# taz.de -- EU-Kommission zur Nutztierhaltung: Nicht abbauen, sondern stärken
> Brüssel lehnt eine zentrale Forderung von Klimaschützern ab: Die
> Tierhaltung solle nicht reduziert werden, sondern „florieren“, so die
> Kommission.
(IMG) Bild: Ein wichtiger Teil der Landwirtschaft: konventionelle Schweinehaltung
Die EU-Kommission will die klimaschädliche [1][Nutztierhaltung] nicht
abbauen, sondern stärken. Gleichzeitig soll die Unterbringung von Hühnern
und Schweinen in Käfigen verboten, der Importanteil bei Futter mit viel
Eiweiß reduziert werden. Das geht aus der Nutztierstrategie und dem
Proteinaktionsplan hervor, die die Kommission am Dienstagabend vorgestellt
hat.
Zum Beispiel in Deutschland werden dem bundeseigenen
Thünen-Agrarforschungsinstitut zufolge circa 10 Prozent der
Treibhausgasemissionen auf die Tierhaltung zurückgeführt – inklusive etwa
des Ausstoßes durch die tierische Verdauung, die Fütterung und der
Flächennutzung. Der Großteil der Tiere wird unter ethisch umstrittenen
Bedingungen gehalten. Der Futteranbau trägt unter anderem durch Pestizide
und Dünger dazu bei, dass wilde Pflanzen- und Tierarten aussterben sowie
Wasser verschmutzt wird.
Einen Teil dieser Auswirkungen erwähnt die EU-Kommission auch in ihrer
[2][Nutztierstrategie]. Prominenter stellt sie aber die ökonomische
Bedeutung der Tierhaltung heraus: „Sie beschäftigt rund 7 Millionen
Menschen und stützt sich auf 4 Millionen landwirtschaftliche Betriebe“,
heißt es in dem Dokument. Das ist im Vergleich zu den insgesamt [3][207
Millionen] Erwerbstätigen in der EU zwar wenig, die Tierhaltung steuert
laut Kommission jedoch etwa 40 Prozent der landwirtschaftlichen
Wertschöpfung in der EU bei. „Eine zentrale Herausforderung ist
Rentabilität“, so das Papier, das zum Beispiel hohe Kosten für die Bauern
als Problem nennt.
Deshalb fordert die Kommission: „Die Union von 2040 muss ein Ort sein, an
dem nachhaltige Tierhaltung nicht nur überlebt, sondern auch floriert.“ Die
Branche solle durch einen „einfachen“ politischen Rahmen und Subventionen
gestützt werden. Von einer deutlichen Reduktion der Tierzahl, wie sie
Klimaschützer verlangen, ist in dem Dokument nicht die Rede.
## Zweifel an Berechnung der Emissionen
Stattdessen will die Kommission die Emissionen nach Ansicht von Kritikern
kleinrechnen: Berechnungsmethoden des Weltklimarats IPCC könnten
Klimaschutzmaßnahmen von Betrieben „unterschätzen“, schreibt die
EU-Behörde. Sie wolle deshalb „ausgefeiltere Ansätze“ erarbeiten, um eine
„fairere Bewertung“ zu gewährleisten.
Der Ausstoß, der dann noch übrig bleibt, soll nach der Strategie zum
Beispiel durch Rinderrassen mit geringerem Methanausstoß, eine präzisere
Fütterung sowie mehr Güllenutzung in Biogasanlagen sinken. Dass das reicht,
bezweifeln Organisationen wie das Europäische Umweltbüro. Selbst die
Kommission schreibt in der Strategie nur, dass technische Lösungen die
Emissionen um „mindestens 16 Prozent“ reduzieren könnten.
Die Kommission bekräftigte auch, dass sie die EU-Richtlinie gegen
Wasserverschmutzung durch Nitrat aus Düngern und die
Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie überprüfen wolle. „Das bedeutet am Ende eine
Öffnung der Richtlinien und unter dem jetzigen politischen Klima nichts
anderes als eine Kampfansage an verbindliche Standards“, kritisierte Martin
Häusling, EU-Abgeordneter der Grünen.
Um europäische Tierprodukte gegenüber Konkurrenz von außen zu stärken, will
die Kommission eine „deutlichere Kennzeichnung der Herkunft aus der EU“.
Zudem sollten Tierschutzstandards von heimischen und importierten Produkten
angeglichen werden. Die Formulierung lässt offen, ob die EU höhere
Anforderungen an Importe stellt oder ihre eigenen Standards senkt.
## Mehr Proteinfutter aus der EU
Die Kommission kündigte an, bis Ende 2026 einen Gesetzentwurf zum
schrittweisen Ausstieg aus der Käfighaltung von Legehennen, zum „Ende des
routinemäßigen Tötens männlicher Küken“ sowie zu gleichwertigen
Anforderungen für Importe vorzulegen. Bis zum zweiten Quartal 2027 solle
ein ähnlicher Vorschlag folgen, der die Haltung von Sauen in
„Kastenständen“ verbietet. Diese Käfige sind so klein, dass die Tiere sich
nicht umdrehen und nur langsam hinlegen können. Für deutsche Bauern wären
diese Verbote im Grundsatz nichts Neues. Aber die geplanten EU-Vorschriften
könnten Wettbewerbsnachteile für sie beseitigen.
Auch der Proteinaktionsplan soll zur Stabilität der Tierbranche beitragen.
Denn im Jahr 2025 stammten laut Kommission nur 25 Prozent des vor allem als
Futter genutzten Proteins in Ölsaaten wie Soja und Eiweißpflanzen aus der
EU. „Der Plan zielt darauf ab, den Anteil bis 2035 auf 35 Prozent zu
erhöhen“, so die Behörde. Die EU-Staaten sollen dafür unter anderem
Hülsenfrüchte und Soja mit EU-Mitteln fördern.
Der Deutsche Bauernverband lobte, dass die Kommission einem Abbau der
Tierbestände eine Absage erteile. Neue Auflagen etwa im Tierschutz müssten
zuerst verbindlich finanziert werden. Der Deutsche Tierschutzbund
kritisierte, dass die Strategie „in zentralen Punkten hinter die bisherigen
tierschutzpolitischen Ambitionen“ zurückfalle. Europa brauche weniger Tiere
in besseren Haltungssystemen.
8 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Tierhaltung/!t5021193
(DIR) [2] https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_26_1522
(DIR) [3] https://de.tradingeconomics.com/european-union/employed-persons
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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