# taz.de -- Staatsumbau in der Türkei: Der andauernde Putsch
       
       > Zehn Jahre nach dem gescheiterten Staatsstreich hat Erdoğan seine
       > Alleinherrschaft gefestigt. Und ist selbst zum Risiko für die Demokratie
       > geworden.
       
 (IMG) Bild: Türkischer Alleinherrscher Recep Tayyip Erdoğan
       
       Zehn Jahre ist der gescheiterte Militärputsch in der Türkei nun her. Man
       zögert immer noch unwillkürlich, das Wort Putsch zu verwenden. War es
       tatsächlich ein Putschversuch der islamistischen Gülen-Sekte, wie der
       türkische Präsident es behauptet? Oder doch nur eine skrupellose
       Inszenierung, die Recep Tayyip Erdoğan im Anschluss zum Alleinherrscher
       machte? Klar ist nur, es gibt bis heute unzählige [1][Widersprüche und
       Merkwürdigkeiten rund um diesen Putschversuch], die nie aufgeklärt wurden.
       
       Noch in der Nacht sprach Erdoğan davon, dass der Putsch ein
       „Gottesgeschenk“ sei. Und Erdoğan hat dieses Geschenk optimal genutzt. Die
       Putschnacht vom 15. auf den 16. Juni 2016 war die tiefste Zäsur in seiner
       mittlerweile 23 Jahre andauernden Herrschaft. Bis dahin gab es in der
       Türkei noch erfolgreichen Widerspruch, [2][eine starke Zivilgesellschaft]
       und eine demokratische Kultur, die dem Präsidenten allzu viel Macht
       versagte.
       
       All das wurde in den Monaten nach dem „Putsch“ beseitigt. [3][Im
       Ausnahmezustand] wurden Hunderttausende Kritiker aus ihren Positionen in
       der Bürokratie, im Militär, in der Polizei und nicht zuletzt aus den
       Universitäten entfernt, entlassen, verhaftet und nicht wenige ins Gefängnis
       gesteckt oder ins Exil gedrängt. Die anschließende „Verfassungsreform“
       schuf dann für Erdoğan das exekutive Präsidentenamt, die Alleinherrschaft,
       die er zuvor jahrelang vergeblich angestrebt hatte.
       
       Doch seitdem geht es mit der Türkei wirtschaftlich bergab. Inflation und
       die auf Klientelismus beruhende Korruption treiben das Land in den Ruin.
       Das führte dazu, dass Erdoğan 2024 selbst die stark reglementierten Wahlen
       verlor und sich die oppositionelle CHP bei den landesweiten Kommunalwahlen
       durchsetzen konnte. Deshalb wurde vor knapp zwei Jahren die nächste Stufe
       des Autoritarismus gestartet: [4][Die Opposition wird mithilfe der Justiz
       zur Strecke gebracht]. Der Putsch gegen die Demokratie dauert immer noch
       an.
       
       14 Jul 2026
       
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