# taz.de -- Sommer-Pressekonferenz des Kanzlers: Sein schwächster Moment? Darüber müsse er nachdenken.
> Bei der traditionellen Sommer-PK versucht Merz, Zuversicht zu verbreiten.
> Immer wieder geht es um die Landtagswahlen im Herbst – und um die AfD.
(IMG) Bild: Versuchte sogar freundlich zu antworten. Bundeskanzler Merz bei der Sommerpressekonferenz
Sommerpressekonferenzen von Bundeskanzlern sind traditionell
Politik-Potpourris der ganz besonderen Art. Einmal im Jahr, bevor der
Regierungschef und ein großer Teil der Hauptstadtpresse in die Ferien
gehen, wird dieser in das Haus der Bundespressekonferenz (BPK) eingeladen,
um Rede und Antwort zu stehen. Der Saal ist proppenvoll, gefragt werden
darf alles. Nur eine Regel gibt es: Eine Frage und eine Nachfrage dürfen
gestellt werden, dann ist Schluss. Trotzdem kommt nicht jeder dran, der
sich gemeldet hat – nach anderthalb Stunden ist die Zeit um und die Liste
lange nicht abgearbeitet.
So auch am Mittwoch, als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum zweiten Mal
in seiner Amtszeit vor der blauen Wand der BPK zur Sommerpressekonferenz
Platz nahm. Das Timing war dieses Mal besser für ihn. Im
Koalitionsausschuss hatten sich Union und SPD auf vieles geeinigt, am
Freitag waren wichtige Vorhaben wie das Sparpaket für die gesetzliche
Krankenversicherung von Bundestag und Bundesrat verabschiedet worden.
[1][Im Vorjahr war die Stimmung schlechter gewesen]: Damals war die Wahl
der Staatsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf ins Bundesverfassungsgericht
an der Union gescheitert, die Koalition zog mit einer veritablen Krise in
die Sommerferien – und diese war das beherrschende Thema der PK.
Merz’ Laune war dieses Mal, trotz schlechter Umfragewerte, entsprechend
besser. Auch wenn ihm die eingängliche Bemerkung des Moderators, Merz sei
zum 17. Mal bei der BPK, Angela Merkel war das hingegen 46 Mal, kaum
gefallen haben dürfte, bemühte er sich, die Fragen halbwegs freundlich zu
beantworten. Das ist bei Merz ja bekanntlich nicht immer der Fall. Sein
Ziel ganz offensichtlich: Zuversicht zu verbreiten, um Verständnis zu
werben.
Jedenfalls listete er, wie zu erwarten war, erst einmal auf, was die
Bundesregierung bislang so alles geschafft habe. „Die Koalition hat Tritt
gefasst“, sagte Merz. „Die Bilanz ist positiv. Die Bundesregierung hat
ihren Rhythmus gefunden, trotz mancher Kritik. Wir haben geliefert.“ Doch
er räumte ein, dass Deutschland, vor allem wirtschaftlich, noch nicht dort
sei, wo es sein müsse: „Wir haben viel erreicht, aber es ist noch lange
nicht genug.“
## Zusammenarbeit mit SPD gut, aber …
Auch versicherte der Kanzler, mit den beiden SPD-Vorsitzenden Lars
Klingbeil und Bärbel Bas wirklich gut zusammenzuarbeiten. Dankbar sei er
den Sozialdemokraten, dass es bei der Steigerung der Verteidigungsfähigkeit
– man könnte auch sagen: der Aufrüstung – in der Bundesregierung keinen
Dissens gebe. Zwei Themen seien ihm innenpolitisch in den kommenden Monaten
besonders wichtig: dass die Rentenversicherung auf ein neues Fundament
gestellt werde und ein Paradigmenwechsel beim Thema Bürokratie und
Dokumentationspflichten gelinge.
Trotz der Betonung des guten menschlichen Verhältnisses auch zu Arbeits-
und Sozialministerin Bas machte Merz einen Dissens mit ihr ganz deutlich.
Er erwarte im Herbst einen Gesetzentwurf [2][zur Arbeitszeit], der auch
„insbesondere für nicht tarifgebundene Unternehmen“ gelten solle. Genau das
will die SPD eigentlich verhindern – hier droht also ein handfester
Konflikt. Besser gefallen dürfte den Sozialdemokraten, dass Merz die
geplanten Kürzungen bei der Rente für pflegende Angehörige kritisch
bewertete. Entschieden sei da noch nichts.
Die Fragen der Journalisten reichten von der Europäischen Zentralbank über
die geringe Zahl von Frauen in Koalitionsgremien bis zur Reform der
Schuldenbremse, die laut Merz wohl nicht mehr kommen wird. Immer wieder
Thema: die Wahlen im September in Ostdeutschland. Was er tun wolle, um die
Wählkämpfer vor Ort zu unterstützen? Ob er ausschließen könne, dass die CDU
mit der AfD paktiere? Ob eine Zusammenarbeit mit der Linken in Ordnung sei,
um eine mit der AfD zu verhindern?
Ein niederländischer Journalist fragte, was Deutschland aus dem Umgang mit
Rechtspopulisten in seiner Heimat lernen könne. „Gar nichts“, antwortete
Merz da. Denn wenn in Deutschland eine rechtsradikale Partei an die
Regierung komme, habe das wegen der deutschen Geschichte eine „völlig
andere Bedeutung“. Im Übrigen verwies er auf die
[3][Unvereinbarkeitsbeschlüsse seiner Partei gegenüber AfD und Linken],
betonte, dass der Wahlkampf gerade erst beginne und er alles in seiner
Kraft Stehende tun werde, um einen Sieg der AfD zu verhindern.
Eine Frage ließ Merz unbeantwortet: die nach dem schwächsten Moment seiner
Kanzlerschaft. Darüber müsse er länger nachdenken, sagte er. Ob das an der
großen Auswahl liegt oder daran, dass er solche Momente nicht sieht, ließ
er offen. Doch der Sommerurlaub bietet ja genug Zeit für solche
Überlegungen.
15 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Sabine am Orde
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