# taz.de -- Matcha gegen Ziegenkäse: Ist bei dem Wetter auch voll nice hier
> Der Isemarkt in Hamburg-Eppendorf ist bei jungen Menschen beliebt, seine
> Foodtrucks gehen auf Tiktok viral. Dem Bezirksamt gefällt das nicht.
(IMG) Bild: Lecker! Gleich mal ein Foto posten
Die Duftwolke auf dem Isemarkt verändert sich alle paar Meter: von
Schoko-Cookies zu Bio-Käse, zu flambiertem Roastbeef. Menschen in
gesteppten Daunenjacken flanieren von Stand zu Stand, tragen geflochtene
Rattankörbe und Sonnenbrillen. Ein junger Typ bahnt sich mit großen
Schritten durch die schlendernde Masse. Er hält ein Stativ in der Hand und
filmt sich selbst. „Ist bei dem Wetter halt auch voll nice hier“, vloggt er
über den Marktbesuch und schlängelt sich an einer Frau mit Rollator vorbei.
Es ist Vormittag in Hamburg-Eppendorf, [1][dem Stadtteil der
Jugendstil-Altbauten und SUVs]. Unter den Gleisen der Hochbahn reihen sich
hier dienstags und freitags rund 200 Stände auf, in Sichtweite von
Buchsbaum-Vorgärten und weißen Prachtfassaden. Die Sonnenstrahlen blitzen
zwischen Marktständen hervor, bunte Wimpel wehen in der Frühlingsbrise.
Zwischendurch rattert oben eine Bahn über die Gleise und taucht den Trubel
in ein dunkles Brummen.
## Dubaischokolade unter den Märkten
Mit jeder Minute, die der Mittag näher rückt, schieben sich mehr Besuchende
durch den schmalen Gang, der zwischen den Ständen noch frei ist: Der
Isemarkt ist alles andere als ein Geheimtipp, er steht mittlerweile in
Reiseführern und trendet auf Tiktok. Unter den Hamburger Wochenmärkten ist
er die Dubaischokolade.
Es scheint, als wäre hier alles in Butter. Ja, vielleicht sogar getrüffelt.
Doch genau darum gibt’s nun Zoff. Der Isemarkt, so sagen einige, ist zu
trendy geworden. Schuld daran soll der Hype auf Social Media sein: Der
Isemaekt wird dort als „Hamburgs Streetfood Heaven“ gepriesen, es gibt
Empfehlungen für „Must-Try Stände“ und „Top Picks“. Denn neben
Imbissständen mit Leberkäse oder Veggie-Auflauf gab’s zuletzt immer wieder
Foodtrucks mit neuen Kreationen: Reispapier-Crèpes, Mango-Cloud-Matchas und
Acai-Porridges. Regelmäßig gingen sie bei Instagram und Tiktok viral.
Dem Bezirksamt Eimsbüttel, das den Markt ausrichtet, gefällt das gar nicht.
Das Prinzip eines Wochenmarktes sei ein möglichst breites Angebot an
frischen und saisonalen Produkten, erklärt das Amt. Nach der Pandemie habe
man mehr Foodtrucks auf den Markt geholt, um diesen für Kund:innen
attraktiver zu machen. Doch mittlerweile hätten diese überhandgenommen. Der
Isemarkt sei zu einer „Fressmeile“ geworden, sowohl Anwohnende als auch
Händler:innen hätten sich beschwert.
Vor ein paar Wochen hat das Bezirksamt Ernst gemacht [2][und die Regeln der
Standvergabe geändert]: Anders als bisher werden bei der Vergabe der
Tagesplätze am Morgen nicht mehr alle Händler:innen gleich behandelt:
Wer Waren des täglichen Gebrauchs verkauft wie Käse, Blumen oder Gemüse,
bekommt zuerst einen Platz zugewiesen. Auch Klamotten, Konditorei und
Kunsthandwerk zählen zur Prio-Gruppe. Bleiben dann noch Flächen frei,
dürfen sich die neuen Foodtrucks ausbreiten.
Die Foodtruck-Empörung findet sich auch auf dem Isemarkt selbst wieder, am
Stand des Bio-Metzgers. Eine Dame in dunkelblauem Wollmantel und
dunkelblauem Wollpulli steht mit ihrem Flechtkorb vor der Fleischauslage.
Sie wohne direkt um die Ecke und könne über den Isemarkt nur den Kopf
schütteln, sagt sie.
## Grüne Getränke für 7 Euro
Das eigentliche Problem, [3][das klinge zwar überheblich], aber sei nun mal
so, seien nicht die Food-Stände. „Es sind die Menschen, die auf den Markt
kommen.“ Ihr Blick streift eine Gruppe junger Mädels, die mit Smoothies und
Matcha Latte vorbeigehen. Grüne Getränke für 7 Euro. „Wer genau kann sich
so was eigentlich leisten?“, fragt sie, packt ihre Bio-Bullen-Beute ein und
geht weiter zum Spargel (13,50 Euro/Kilogramm) und der gelben Ringelbete (5
Euro/Kilogramm).
Ein paar Meter weiter steht René Sommer in seinem Essensstand und verkauft
Matjesbrötchen mit Waldbeermarmelade, Granatapfelkernen und Kresse. Er ist
erst seit Kurzem dabei, sagt er, und plötzlich ist er einer von denen, über
die es angeblich Beschwerden gibt.
„Ich fahre morgens hin und habe immer schon ein mulmiges Gefühl. Ich habe
die Ware im Auto und weiß nicht, ob ich einen Platz kriege oder ob ich mit
dem Zeug wieder nach Hause fahre und drauf sitzen bleibe“, sagt Sommer.
Auch heute habe er um einen Standplatz gebangt, die meisten anderen seien
mit hängenden Köpfen wieder gefahren.
Die Auswahl an gehypten Food-Spots ist dennoch üppig: Apple Crumble,
Sauerteig-Pastrami-Sandwiches, einige Cookies und zwei Tiramisu-Stände.
Denn die meisten der Händler:innen haben einen festen Standplatz, von
der Vergabeänderung sind sie also gar nicht betroffen.
Ganz am Ende des Isemarkts steht ein Händler an dem Obst-und-Gemüse-Stand,
der bereits seinem Vater gehört hat. Er ist Anfang dreißig und kann die
Aufregung um die neuen Foodtrucks nicht wirklich verstehen. Bei vielen
Marktständen gebe es sowieso ein Problem mit der Nachfolge, meint er, da
seien die Foodtrucks doch eine gute Lösung.
Er selbst schaut da auch ganz gerne vorbei, sagt er. „Und mal ehrlich,
dieses eingelegte Rindfleisch auf’m Sandwich … das schmeckt echt
supergeil.“
7 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Wahrheit/!5893864
(DIR) [2] https://www.ardmediathek.de/video/hamburg-journal/streit-am-isemarkt-traditionelle-haendler-versus-foodtrucks/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9iNGFiNjIxNS1kMjBjLTRlMzItOGUwNy03MTNiMzNkYTVlY2Q
(DIR) [3] /Ex-Models-und-ihre-Probleme/!5892458
## AUTOREN
(DIR) Linn Bertelsmeier
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