# taz.de -- Angriffe auf die Hauptstadt der Ukraine: „Dann kommt der nächste Einschlag. Und der nächste“
> Im Minutentakt feuert Russland in der Nacht Raketen auf Kyjiw. Die
> Ukraine meldet zunehmend effektive Drohnenangriffe gegen Russlands
> Schattenflotte.
(IMG) Bild: Morgen-Grauen: Eine Straße in Kyjiw, Sonntag früh nach der Angriffsnacht
„Nach den ersten Explosionen zählt man die Sekunden nicht mehr. Dann kommt
der nächste Einschlag. Und der nächste. Dein Telefon füllt sich mit
Warnmeldungen. Die Menschen hören auf, zu reden. Sie lauschen einfach und
warten, ob die nächste Rakete näher kommt.“ Aus erster Hand [1][schildert
Katerina Mathernova], die EU-Botschafterin in Kyjiw, auf X am Sonntagmorgen
die neueste Angriffsnacht in der ukrainischen Hauptstadt. 40 ballistische
Raketen in 40 Minuten zählt sie; andere Quellen sprechen von 53 Minuten.
Es war – da sind sich viele Beobachter einig – die intensivste
Angriffsnacht auf Kyjiw seit Beginn des großangelegten russischen
Angriffskrieges im Februar 2022. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von
einem „der massivsten ballistischen Angriffe auf Kyjiw“. Demnach gab es
einen Toten und 16 Verletzte. Außenminister Andrij Sybiha sprach auf X von
„brutalem Terror“; Russland habe die bisher größte Zahl an ballistischen
Raketen seit Kriegsbeginn gegen Kyjiw eingesetzt.
Die Bilanz der ukrainischen Luftwaffe: 41 Raketen und 125 Drohnen.
Insgesamt habe Russland in dieser Woche etwa 1.450 Drohnen, mehr als 1.640
Gleitbomben und 99 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt. 23 der 41
Raketen und zehn der 125 Drohnen seien in der Nacht zu Sonntag
durchgekommen, das ist eine bessere Bilanz als bei manchen der jüngsten
Angriffe, als die Ukraine gar keine Raketen mehr abschießen konnte.
Offenbar haben die jüngsten westlichen Zusagen zur Stärkung der
ukrainischen Luftabwehr mit neuen Patriot-Raketen bereits Ergebnisse
gebracht.
Dennoch sind die Schäden beträchtlich. In Kyjiw trafen Berichten zufolge
drei Raketen innerhalb von 30 Sekunden den Eingangsbereich zur
U-Bahn-Station Lukyanivska, in die sich wie schon oft zahlreiche Menschen
zum Schutz vor den Luftangriffen geflüchtet hatten. [2][Videos am Morgen
danach] zeigen eine mit Schutt und Staub bedeckte Trümmerlandschaft, mit
einem unter die Erde führenden Loch in der Mitte.
Die Angriffe begannen bereits am Samstagabend. In der ostukrainischen
Millionenstadt Charkiw starben drei Menschen beim Beschuss eines Postamtes.
In der Hafenstadt Odessa wurde beim Beschuss eines Freizeitparks ein
16-Jähriger getötet, 12 weitere Menschen, darunter Kinder, verletzt. 13
Menschen wurden in Saporischschja verletzt. In der Nacht zerstörten
russische Angriffe außerdem einen Fabrik- und Lagerhallenkomplex am Rande
von Kyjiw sowie Industrieanlagen in der nordöstlichen Stadt Sumy.
## Ukrainische Angriffe in Russland sorgen für Engpässe
Die Ukraine setzte wiederum ihren Beschuss der russischen Ölinfrastruktur
fort. Das sorgt in Russland für zunehmende Versorgungsengpässe. Drei
Öldepots nahe Stawropol sowie vier Öltanker der russischen Schattenflotte
im Schwarzen Meer seien getroffen worden, erklärte die ukrainische
Regierung am Sonntag.
Damit sei die Zahl der von der Ukraine im Schwarzen Meer und im Asowschen
Meer beschossenen Schiffe der russischen „Schattenflotte“, die
sanktioniertes russisches Öl transportieren, seit Monatsbeginn auf 179
gestiegen, die Zahl der getroffenen Öleinrichtungen auf russischem Gebiet
auf 59. Das [3][berichtete am Sonntag das ukrainische Drohnenkommando].
Das US-amerikanische „Institute for the Study of War“ berichtet in seinem
[4][jüngsten Lagebericht], diese ukrainischen Angriffe würden die
russischen Streitkräfte immer mehr dazu zwingen, ihre Drohnenabwehr von der
Kriegsfront in der Ukraine zurück in die Heimat zu verlagern.
Dies habe wiederum verstärkte ukrainische Drohnenangriffe auf russische
Militärstellungen im besetzten ostukrainischen Gebiet Luhansk ermöglicht.
Sowie Rückeroberungen kleinerer Gebiete am nördlichen Teil der Kriegsfront,
also überhalb von Charkiw sowie nahe der Frontstadt Kupjansk. (mit dpa)
19 Jul 2026
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(DIR) [1] https://x.com/kmathernova/status/2078743979257184401
(DIR) [2] https://x.com/CforCD/status/2078710848923586561
(DIR) [3] https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/07/19/8044775/
(DIR) [4] https://understandingwar.org/research/russia-ukraine/russian-offensive-campaign-assessment-july-18-2026/
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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