# taz.de -- Türkei: Behörden ordnen zehn Jahre nach Putsch 1.000 Festnahmen an
       
       > In der Türkei wird nach 968 Verdächtigen gesucht, teilte der türkische
       > Justizminister mit. Sie alle sollen Verbindungen zur Gülen-Bewegung
       > haben.
       
 (IMG) Bild: Menschen in Ankara protestieren am 15. Juli 2016 gegen heranrollende Panzer der putschenden Militärs
       
       afp | Kurz vor dem zehnten Jahrestag des gescheiterten Militärputsches in
       der Türkei haben die Behörden die Festnahme von fast 1.000 Menschen mit
       mutmaßlichen Verbindungen zur sogenannten Gülen-Bewegung angeordnet. Bei
       einer landesweiten Aktion werde nach 968 Verdächtigen gesucht, teilte
       Justizminister Akın Gürlek am Montag mit. Gürlek und Innenminister Mustafa
       Çiftçi bezeichneten das Vorgehen im Onlinedienst X als Teil einer „großen
       Säuberungsaktion“.
       
       Der Kampf gegen das „Netzwerk“, das Ankara als „Terrororganisation“ und
       „parallele Staatsstruktur“ bezeichnet, werde „mit derselben
       Entschlossenheit wie am ersten Tag“ fortgesetzt, erklärten sie weiter. Sie
       begründeten das Vorgehen damit, dass das „verräterische Netzwerk den
       Fortbestand unseres Staates bedroht“.
       
       Am 15. Juli 2016 hatte ein Teil des Militärs versucht, die Regierung von
       Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu stürzen. Bei Kämpfen wurden mehr als 250
       Menschen getötet und etwa 2.000 weitere verletzt. Der Putschversuch brach
       innerhalb weniger Stunden zusammen.
       
       Die türkische Führung machte den damals in den USA lebenden [1][Prediger
       Fethullah Gülen] für den Umsturzversuch verantwortlich. Gülen, ein früherer
       Verbündeter Erdoğans, wies den Vorwurf bis zu seinem Tod im Jahr 2024
       zurück. Ankara kündigte an, seine Bewegung vollständig aus Staat und
       Gesellschaft zu entfernen.
       
       ## Zwei Jahre Ausnahmezustand
       
       Nach [2][dem Putschversuch] verhängte die Regierung für zwei Jahre den
       Ausnahmezustand. Bei großangelegten „Säuberungen“ wurden Hunderttausende
       Menschen festgenommen und Zehntausende Beschäftigte aus Militär, Polizei,
       Justiz, Bildungswesen, Medien und Diplomatie entlassen.
       
       Der gescheiterte Putsch gilt als Wendepunkt der jüngeren türkischen
       Geschichte. Erdoğan nutzte die anschließenden Maßnahmen, um seine Macht
       auszubauen. 2018 trat ein Präsidialsystem mit weitreichenden Befugnissen
       für das Staatsoberhaupt vollständig in Kraft.
       
       13 Jul 2026
       
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