
       USA, sollten derzeit eigentlich Gespräche um eine Friedenslösung für den
       Südlibanon stattfinden. Doch nun stehen sie still.
       
       Ali al-Taher sei Teil dieser bilateralen Gespräche gewesen, berichtet das
       saudische Medium [4][Asharq Al-Awsat]. Erste Vorschläge sahen vor, dass die
       israelische Armee aus dem Gebiet um die Beaufort-Burg abziehen soll, um sie
       von Nabatija fernzuhalten. Israel soll darauf bestanden haben, Ali al-Taher
       noch zu erreichen. Die Hisbollah soll Vorschläge zur Einrichtung eines
       sicheren Korridors für ihre Kämpfer, die Einnahme der militärischen Anlage
       durch Libanons Armee und den Abtransport der Waffen abgelehnt haben.
       
       Warum die Gespräche darüber hinaus stocken: Israels Regierung weigert sich,
       die völkerrechtswidrige Besatzung von über 60 Dörfern im Südlibanon zu
       beenden. Die Hisbollah weigert sich, ihre Waffen abzugeben. Libanons
       Regierung droht, der nächsten Gesprächsrunde in Rom fernzubleiben. Über 30
       Dörfer im Südlibanon sind durch israelische Angriffe Berichten zufolge
       zerstört, mehr als 300.000 Bewohner*innen bleiben vertrieben.
       
       12 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Israel-und-der-Krieg-in-Libanon/!6202253
 (DIR) [2] https://www.timesofisrael.com/smotrich-says-litani-river-should-be-israels-new-border-with-lebanon/
 (DIR) [3] https://today.lorientlejour.com/article/1544032/robots-gas-in-tunnels-ali-taher-battle-takes-shape-hezbollah-and-iranians-trapped.html
 (DIR) [4] https://english.aawsat.com/arab-world/5293538-ali-al-taher-ridge-stalled-first-attempt-israeli-withdrawal-s-lebanon
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
 (DIR) Serena Bilanceri
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Libanon
 (DIR) Hisbollah
 (DIR) Israel
 (DIR) Libanon
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Libanon
 (DIR) Libanon
 (DIR) Israel Defense Forces (IDF)
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Israel im Südlibanon: Neue Panik und Tausende auf der Flucht
       
       Israel hat die Angriffe in Libanon verstärkt, 11 Menschen wurden getötet.
       Es ist die schärfste Eskalation seit dem im Juni verkündeten
       Waffenstillstand.
       
 (DIR) Krieg im Libanon: Sieben Tote bei israelischem Luftangriff
       
       Laut libanesischen Staatsmedien wurde ein Dorf im Süden des Landes
       bombardiert. Israel spricht von einer Reaktion auf Aktionen gegen seine
       Soldaten.
       
 (DIR) Lage im Südlibanon: Am wahrscheinlichsten scheinen Dauerpräsenz oder Bürgerkrieg
       
       Obwohl Israel und der Libanon sprechen, scheint ein Verhandlungserfolg
       unwahrscheinlich. Unabhängig vom Ausgang ist der Südlibanon der Leidträger.
       
 (DIR) Krieg im Libanon: Kein Stein mehr auf dem anderen
       
       Israel und Libanon verhandeln über die Entwaffnung der Hisbollah-Miliz und
       den israelischen Abzug aus dem Libanon – währenddessen eskaliert die Lage.
       
 (DIR) Israel und der Krieg in Libanon: Verhandlungen trotz Waffenunruhe
       
       Die Feuerpause in Libanon wird immer brüchiger: Nachdem zwei israelische
       Soldaten getötet wurden, greift Israel mehrfach aus der Luft an. Wie geht
       es weiter?