# taz.de -- Trümmerberg in Berlin: Ein Monument des Schreckens
       
       > Der Teufelsberg im Grunewald ist nicht wirklich hoch und eigentlich mehr
       > Hügel. Dafür ist er ungemein geschichtsträchtig, mit einer Menge
       > Weltkriegstrümmer.
       
 (IMG) Bild: Die Spuren des Schreckens verbergen sich im Inneren des Teufelsbergs
       
       Wenn man von unten vom Parkplatz aus hochschaut, sieht man den Himmel. Dass
       da aber ein Berg sein soll, sieht man von hier aus noch nicht. Er versteckt
       sich gut hinter dem dichten Grün der Bäume, der Teufelsberg im Grunewald.
       Dabei hat er doch an Höhe vergleichsweise eine Menge zu bieten: [1][Nach
       den Arkenbergen] ist er die zweithöchste Erhebung des Berliner
       Stadtgebiets.
       
       Da soll es jetzt also hochgehen, und gut, dass an diesem Tag der Himmel
       wolkenbedeckt ist. Gut für den Aufstieg, weil man so an diesem heißen Tag
       nicht gleich bereits vor den ersten Schritten ins Schwitzen gekommen ist.
       Tritt für Tritt geht es voran, bedächtig den Weg suchend, vorbei an den
       Bäumen, dem Gestrüpp, wild wuchernd, triumphierendes Grün. Bereitwillig
       lässt man andere Wanderer, etwas schneller schreitend, an sich vorbei … und
       ist dann auch schon nach wenigen Minuten auf der Serpentinenstraße oben
       angekommen.
       
       So schnell ist es gegangen, dass man da beim Aufstieg trotz der Hitze des
       Tages gar nicht wirklich ins Schwitzen kommen konnte.
       
       ## Keine Grate hier und kein Überhang
       
       Aber er ist halt auch nicht wirklich hoch, der Teufelsberg. Es gibt da oben
       keine Grate, keinen Überhang. Sogar „Berg“ würden ihn manche nicht nennen
       wollen, wenn sie an der Faustregel festhalten, dass es für so eine Erhebung
       schon mindestens 300 Meter sein sollten. Dieser Hügel da im Grunewald kommt
       gerade mal auf 120 Meter.
       
       Statt auf der Straße kommt man auch auf anderen Wegen hoch. Trampelpfade
       führen durch den Wald, Menschen sind mit Wanderstöcken unterwegs, andere
       joggen oder mühen sich mit dem Mountainbike nach oben, alles je nach Gusto
       und nach Puste.
       
       Von oben hat man dann einen hübschen Blick auf die Stadt, rüber etwa zum
       nahen Olympiastadion, und geschichtsträchtig ist der Teufelsberg sowieso.
       [2][Sogar eine Sprungschanze hat es mal gegeben] und im Winter 1986 traf
       sich die damalige Skiprominenz [3][bei einem hier ausgetragenen
       Parallelslalom], es waren Fahrer dabei wie Markus Wasmeier oder Ingemar
       Stenmark. Gewonnen hat dann mit dem Österreicher Leonhard Stock auch ein
       Olympiasieger.
       
       Augenfällige Spuren der Geschichte am Berg zeigen sich auch mit der
       ehemaligen Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen
       Streitkräfte obenauf, einem noch bis 1999 genutzten Bau, der mit seinen
       markanten Kuppeln [4][seither passend zu seinem Lost-Places-Flair
       verfällt]. Ein Relikt des Kalten Krieges, das man aber gern einmal links
       liegen lassen mag (zumal für die Besichtigung Eintritt verlangt wird), denn
       das wirklich Spektakuläre des Teufelsbergs ist gar nicht zu sehen – weil da
       mit dem ganzen Grün das sprichwörtliche Gras über die Sache gewachsen ist.
       
       So lange ist das noch nicht her, erdgeschichtlich ist der Teufelsberg
       allerjüngsten Datums. Er hat nicht diese Hunderte Millionen Jahre wie die
       längst wieder schön rund geschmirgelten deutschen Mittelgebirge auf dem
       Buckel. Selbst die dagegen geradezu jugendlichen Alpen falteten sich vor 50
       Millionen Jahren im Tertiär so beeindruckend schroff in die Höhe. Der
       Teufelsberg dagegen ist absolut Anthropozän. Er ist ein aufgeschütteter
       Trümmerberg, also menschengemacht.
       
       Seinen Namen trägt er nach dem nahe gelegenen Teufelssee. Möglicherweise
       ist aber damit gemeint, dass man es hier mit dem „Berg des Teufels“ zu
       schaffen hat, als Hinweis, wieso überhaupt diese Trümmer aufzuschichten
       waren.
       
       Weil ganz unten, sozusagen als Grundstein, liegen da eben die Trümmer der
       Wehrtechnischen Fakultät, und die sollte ein wichtiger Bauteil der
       Weltherrschaft der Nazis sein mit Berlin als der Welthauptstadt – das war
       der irre Allmachtstraum, der sich für Deutschland glücklicherweise nicht
       erfüllte.
       
       ## Die Trümmer so vieler Ruinen
       
       Dafür brauchte es aber auch einen langen Weltkrieg, an dessen Ende der
       Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät gesprengt wurde. Deren Reste wurden
       dann ab 1950 mit den Trümmern der Kriegsruinen überschüttet, davon gab es
       in der Stadt ja genug. 22 Jahre lang fuhren bis zu 800 Lastzüge täglich
       raus in den Grunewald, bis 1972 wurden dabei insgesamt 26 Millionen
       Kubikmeter Trümmerschutt abgeladen. Ein ganzer Teufelsberg eben. Er
       entspricht einem Drittel aller Trümmer der zerbombten Häuser Berlins.
       
       Wirklich ein Berg voller Geschichte.
       
       Auch an diesem Tag sind auf dem Teufelsberg die Rennradfahrer unterwegs.
       Die Serpentinenstraße ist für sie eine prima Trainingsstrecke. Forsch
       strampeln sie hoch, über den Lenker geduckt geht es retour runter, locker
       die Kurve nehmend, ganz rasant. Unten angekommen wird gleich umgedreht.
       Wieder geht es hoch. Und runter. Hoch. Runter …
       
       So kommt man bei der Bewältigung der ganzen Geschichte hier doch etwas ins
       Schwitzen.
       
       9 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Arkenberge
 (DIR) [2] https://www.berlin-mauer.de/videos/skifahren-auf-dem-teufelsberg-558/
 (DIR) [3] https://www.teufelsberg-berlin.de/der-vergessene-wintertraum-das-ski-weltcuprennen-am-teufelsberg/
 (DIR) [4] /Ehemalige-Abhoerstation-in-Berlin/!5343064
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Thomas Mauch
       
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