# taz.de -- 50 Jahre Galerie Nordenhake: Was Farbe kann und Malerei eigentlich ist
> Mit einer großen Gruppenausstellung feiert die Galerie Nordenhake ihren
> 50. Geburtstag. In Berlin zieht sie bald schon von Kreuzberg nach
> Charlottenburg.
(IMG) Bild: Ein letztes Mal bespielt die Galerie auch das Treppenhaus (Arbeiten von Michał Budny, Ulrich Rückriem und Spencer Finch)
Ist das nun ein gutes Bild für die Galerie Nordenhake, die gerade unter
anderem in Berlin ihr 50-jähriges Bestehen feiert, oder eher nicht? In der
Ecke, gleich da, wo man die Ausstellungsräume betritt, steht eine
Akustikgitarre. Oder besser gesagt, das, was noch von dieser übrig ist:
zerbrochenes Tonholz, zerfledderte Saiten, löchriges Griffbrett und all das
wieder notdürftig zusammengeklebt. Was mit dem Instrument geschehen ist,
verrät eine Videoarbeit schräg gegenüber vor dem Fenster. Darin zu sehen:
die Künstlerin Sofia Hultén, wie sie mit der Gitarre auf Wand und Boden
eines leeren weißen Raums eindrischt, sie zusammenbastelt und wieder von
vorn beginnt, siebenmal insgesamt.
„Fuck it up and start again“, der Titel der Arbeit erklärt sich von selbst,
das Prinzip Trial-and-Error, das kreative Potenzial, das mitunter
Zerstörung mit sich bringt. Auch beim Gründen und Etablieren einer Galerie
ist dieses anzuwenden, wurde zweifellos auch angewendet bei Nordenhake. Nur
so zusammengeflickt wie die Gitarre von Hultén erscheint heute dort nichts
mehr.
1976 hatte Claes Nordenhake, Autodidakt im Kunstmarktbusiness, seine
Galerie im schwedischen Malmö gegründet, zog Mitte der 1980er dort nach
Stockholm um. 2000 kam Berlin als zweiter Standort dazu, wohin es ihn seit
einiger Zeit schon immer öfter gezogen hatte und er sich einen Platz im
Gefüge sicherte, dieses bis heute auch mitgestaltet hat. 2005 gehörte
Nordenhake mit zum Gründungskreis des [1][Gallery Weekends]. Seit 2017 gibt
es außerdem einen Standort in Mexico City. Auch die Ausstellung zieht sich
über alle drei Galerien, die gleichberechtigt operieren, mit Schwerpunkt
jeweils auch auf lokalen Künstler:innen. In Berlin zählen zu denen etwa der
Fotograf Michael Schmidt, die Malerin Sophie Reinhold oder auch die 1972 in
Stockholm geborene Sofia Hultén.
Auch Arbeiten gibt es in der Gruppenausstellung zu sehen, die mit der
Geschichte der Galerie zu tun haben. Mit der Berliner Geschichte: 2005,
noch in den Galerieräumen in der Zimmerstraße, hatte Spencer Finch diese in
die Farbe Preußischblau getaucht, einmal mit Pigment, einmal mit farbigem
Licht. In der Ausstellung jetzt zitiert er die Installation im Box-Format.
Überhaupt die Erforschung dessen, was Farbe kann oder was Malerei
eigentlich ist. Immer schon zentral war die im Galerieprogramm. Darauf
verweisen unter anderem Arbeiten wie „Gul“ des US-Amerikaners Joseph
Marioni aus dem Jahr 1981, auf dem sich die Acrylfarbe so dick glänzend
über die Leinwand schichtet, mehr Körper aus Farbe als Bild, Farbe, die in
Tropfen von der Oberfläche abzuperlen scheint, als wäre es in der Sonne
schmelzendes Mangosorbet. Oder „Alizarin Crimson“ der ebenfalls
US-amerikanischen Malerin Marcia Hafif, die ihre eigenen Farben anmixt,
eben jenen bläulich-roten Ton in diesem Fall, ein monochromes Gemälde aus
1983, das erstmals zu sehen war im selben Jahr in der Galerie, damals noch
in Malmö.
## Die erste Galerie, die einzog
Die Ausstellung feiert fünf Jahrzehnte der Galerie und markiert, was den
Berliner Teil betrifft, gleichzeitig den Beginn eines neuen Kapitels.
Nordenhake verlässt Kreuzberg, zieht nach Charlottenburg. Fast 20 Jahre war
Nordenhake an den bald ehemaligen Räumen in der Lindenstraße. Der Galerist
hatte das Gebäude, gebaut 1912/13 für das „Kaufhaus Merkur“, danach bis
1938 die Zentrale der Lufthansa, und noch später lange leerstehend Anfang
der 00er Jahre zusammen mit einem schwedischen Sammler gekauft,
galeriengerecht renovieren lassen (und vor ein paar Jahren wieder
verkauft). 2007 war seine Galerie die erste, die einzog und mit der
Aussicht auf Synergieeffekte andere anlockte.
Eine Zeit gab es, da war jeder Raum dort von Galerien belegt. Lange her
erscheint das heute, wo es zwar rund um den Checkpoint Charlie noch
wichtige Galerien gibt, Carlier Gebauer und Barbara Thumm in der
nahegelegenen Markgrafenstraße etwa oder seit ein paar Jahren die Berliner
Dependance der Münchner Galerie Max Goelitz in der Rudi-Dutschke-Straße,
doch wo die Hotspots längst anderswo zu verorten sind. Weiter geht es für
Nordenhake ab Semptember dann in der Goethestraße, in jener ehemaligen
Post-Schalterhalle, die bis vor kurzem noch die Galerie Max Hetzler
bespielte.
19 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Beate Scheder
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