# taz.de -- Schwierigkeiten im Fährbetrieb: Es fährt kein Schiff nach Nirgendwo
       
       > Dank der Fähre „Missunde III“ haben Autos, Fahrräder und
       > Fußgänger:innen eine Möglichkeit, den Ostseearm Schlei zu überqueren.
       > Wenn sie denn fährt.
       
 (IMG) Bild: Da jetzt rüber kommen mit der Fähre, das wäre schön
       
       Sie liegt an ihrem Anleger an der Schlei und sieht so harmlos aus: Die
       Fähre „Missunde III“ ist ein offenes, eckiges Gefährt, bemalt in Blau, Weiß
       und Rot: Schleswig-Holsteins Landesfarben. Sie ist 34 Meter lang, gut 9
       Meter breit, mit Solarpanelen auf dem Dach. Zwei Reihen Autos könnten auf
       dem leeren, hellgrauen Deck nebeneinander parken, daneben finden
       Fußgänger:innen und Räder Platz. Das Steuerhaus mit seinen großen
       Fenstern glänzt in der Sonne. Kaum zu glauben, dass dieses Schiff seit
       Jahren für Ärger in der Region und Kosten in Millionenhöhe sorgt und
       bereits zum Star in Satiresendungen wurde.
       
       Die „Missunde III“ soll, wie zuvor die „Missunde I“ und „Missunde II“, die
       beiden Ufer der Schlei verbinden. [1][Die Schlei ist ein Ostseearm],
       „Fjord“ hieße das in Skandinavien, der sich 42 Kilometer ins Landesinnere
       schiebt und bei Schleswig endet. An ihrer breitesten Stelle misst die
       Schlei über 4 Kilometer, manchmal ist sie schmal wie ein Fluss. Zwei
       Brücken führen über das Gewässer, eine für Räder und Autos bei Kappeln,
       eine für Zugverkehr bei Lindaunis. Die Bahn ist allerdings seit Jahren
       außer Betrieb, sodass die Reisenden zu Fuß über die Brücke gehen und dort
       in einen Anschlusszug steigen müssen.
       
       Und es gibt eben die Fähre an einer Engstelle zwischen den Dörfern
       Brodersby und Missunde. Für Urlauber:innen ist sie eine bequeme
       Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Für die Menschen, die rund um die
       Schlei leben, in Angeln im Norden und Schwansen südlich des Gewässers, ist
       die Fähre eine der wichtigsten Verkehrsadern. Wenn sie denn fährt. Was sie
       mal tut – und dann eben wieder nicht.
       
       An diesem Vormittag im Juli liegt die glänzende „Missunde III“ auf der
       Nordseite, am Rande des Dorfes Brodersby. Zu diesem Zeitpunkt ist unklar,
       dass sie wenige Tage später den Betrieb wieder aufnehmen wird. Dann stehen
       wieder Autos und Räder am Anleger Schlange, doch an diesem Tag herrscht
       Stille auf der Straße, die zum Fähranleger und der Gaststätte Missunder
       Fährhaus führt. Schilf wiegt sich im Wind, Enten schwimmen vorbei. Ein
       Segelboot gleitet durch die Engstelle Bis auf den Ruf einer Möwe ist es
       still, kein Autolärm, kein Geschirrklappern. Denn die Gaststätte ist
       zurzeit geschlossen, genau wie das zweite Lokal auf der anderen Seite der
       Schlei.
       
       Diese andere Seite ist nur 136 Meter entfernt, als könnte man
       hinüberspucken. Auch die Fahrt dauert nur wenige Minuten: ein Klacks, wenn
       die Fähre denn fährt.
       
