# taz.de -- Eintritt für den Kölner Dom: Siehe, wie andächtig und ruhig es da ist
> Seit Anfang Juli muss, wer in den Kölner Dom hinein will, Eintritt
> zahlen. Diese umstrittene Maßnahme hat mit dem ehrfurchtsvollen Ort etwas
> gemacht.
(IMG) Bild: Auf neuem Weg in den alten Dom
Wussten Sie, dass der Kölner Dom eine Hausnummer hat? Ja, „Domkloster 4“
steht auf einem weiß-blauen Schild neben dem Haupteingang. Ist ja auch
recht und billig: Wenn man da neuerdings schon Eintritt zahlt, will man
wenigstens ein ordentliches Schild vorfinden. Auch die Stadtplaner wollten
sicherstellen, dass man Deutschlands zweitgrößte Kathedrale nicht mit der
Kölner Philharmonie verwechselt oder gar dem Hauptbahnhof.
Letzteres hätte durchaus passieren können, denn wenn täglich die Touristen
einfielen, mit Skateboard, Handy, Hund und Kinderwagen – dann blieb kein
Auge trocken. Da wurde laut palavert, gegessen und getrunken, Kirchenbänke
wurden verrückt und so viele Kaugummis auf die Mosaikböden geklebt, dass
alle zwei Tage grundgereinigt werden musste. Kurzum: Der Dom war ein
marginalisierter Treffpunkt unter vielen geworden, ein Gebäude zum
Hineinstolpern am Wegesrand. Das war kein Gotteshaus mehr, sondern ein
Marktplatz ohne verbindlichen Verhaltenskodex.
## Eine Einladung zur Respektlosigkeit
Selbst während des Gottesdienstes wurde in den Gängen weiter fotografiert
und gelärmt, von Leuten jeden Alters und aus aller Welt. Ein Gebäude, aus
Gastfreundschaft und Nächstenliebe offengehalten, wurde als Einladung zur
Respektlosigkeit missverstanden. Ja, es ist strittig, so etwas zu sagen,
aber das sind nun mal die Erfahrungen einer langjährigen Kölnerin.
Ähnlich laut wie besagter Trubel war das Geschrei, als das Domkapitel
kürzlich bekannt gab, die steigenden Unterhaltskosten ab dem 1. Juli 2026
[1][durch eine Eintrittsgebühr zu decken]. 12 Euro sind es letztlich
geworden – wenig [2][im Vergleich zu den 20 bis 40 Euro], die beim Besuch
anderer Kirchen in Europa fällig werden. Aber Köln schäumte: Katastrophe,
Untergang des Abendlands, ein Stück Heimat gehe verloren, ganz Köln
vereinsamt und muss auf die Psychocouch!
Wobei das mit der Ausgrenzung der „mittellosen betenden Witwe“ zum Beispiel
gar nicht stimmt: Zum Gebet kann man weiterhin kostenlos durch das
Nordportal in einen kleinen, mit hüfthohen Schranken und Seilen
abgetrennten Bereich, von wo man große Teile des Doms sehen kann.
Aber die Debatte ist ja nicht rational. Würde sonst ein Herr etwa an Tag 7
des neuen Eintritts ausgerechnet am kostenlosen Nordeingang sagen, als
Kölner wolle er gefälligst sofort und umsonst rein? Ein anderer beruft sich
auf die Kirchensteuer. Ja, schon, aber fließt die wirklich komplett in den
Erhalt des Kölner Doms?
Wobei die Touristen sich, quasi unterm Radar der ganzen Aufregung, einfach
dreinfügen. Und das geht so: An das Westportal – den Haupteingang – gehen
und dort erfahren, dass man, falls nicht online gebucht, ein Ticket
braucht. Einmal 150 Meter quer über die Domplatte laufen zum Kurienhaus.
Dort ein Ticket kaufen und zurück in die Schlange vorm Westportal. Dauert
gar nicht lange, dann ist man durch.
Und siehe da: Wie andächtig und ruhig es da drin zugeht! Menschen
schlendern durch die Gänge, bleiben vor Schnitzaltären, Fresken, Fenstern,
dem Schrein mit den (angeblichen) [3][Gebeinen der Heiligen Drei Könige]
stehen. Sie schauen und staunen. Würdigen, was sie sehen – ob nun der Kunst
oder des Glaubens wegen.
## Andacht und Demut im Haus
Andacht und Demut liegen in der Luft, und das Absurde ist passiert:
Ausgerechnet der viel gescholtene „Kommerz“ hat bewirkt, dass der Kölner
Dom wieder zum Gotteshaus wurde.
Die Erklärung ist einfach: Wer es bis hierhin geschafft hat – von der
Wanderung zum Ticketschalter bis zur 12-Euro-Investition –, der will das
wirklich. Der hat das beschlossen, dem ist es der Mühe wert, der schlappt
da nicht mal eben rein.
Die kluge Besuchersteuerung tut ein Übriges: Maximal 18.000 Tickets sollen
pro Tag verkauft werden – ein Klacks gegen die fast 40.000 Besucher
täglich, die bisher beim freien Eintritt durch den Dom wuselten. Weniger
Menschen heißt auch: spürbar mehr Platz, kein Gedränge, mehr Muße zum
Verweilen. Die 1248 begonnene und nach 300-jähriger Pause 1880
fertiggestellte Kathedrale hat ihre Würde zurückbekommen. Sie strahlt etwas
aus, statt vom Trubel übertönt zu werden.
Und wenn auch das Hauptargument für den Eintritt jene 44.000 Euro waren,
die der Erhalt dieses Weltkulturerbes täglich kostet: Eine angenehmer
Nebeneffekt ist diese Ruhe für Mensch und Bau zweifellos.
Und was den viel beschworenen Lokalpatriotismus betrifft: Nein, der Kölner
verliert seinen identitätstiftenden Dom nicht. Er gewinnt ihn vielmehr
zurück, getreu dem Motto: Nur was kostet, ist etwas wert.
Und mal ehrlich: Der Dom war all die Jahre umsonst für uns da, hat uns wie
selbstverständlich seine Schönheit gegeben. Jetzt sind wir dran.
27 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Koelner-Dom/!6161447
(DIR) [2] /Venedig-will-50-Euro-Eintritt/!6189067
(DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Dreik%C3%B6nigenschrein
## AUTOREN
(DIR) Petra Schellen
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