# taz.de -- Historischer Bunker auf Helgoland: Rückzugsort in bombigen Zeiten
> Bunker sind wieder Thema. Der auf Helgoland hat sogar eine gigantische
> Sprengung nach dem Krieg überstanden. Als Schutzraum heute taugt er aber
> nicht.
(IMG) Bild: Ein Aufenthalt im Bunker kann auch für ein mulmiges Gefühl sorgen
Geologisch gesehen ist Helgoland keine Insel, sondern der größte Berg in
der Kaltsteppe, die mal da war, wo heute die Nordsee ist. Ein Berg aus
Buntsandstein, rötlich schimmernd mitten im Meer, rund 50 Kilometer
entfernt vom schleswig-holsteinischen Festland bei Sankt Peter-Ording. Ein
Berg, der durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse. Rund 14 Kilometer
Verbindungsgänge und Versorgungsräume wurden ab 1890 durch den roten Felsen
gegraben, der selbst nur zwei Kilometer lang und 600 Meter breit ist. Denn
Helgoland, so wollte es erst der Kaiser und dann Adolf Hitler, sollte
Deutschlands Seefestung werden. Die Gänge waren Teil der militärischen
Anlage.
## Der „Big Bang“ der Briten
Der Großteil der Tunnel und Räume wurde zerstört, als die Briten im April
1947 die Militäranlagen der Insel sprengten – es war die bis dato größte
nicht nukleare Explosion, in die Geschichte eingegangen als „Big Bang“.
Übrig geblieben ist ein Versorgungsgang im Unterland, in dem heute eine
Ausstellung von Helgolands Schicksal während der beiden Weltkriege erzählt.
Im Oberland übrig geblieben ist der Zivilschutzbunker, in dem die
Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg Schutz suchte vor den Bomben der Briten.
Diese überflogen Helgoland auf ihrem Weg zum Festland und warfen Bomben ab
– manchmal gezielt, manchmal zu Übungszwecken, manchmal, [1][weil sie
Bomben übrig hatten von ihren Angriffen auf Hamburg] und keine
zurückbringen durften zu ihren Stützpunkten.
Der Abgang in den Zivilschutzbunker ist eingefasst von Steinmauern und
verschlossen durch ein horizontales Tor aus Stahl, das sich zurückschieben
lässt. Auf gegenläufigen Treppen geht es nach unten. Das Treppenhaus ist
breit, gemacht für den Fall, dass viele Leute gleichzeitig nach unten
wollen. „Paniktreppenhaus“ nennt es Bunkerguide Luca Korthals. Unten, sagt
sie, könne es einem mulmig werden. „Wenn jemand Probleme kriegt, sich nicht
mehr wohlfühlt, bitte melden.“
Im Treppenhaus stehen Exponate wie eine Sirene oder ein alter
Handfeuerlöscher. Die Luft wird modrig. Das Ende des Treppenhauses liegt 17
Meter unter der Oberfläche. Und dann wird es eng: Das Treppenhaus mündet in
einen Gang, rund 1,40 Meter breit, 2,50 Meter hoch und 70 Meter lang: Der
„Fuchsbau“, der zum „Weddingstollen“ führt und mit ihm zusammen den Kern
des Bunkers bildet.
Auf den Wänden wachsen an vielen Stellen grüne Algen. „Lampenflora“ heißt
die Algenart, steht auf einer Infotafel. Die Lampenflora sei an die
Lebensbedingungen hier unten perfekt angepasst: Nährstoffmangel, hoher
Konkurrenzkampf, unregelmäßige Lichtverfügbarkeit – alles kein Problem für
die Pflanze. Und für die Menschen? Im Krieg seien es 2.500 bis 3.000
Menschen gewesen, die im Bunker ausharrten, sagt Korthals. Meist für drei
bis vier Stunden. „Es war heiß, eng, stickig und laut. Wenn die Bomben
explodierten, hat der ganze Felsen vibriert.“ Durch die Luftschächte drang
der Staub der Explosionen in den Bunker. „Dann hat man die Hand vor Augen
nicht gesehen.“
Erst im vergangenen Winter hat das Museum die Beleuchtung ausgetauscht: Die
Neonröhren kamen raus, stattdessen wurden Kellerleuchten installiert, um
möglichst nah an den damaligen Lichtverhältnissen zu sein.
## Zur Kubakrise die Plumpsklos
Im Gang ist an etlichen Stellen der Putz abgeblättert und darunter kommen
Steine zum Vorschein. Immer wieder zweigen kleine Räume vom Gang ab, leere
Räume, manche mit Hinweisschildern wie „Mutter und Kind-Raum“. Entlang des
Gangs stehen mitunter Holzbänke. Sie wurden erst nach dem Krieg
aufgestellt, ebenso wie die Plumpsklos, die sich in einem der abzweigenden
Räume befinden. „Die wurden anlässlich der Kubakrise Anfang der 1960er
Jahre eingebaut“, sagt Korthals. „Damals versuchte man, den Bunker zu
reaktivieren.“
Auch später hat die Bundeswehr den Bunker nochmal auf seine
Einsatzfähigkeit überprüft, aber für untauglich befunden wegen seines
rudimentären Belüftungssystems, das zum Beispiel keine atomare Strahlung
abhalten könnte. 1988 wurde der Bunker dann zum Museum und ist heute dessen
wichtigste Einnahmequelle – es kommen über 20.000 Besucher*innen pro
Jahr.
Wenn Zeitzeugen über den Bunker sprechen, dann erzählen sie in der Regel
vom 18. April 1945, dem Tag, an dem die Briten Helgoland ähnlich massiv
bombardierten wie gut zwei Monate vorher Dresden. [2][Laut NDR fielen
innerhalb von rund 100 Minuten] insgesamt etwa 7.000 Bomben. Eine zweite,
schwächere Angriffswelle folgte am nächsten Tag. Danach war die Insel nicht
mehr bewohnbar.
Etwa 13 Zeitzeugen gibt es noch, sie haben den Bunker als Kinder erlebt.
Für die anderen, rund 1.360 Menschen, die auf Helgoland leben, ist der
Bunker eine von vielen Spuren, die der Krieg hinterlassen hat. Die Insel
ist überzogen von Kratern, die die Bomben in den Berg gesprengt haben. Dem
größten Berg der Kaltsteppe, der im Mittelalter „Heiligland“ hieß – und
dann zu Helgoland wurde.
30 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Gomorrha
(DIR) [2] https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/kriegsende/Britische-Bomben-prasseln-vor-Kriegsende-auf-Helgoland-nieder,bombenkrieghelgoland100.html
## AUTOREN
(DIR) Klaus Irler
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