# taz.de -- Ex-Hotel wird Heim für Wohnungslose: Aufruhr im Berliner Villenviertel
       
       > Ein leerstehendes Hotel soll zum Heim für wohnungslose Familien und
       > Kranke werden. Ein Jung-CDUler wittert rot-grüne Ideologie und zieht in
       > die Meinungsschlacht.
       
 (IMG) Bild: Aus dem ehemaligen Hotel soll ein Heim für 54 wohnungslose Pflegebedürftige und Familien werden
       
       Das alte Waldhotel auf dem baumbestandenen Grundstück hat schon bessere
       Tage gesehen. Seit Jahren ist es geschlossen, die alte Besitzerin hat nie
       einen Nachfolger gefunden. Überall setzt Moos an, von den Klettergeräten im
       Garten blättert die Farbe. Nur der Bauzaun ringsum ist neu und zeigt an,
       dass in der Idylle am nördlichen Stadtrand, wo der Wald zwischen Frohnau
       und Hohen Neuendorf beginnt, wohl bald etwas passiert.
       
       Ein Heim für 54 wohnungslose Pflegebedürftige und Familien soll daraus
       werden, die Eröffnung ist für das zweite Quartal 2027 geplant. Die
       Öffentlichkeit erfuhr von dem Plan in der letzten
       Bezirksverordnetenversammlung vor der Sommerpause durch eine Anfrage des
       CDU-Bezirksverordneten Richard Gamp, der auch Frohnauer Wahlkreiskandidat
       für die Abgeordnetenhauswahl ist.
       
       Seither macht der 23-jährige Jurastudent gegen die Pläne mobil, verteilt
       Flugblätter in der Umgebung, in denen er Zweifel äußert, ob so eine
       Einrichtung in die [1][„Wohnstruktur Frohnaus“] passe, und ruft zur
       Teilnahme an einer Umfrage auf. Der taz sagte er, rund drei Viertel der
       Teilnehmer hätten sich gegen die Einrichtung ausgesprochen, daher „ist es
       meine Aufgabe als demokratisch gewählter Mandatsträger, diese Position zu
       vertreten“.
       
       Die Bürger vor Ort sind geteilter Meinung. Viel ist an einem Werktag
       mittags nicht los vor den Geschäften gegenüber des ehemaligen Hotels, als
       da wären eine Reinigung, ein Blumenladen, ein Späti mit Postshop, ein
       Friseur und eine Pizzeria. Aber die paar Menschen, die die taz antrifft,
       geben bereitwillig Auskunft. Die Gerüchteküche brodelt: Eine Frau hat
       gehört, dass „psychisch Kranke und Drogenabhängige“ kommen würden, das
       macht ihr Angst. Sie und eine Mittfünfzigerin, die vor dem Blumenladen
       raucht, sind zudem der Meinung, dass dies [2][nicht die „passende Gegend“
       für eine Obdachloseneinrichtung ist.]
       
       ## Nicht alle sind gegen die Einrichtung
       
       „Aber irgendwo müssen die ja auch hin“, sagt eine alte Dame, die zunächst
       dasselbe gesagt hat, dann aber ins Grübeln kommt. Sie selbst sei so
       glücklich, in diesem schönen Viertel zu leben mit den villenartigen Ein-
       und Zweifamilienhäusern mit großen Gärten und dem nahen Wald. Das sei
       vielleicht gerade das richtige für Familien, „die sich erholen müssen“,
       meint eine andere. Sie hätte nichts gegen die neuen Nachbarn, sagt sie,
       ebenso wenig ein junger Mann, der vorbeikommt.
       
       CDUler Gamp hat dagegen eine Menge Argumente. Zuerst: die schlechte
       Verkehrsanbindung. „Ohne eigenes Auto ist dieser Teil Frohnaus nur schwer
       erreichbar“, schreibt er der taz. Dabei ist der Bus 125 nur 20 Meter vom
       Ex-Hotel entfernt. Zwar fährt er nur alle 20 Minuten, aber bis zur S-Bahn
       Frohnau und den Einkaufsmöglichkeiten am Zeltinger Platz sind es nur 1,6
       Kilometer.
       
       Zudem fehlen Gump in der Nähe die „sozialen Einrichtungen, Therapieangebote
       oder sonstige Anlaufstellen“, die Obdachlose seiner Meinung nach brauchen.
       Darauf erwidert Thomas Mertens, Geschäftsführer der Firma Home Care Berlin,
       die in Berlin mehrere Obdachloseneinrichtungen betreibt und die Immobilie
       gekauft hat: Man habe die Hilfsangebote „24/7 im Haus“ – in Gestalt von
       mehreren Sozialarbeitern und -betreuern, die sich um alle Belange der
       Bewohner kümmern würden.
       
       Und natürlich befürchtet Gump „Nutzungskonflikte“, sprich:
       „Polizeieinsätze, Gewaltdelikte, Lärmbeschwerden und Klagen von Anwohnern“.
       Mertens entgegnet: „Dieses Schreckgespenst von Betrunkenen, das gemalt
       wird, ist unberechtigt. Es geht um ganz normale Leute.“ Die einen seien
       sehr krank – „auf der Straße kann man niemanden pflegen“ – und die Familien
       würden nach Absprache mit dem Bezirk eigens ausgesucht – „niemand, der
       Ärger macht, sondern Familien, die sich anderswo schon bewährt haben, aber
       einfach keine Wohnung finden“.
       
       ## Informationsveranstaltung in Frohnau geplant
       
       Genauso eine Einrichtung betreibe man übrigens auch in Lankwitz, so
       Mertens. „Da gibt es keine Probleme mit Anwohnern, die merken nichts.“ Nach
       den Sommerferien will er eine Informationsveranstaltung in Frohnau
       organisieren.
       
       Ob das Gamp beruhigt, ist zu bezweifeln. [3][Schließlich ist Wahlkampf] –
       und der Jungkonservative hat SPD und Grüne im Bezirk als Gegner ausgemacht,
       die aus „ideologischen Wunschvorstellung heraus diese Einrichtung in
       Frohnau mit der Brechstange durchsetzen wollen“, wie er meint. Den
       Verdacht, dass er selbst ideologiegetrieben handelt und sichtbare Armut aus
       seinem Wohlfühlwahlkreis raushalten will, weist er weit von sich: Dies
       entspreche nicht seinem „christlichen Menschenbild“.
       
       28 Jul 2026
       
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