# taz.de -- Reaktionen auf den CSD-Anschlag: Hauptsache, die anderen sind schuld
> CDU und Linkspartei zeigen mit dem Finger aufeinander und versuchen, aus
> dem Terror Kapital zu schlagen. Dem Schutz queeren Lebens ist damit nicht
> gedient.
(IMG) Bild: No Fear: Umarmung bei der Trauerkundgebung am Brandenburger Tor in Berlin am 26. Juli
„Realitätsverweigerung“ nennt es Stefan Evers, Spitzenkandidat der Berliner
CDU. Man bringe bei der Linken nicht den Mut auf, Islamismus klar als
Problem zu benennen. „Und wenn wir das schon nicht beim Namen nennen, dann
werden wir es ja auch nicht lösen können, das Problem.“
Nicht wir als Gesellschaft haben die [1][tödliche Gewalt auf dem
Christopher Street Day] in Berlin am vergangenen Samstag also nicht
verhindern können, nicht die Sicherheitsbehörden, die den [2][Täter bis
kurz vor dem Anschlag beobachtet hatten], nicht die Regierungen in Bund und
Land. Angesichts des Leids weckt dieser Reflex fast Verständnis:
Hauptsache, jemand anderes ist schuld. Wenn jemand „das Problem“ nur klar
benennen würde!
Wie immer grenzt der Ruf nach „Klartext“ natürlich an magisches Denken.
Kein einziges Problem wird durch dieses Mantra gelöst. Zudem muss man auch
gar nicht lange suchen, um in Parteiprogrammen und Beschlüssen der Parteien
links von der CDU den Gegenbeweis zu finden: Evers’ Vorwurf wird durch
zahlreiche Forderungen nach dem Schutz vor der realen Bedrohung des
Islamismus, die Ablehnung islamistischer Ideologien und Strukturen,
durchweg vernünftige Maßnahmenvorschläge gegen Radikalisierung und den
politisch-religiösen Terror klar widerlegt.
Ein paar wenige der in Salven abgefeuerten Forderungen aus Reihen der Union
würden dazwischen gar nicht weiter auffallen. Wären hier nicht sogar
Kompromisse möglich? Bestimmt.
Aber auch die Linke in Berlin-Neukölln steigt stattdessen lieber in das
Fingerzeigen ein: kein Wort zu Islamismus [3][in ihrem Statement] zu dem
Anschlag, dafür ein grober Schlag gegen rechts. Auch wenn die [4][Kritik an
Kürzungen etwa bei Bildungs- und Präventionsprogrammen] durch die
CDU-geführten Bundes- und Landesregierungen richtig ist.
Selbst wenn das Erstarken von rechtsextremen Kräften und wachsende
rassistische Diskriminierung dem Islamismus wirklich den Boden bereiten:
Mit der Verbindung von konservativen, rechten, antifeministischen und
islamistisch-fundamentalistischen Gruppen versucht sie, aus dem Anschlag
politisches Kapital zu schlagen – genau wie die CDU.
Gewalt gegen queere Menschen beginne bei „dummen Witzen“ hat Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) in seiner Trauerrede am Sonntag erklärt. Damit hat er
recht. Der Schutz queeren Lebens fängt eben klein an. Nicht erst bei
unsensiblen Äußerungen oder beim [5][Streichen von Förderprogrammen wie dem
Aktionsplan „Queer leben“]. Er fängt an, wenn wir selbst nach diesem Tag
nicht mehr bereit sind, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und zusammenzustehen
gegen den Hass.
28 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Anschlag-auf-den-Berliner-CSD/!6199275
(DIR) [2] /Was-ueber-den-Radikalisierungsweg-des-CSD-Attentaeters-Abdul-B-bekannt-ist/!6199501
(DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DbQmWm8jZxq/?utm_source=ig_embed&ig_rid=AUd7MyPuBqmXPnH286JaBJc
(DIR) [4] /Projekte-fuer-Islamismuspraevention/!6199459
(DIR) [5] /Queerfeindliche-Ministerin-Karin-Prien/!6177089
## AUTOREN
(DIR) Raoul Spada
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