       ## Probleme über Probleme
       
       An diesem Tag hakt ein Haken nicht richtig ein, mit dem das Schiff am
       Anleger festmacht. Kurz zuvor war ein Hydraulikschaden aufgetreten. Davor
       machte ein Antriebsriemen Probleme. Eine Woche zuvor führte die Schlei zu
       wenig Wasser für den Betrieb. Am Pfingstwochenende war es schon wieder der
       Antriebsriemen. Im vergangenen Jahr fiel mehrfach der Motor aus. Im Januar
       2024 stellte sich heraus, dass die neue Fähre zu groß und zu schwer für den
       Anleger ist, der nachgerüstet werden muss. Dabei waren die Rampen bereits
       umgebaut worden, was in den Jahren 2023 und 2022 für Störungen im
       Fährbetrieb geführt hatte.
       
       Alles sollte so schön werden mit der neuen Fähre, die umweltfreundlich mit
       Solarstrom betrieben wird und auch Busse oder Landmaschinen übersetzen
       soll. Doch inzwischen dauert das Drama seit gut sieben Jahren und wurde
       weit teurer als gedacht. Unter anderem, weil zwischenzeitlich die alte und
       bereits ausgemusterte „Missunde II“ zurückgekauft werden musste. Rund
       100.000 Euro legte das Land dafür auf den Tisch. Verkauft hatte es die alte
       Fähre für 17.500 Euro. Insgesamt, so Schätzungen, soll das Schiff mit den
       neuen Anlegern und Reparaturen über 5 Millionen Euro kosten – die ersten
       Planungen waren von 2,5 Millionen ausgegangen.
       
       ## Die Fähre wird zum Politikum
       
       Inzwischen fordert das Land Schadensersatz von der Konstruktionsfirma. Der
       Betreiber des Hafens Brodersby erwägt wiederum eine Klage gegen das Land,
       weil der Tourismus unter den Fährausfällen leidet. Bürgermeister schrieben
       wütende Briefe an die Regierung. [2][Ministerpräsident Daniel Günther]
       (CDU) reiste kürzlich an, um die Lage zu beruhigen und sich zu
       entschuldigen. Der aktuelle Plan der Landesregierung lautet: durchhalten
       und weitermachen in der Hoffnung, dass die ewigen Probleme mit der Fähre
       bald gelöst sind.
       
       Aber ob das je der Fall sein wird? Rüdiger Jöns, der Pächter der „Missunde
       III“, hält das Schiff generell für zu groß, zu schwer und zu sperrig für
       die Schleienge, das habe er bereits frühzeitig gesagt, berichtet er. Selbst
       bei optimalen Verhältnissen sei es schwierig, das Gefährt sicher und
       schnell auf die andere Seite zu steuern. Jöns überlegt, wie lange er noch
       wirtschaftlich durchhält. Auf die Frage, ob sich dann wohl ein neuer
       Pächter fände, zuckt er nur mit den Schultern.
       
       1 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schlei
 (DIR) [2] /Daniel-Guenther-ist-CSD-Schirmherr/!6180039
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Fähre
 (DIR) Schleswig-Holstein
 (DIR) Tourismus
 (DIR) Daniel Günther
 (DIR) Fähre
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Pannenserie bei E-Fähre: The Ferry Tale goes on
       
       Aus für die „Missunde III“: Die ständig kaputte E-Fähre am Meeresarm Schlei
       in Schleswig-Holstein soll ersetzt werden – durch ihre Vorgängerin.
       
 (DIR) Sportlerehrung in Tübingen: Wie es doch gehen kann
       
       Eine fehlende Rampe sorgt bei einer Sportlerehrung in Tübingen vorab für
       Schlagzeilen. Die Situation schien verfahren. Dann hat man sich noch mal
       umgeschaut.
       
 (DIR) Matcha gegen Ziegenkäse: Ist bei dem Wetter auch voll nice hier
       
       Der Isemarkt in Hamburg-Eppendorf ist bei jungen Menschen beliebt, seine
       Foodtrucks gehen auf Tiktok viral. Dem Bezirksamt gefällt das nicht.
       
 (DIR) Historischer Bunker auf Helgoland: Rückzugsort in schweren Zeiten
       
       Bunker sind wieder Thema. Der auf Helgoland hat sogar eine gigantische
       Sprengung nach dem Krieg überstanden. Als Schutzraum heute taugt er aber
       nicht.