# taz.de -- Unterhaltsvorschuss: Und die Schlupflöcher?
> Karin Prien will den Unterhaltsvorschuss reformieren. Das ist im Prinzip
> gut so – aber wichtige Stellschrauben lässt sie aus.
(IMG) Bild: Meistens sind es Väter, die sich der Unterhaltspflicht entziehen
Die Bundesregierung bereitet das nächste Sparprogramm vor. Diesmal trifft
es Trennungskinder und ihre Eltern: CDU-Familienministerin Karin Prien hat
[1][erste Details zur Reform des Unterhaltsvorschusses] verkündet. Dabei
geht es um Geld, das der Staat Alleinerziehenden (meist Frauen) vorstreckt,
wenn der andere Elternteil (meist Männer) keinen Unterhalt zahlt.
Theoretisch dürfen die Behörden die Beträge hinterher von Letzteren
zurückholen, praktisch klappt das [2][aber nicht mal in jedem fünften
Fall.] Knapp 3 Milliarden Euro fehlen dem Staat dadurch pro Jahr.
Das Problem anzugehen, ist richtig. Was Prien konkret ankündigt, ist aber
unausgewogen: Sie dreht zwar an einer richtigen Stellschraube, aber auch an
einer falschen – und zwei wichtige Faktoren erwähnt sie gar nicht erst.
Falsch ist, die Leistungen für die Alleinerziehenden und ihre Kinder
einzuschränken. „Es darf nicht hingenommen werden, dass sie in Armut
leben“, sagte 2017 die damalige Familienministerin Manuela Schwesig, als
schon einmal eine schwarz-rote Koalition den Unterhaltsvorschuss
reformierte. Damals wurde die Leistung ausgeweitet: Statt maximal 6 Jahre
und nur bis zum 12. Geburtstag des Kindes gab es ihn fortan länger. Prien
will das teilweise rückgängig machen, was frei nach ihrer Vorgängerin
zehntausende Betroffene zurück in die Armut treiben wird.
Richtig ist dagegen, auch am anderen Ende anzusetzen. Zu Recht will Prien
damit bei denen beginnen, die Unterhalt zahlen müssten, es aber nicht tun:
Als Sanktion will Prien ihnen zum Beispiel den Führerschein wegnehmen.
Handlungsbedarf gäbe es aber auch bei denen, die zahlen könnten, es aber
nicht müssen: Es gibt [3][zu viele Schlupflöcher], mit denen
Gutverdiener*innen ihre Unterhaltspflicht kleinrechnen können. Und zum
kompletten Bild gehören schließlich noch die Fälle, in denen der Staat
einspringen muss, weil der Unterhaltspflichtige wirklich nicht zahlen kann.
Mieten runter, Mindestlohn hoch: Auch dadurch würde der Staat beim
Unterhaltsvorschuss sparen.
12 Jul 2026
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(DIR) Tobias Schulze
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