# taz.de -- Repression in der Türkei: Ein Neustart für Özgur Özel
       
       > Der ehemalige Vorsitzende der türkischen CHP gründet eine neue Partei,
       > die Yeni Parti. Viele Abgeordnete wechseln, eine Umfrage sieht sie vor
       > der herrschenden AKP.
       
 (IMG) Bild: Özgür Özel (r.)mit Anhängern, nachdem er am 24. Juli 2026 einen Antrag auf Registrierung der neuen Partei Yeni Parti eingereicht hat
       
       Am Wochenende ist die neue Yeni Parti des ehemaligen Vorsitzenden der
       Partei CHP, Özgür Özel, überraschend erfolgreich gestartet. Nachdem Özel am
       Donnerstag auch formal seinen Austritt aus der CHP besiegelt hatte, ging
       der größte Teil der bisherigen CHP-Fraktion im türkischen Parlament gleich
       mit. Von den 132 CHP-Abgeordneten verließen 90 die Fraktion – und erklärten
       ihren Eintritt in die neue Partei. Nach gut informierten Kreisen werden
       wohl noch zehn weitere Abgeordnete die CHP verlassen und in die Yeni Parti
       eintreten.
       
       [1][Die Partei wurde am Freitag beim Innenministerium registriert] und
       wählte am Samstag umgehend Özgür Özel zum neuen Vorsitzenden, dazu ihren
       erweiterten Parteivorstand. Damit wurde sie nach der AKP von Präsident
       Recep Tayyip Erdoğan aus dem Stand die zweitstärkste Partei im Parlament.
       Erste Umfragen zeigen auch, dass die Yeni Parti in der Bevölkerung gut
       ankommt. Mehr als 30 Prozent der Wähler können sich demnach vorstellen, die
       neue Partei zu wählen – das sind mehr als die AKP derzeit vorweisen kann.
       
       Es wird allerdings noch Wochen oder Monate dauern, bis sich die Trennung
       von der CHP wirklich auf allen Ebenen vollzogen hat und die neue Partei in
       allen 81 Provinzen Vertretungen aufgebaut hat. Bislang ruft Özgür Özel die
       Bürgermeister der CHP, die zur neuen Partei wechseln wollen, dazu auf, erst
       einmal noch bei der alten Partei zu bleiben. Sie sollen nicht riskieren,
       ihr Mandat zu verlieren.
       
       Außerdem laufen etliche staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren wegen
       angeblicher Korruption gegen Politiker der CHP. Ganze 27 Bürgermeister der
       CHP, darunter der Istanbuler Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu, sitzen in
       Haft. Während İmamoğlu sich ganz klar zur neuen Partei bekannt hat, weiß
       die Staatsanwaltschaft nun in einigen Fällen wohl nicht, ob sie
       CHP-Bürgermeister weiter verfolgen sollen, oder ob die Person nun wieder
       zur alten Riege der CHP unter dem Vorsitz des früheren CHP-Chefs Kemal
       Kılıçdaroğlu gehört. Und damit ein potenzieller Alliierter der Regierung
       ist.
       
       In den beiden nach Istanbul wichtigsten Städten Ankara und Izmir zeichnet
       sich derzeit ein eher gegenteiliger Trend ab. Der CHP-Oberbürgermeister
       Mansur Yavaş von Ankara verhält sich erst einmal ruhig – vielleicht in
       Absprache mit Özgür Özel, so zumindest die Gerüchteküche. Der Bürgermeister
       von Izmir, Cemil Tugay, hingegen ist bereits vor mehr als einer Woche aus
       der CHP ausgetreten.
       
       ## Applaus in und außerhalb der Türkei
       
       Noch ist auch unklar, wie Präsident Erdoğan auf die Parteineugründung von
       Özgür Özel reagieren wird. Das Innenministerium kann die Neugründung
       akzeptieren oder der Yeni Parti [2][so viele Steine in den Weg legen], dass
       diese nicht bei Wahlen antreten kann. Für diesen Fall hat Özel aber bereits
       angekündigt, dass man Kooperationen mit bereits existierenden kleinen
       Parteien vorbereitet hat, auf die man notfalls zurückgreifen kann.
       
       Außerdem besteht immer noch die Gefahr, dass Özgür Özel die
       parlamentarische Immunität entzogen wird, um ihn anklagen und in Haft
       bringen zu können. Allerdings bräuchte die AKP dazu ihren
       [3][De-facto-Koalitionspartner MHP]. Und deren Vorsitzender Devlet Bahçeli
       hat Özgür Özel gestern bereits persönlich zu der Parteineugründung
       beglückwünscht.
       
       Auch international ist Özel gut gestartet. Der spanische Ministerpräsident
       Pedro Sánchez hat in seiner Funktion als Vorsitzender der Sozialistischen
       Internationale angekündigt, zukünftig die Yeni Parti als Mitglied
       anzusehen. Auch der SPD-[4][Vorsitzende Lars Klingbeil] hat Özgür Özel
       gratuliert und die Yeni Parti als Partner der SPD anerkannt.
       
       28 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Staatsumbau-in-der-Tuerkei/!6195919
 (DIR) [3] /MHP/!t5364622
 (DIR) [4] /Apsilon-Die-Rechten-sollten-nicht-als-Einzige-Wut-fuer-sich-claimen/!6195073
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf Wittenfeld
       
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