# taz.de -- Die Kunst der Woche: Inneres und Äußerlichkeiten
> Eine intime Ausstellung bei Between Bridges versammelt Werke von Jochen
> Klein. Ebenfalls in Kreuzberg: die Schau „Inscape“ bei Kraupa Tuscany
> Zeidler.
(IMG) Bild: Blick in die Ausstellung von Jochen Klein bei Between Bridges
Wer es bislang verpasst hat, die Jochen-Klein-Ausstellung bei Between
Bridges zu besuchen, sei hiermit daran erinnert. Nur noch bis zum 26. Juli
ist sie zu sehen und beleuchtet schlaglichtartig alle Phasen von Kleins
kurzer, aber überaus vielseitiger Schaffenszeit. Malerei aus der
Studienzeit seines ehemaligen Lebensgefährten hat Wolfgang Tillmans für die
Schau ausgewählt – ein fein ausgearbeitetes Acrylbild etwa, auf dem ein
ziemlich gruseliger Junge hinter einer Birke kauert – und ganz späte, die
kurz vor Kleins frühem Tod entstanden. Er starb 1997 mit gerade mal 30.
Aus dieser Phase stammt die Collage, die Plakatmotiv zur Ausstellung ist:
die flauschige Meerschweinchenfamilie eines Medizini-Posters umgeben von
üppigem Grün. Außerdem zu sehen sind kleine fleischfarbene Wachstierchen in
handgearbeiteten Musselinkleidchen, ein Collagenheft, konzeptuelle Arbeiten
aus der Zeit, als Klein sich dem Kollektiv Group Material angeschlossen
hatte – eine in Anlehnung an den Ikea-Katalog konzipierte
kritisch-ironische Abhandlung über Konsumkultur und prekäre Daseinsformen.
Oder ein damals nie veröffentlichter Text, geschrieben zusammen mit Thomas
Eggerer über den Englischen Garten in München, darüber, wie sich in dessen
Anlage bürgerliche Wertvorstellungen widerspiegeln, und über dessen
Bedeutung als Cruising-Spot.
## Deckchen aus hartem Stahl
Früher schlossen viele Galerien über den Sommer, mittlerweile werden Juli
und August oft anders genutzt, für experimentellere Gruppenausstellungen
zum Beispiel. Auch Kraupa Tuscany Zeidler machen das so. „Inscape“,
kuratiert von Emanuela Anders, Sigrid Hermann, Luzie Naters und Isabelle
Thul, versammelt Arbeiten, die sich assoziativ mit Innerlichkeiten wie mit
Interieur beschäftigen. Ausgesucht wurden acht Künstlerinnen, von denen nur
Klaudia Schifferle, auf deren Collagen sich in bester Punk-DIY-Zine-Manier
„MetalGirls“ breitmachen, von Kraupa Tuskany Zeidler vertreten wird.
Antonia Nannt hat Tischchen rüschige Volant-Deckchen übergezogen,
hergestellt allerdings nicht aus zarter Spitze, sondern aus hartem Stahl.
Die Spitzenmuster lassen sich auf „Weathers“ von Aline Schwibbe
wiederfinden, aufgesprüht als oberste Schicht, wie ein zusätzlicher Vorhang
vor dem Fenster, auf das man da blickt.
Schwibbe druckt Videostills oder Fotos auf hochflorigen Samt, der wie ein
Weichzeichner funktioniert. Dann zeichnet und malt sie darüber – oder
sprüht eben wie durch die Spitze. Die eigentlichen Motive rückt sie so nach
hinten, schafft Tiefe, verfremdet Stillleben zu inneren Landschaften. Auch
das Material hat daran seinen Anteil, durch jene Spuren, die Fingernägel
oder Stifte auf den Fasern hinterlassen.
Auch Josephine Rothäuser verarbeitet Textilien zu Wandarbeiten, legt Fetzen
übereinander, heftet sie aneinander wie notdürftig überzogene zerschlissene
Polsterungen. Caroline Douville wiederum erforscht Haitianische
Voodoo-Rituale, besser gesagt: die Bilder, die sich davon im Internet
finden lassen.
21 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Beate Scheder
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