# taz.de -- Pannenserie bei E-Fähre: The Ferry Tale goes on
       
       > Aus für die „Missunde III“: Die ständig kaputte E-Fähre am Meeresarm
       > Schlei in Schleswig-Holstein soll ersetzt werden – durch ihre
       > Vorgängerin.
       
 (IMG) Bild: Schauspiel mit Seltenheitswert: Die Fähre fährt
       
       Urlaubszeit an der Schlei: Autos und Menschen mit Fahrrädern stehen von dem
       Anleger der [1][Fähre „Missunde III“, die den Ostseearm an einer
       Schmalstelle zwischen den Orten Missunde und Brodersby quert]. Dass die
       Fähre fährt, ist eine Nachricht. Denn das erst wenige Jahre alte Schiff
       musste aus unterschiedlichen Gründen immer wieder pausieren, zum Ärger von
       Einheimischen und der [2][Tourismusbranche].
       
       Trotz aller Kritik hielt die Landesregierung lange an der [3][„Missunde
       III“] fest. Nun teilte das Verkehrsministerium mit: Am Ende der
       Sommersaison ist Schluss. Anstelle des neuen Schiffs kommt die Vorgängerin
       [4][„Missunde II“] zurück. Die soll mittelfristig durch einen Neubau
       ersetzt werden. Die Kosten liegen in Millionenhöhe. Das Land prüft
       Schadensersatzklagen.
       
       Stephan Titze, der an diesem Tag im Ruderhaus der [5][„Missunde III“]
       steht, ist kein Freund der neuen Fähre. Sie sei zu groß und zu schwerfällig
       für die Schmalstelle der Schlei, jedes Anlegermanöver sei mühsam, erzählte
       er bei einem Pressetermin vor wenigen Wochen. Sein Chef, Fährpächter
       Rüdiger Jöns, berichtete, er habe bereits frühzeitig darauf hingewiesen.
       
       Aber die [6][„Missunde III“] sollte ein echtes Prunkstück sein. Mit ihrem
       längeren Deck und mehr Tiefgang fasst sie Reisebusse und größere
       Landmaschinen. Durch ihren Solarantrieb ist sie zugleich besonders leise
       und umweltfreundlich unterwegs – und soll so einen Beitrag zur
       [7][Verkehrswende in der Region] leisten.
       
       ## Unzuverlässige Fähre verursacht Millionenkosten
       
       Aber die Probleme begannen fast noch vor der Inbetriebnahme. Das Schiff,
       das 2021 für rund 3,3 Millionen Euro in einer Werft in Sachsen-Anhalt
       gebaut wurde, sollte 2022 fertig sein, bevor die marode Vorgängerin
       [8][„Missunde II“] ihre Betriebserlaubnis verlor.
       
       Doch das Land musste erst neue Anleger bauen, da die alten zu niedrig
       waren. Dann konnte die [9][„Missunde III“] wegen Niedrigwasser nicht
       überführt werden. Im Januar 2024 fand zwar die feierliche Schiffstaufe
       statt, aber wegen Problemen im Testbetrieb lag die [10][„Missunde III“]
       weiter still. Es folgen weitere Umbauten und Reparaturen, die Kosten
       stiegen auf inzwischen rund 6,5 Millionen Euro. Auch in der Saison 2026 gab
       es immer wieder Ausfälle: Mal war ein Antriebsriemen beschädigt, mal hakte
       ein Sicherungshaken nicht ein.
       
       „Eine Fähre muss vor allem eines: verlässlich fahren“, sagte
       Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen, als er das Aus für die Fähre mitteilte.
       Die [11][„Missunde III“] habe das trotz aller Reparaturen und
       Nachbesserungen bisher nicht geschafft.
       
       Noch vor wenigen Monaten hatten er und Ministerpräsident Daniel Günther
       (beide CDU) sich bei einem Treffen mit Kommunalpolitiker:innen für
       die Probleme entschuldigt, aber versichert, die Regierung setze alles
       daran, dass der Betrieb erfolgreich laufe. Aber „mit dem Prinzip Hoffnung
       lässt sich keine Fähre betreiben“, sagte Madsen nun. Also kommt die alte
       [12][„Missunde II“] – die das Land erst verkauft und dann weit teurer
       zurückgekauft hatte – in die Werft und soll ab Herbst einsatzbereit sein.
       
       ## Land prüft Schadensersatzklage gegen Planungsbüro
       
       Für Joschka Buhmann, Bürgermeister von Brodersby-Goltorf, ist diese
       Entscheidung ein Erfolg: „Unsere beharrliche und teilweise auch sehr
       deutliche Kommunikation mit dem Minister und dem Ministerpräsidenten hat
       dazu geführt, dass wir jetzt gemeinsam an einer tragfähigen Lösung für die
       Menschen in der Region arbeiten“, sagte er der taz. In dem langjährigen
       Verfahren hätten die Ortsansässigen aber immer „deutlich gemacht, dass sie
       nicht nur Kritik äußern, sondern mit ihrer Erfahrung und ihrer Kompetenz
       Teil der Lösung sein wollen“. Auch die jetzige Übergangslösung sei von
       Menschen aus der Region entwickelt worden.
       
       Dass die Regierung diesen Weg mitgeht, hält er „gerade in der heutigen
       politischen Debatte für besonders wichtig: Einen Fehler anzuerkennen,
       Verantwortung zu übernehmen und anschließend gemeinsam mit den Bürgerinnen
       und Bürgern nach einer besseren Lösung zu suchen, ist kein Zeichen von
       Schwäche. Im Gegenteil – es ist ein wichtiger Schritt, um verloren
       gegangenes Vertrauen in politische Entscheidungen zurückzugewinnen.“
       
       Wie es künftig weitergeht, ist unklar. Das Land prüft den Neubau einer
       Fähre, es wäre wohl die [13][„Missunde IV“]. Details stünden noch nicht
       fest, sagt Ministeriumssprecherin Karen Sieksmeyer. Sie könne sich aber gut
       vorstellen, dass es erneut eine [14][E- oder Solarfähre] wird: „Wir hatten
       viele Probleme, aber der Antrieb zählte nicht dazu.“ Ebenfalls geprüft wird
       eine Schadensersatzklage gegen das Konstruktionsbüro, das die
       [15][„Missunde III“] geplant hatte.
       
       10 Aug 2026
       
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