# taz.de -- Donald Trump beim Nato-Gipfel: Wenn der Tyrann von Liebe spricht
> Erst polterte der US-Präsident, dann spürte er "love in the air". Das
> Machtgefälle beim Nato-Gipfel offenbart sich beim Drohen und
> Schulterklopfen.
(IMG) Bild: Ob Trump überhaupt weiß, was LOVE bedeutet?
Mit der Liebe ist das ja so eine Sache. Es gibt viele Spielarten dieses
Gefühls: die erhoffte Liebe, die verbotene Liebe, die ungewollte, die
überschwängliche oder die entzogene Liebe. Und eigentlich vermeidet man
gerade in der Welt der Diplomat:innen dieses doch sehr komplexe
Herzenskonstrukt. Aber in Zeiten, in denen ein unberechenbarer, zuweilen
jähzorniger Mann im Weißen Haus sitzt, gelten andere Regeln. Die volle
Ladung Trump-Liebe konnte man in dieser Woche [1][beim Nato-Gipfel in
Ankara] spüren.
Der US-Präsident fühlte eine „gewaltige Liebe“ seitens der europäischen
Nato-Mitglieder. Hatte er nicht wenige Stunden zuvor ebendiesen Mitgliedern
vorgeworfen, die USA im Stich zu lassen, sie zu wenig zu unterstützen in
der Verteidigung vor allem in der Straße von Hormus und in seinem
erbitterten Krieg gegen Iran. Er polterte und schimpfte. [2][Spanien
bezeichnete er gar als „schrecklichen Partner“,] mit dem die USA keinen
Handel mehr betreiben würden. Also die kapitalistische Androhung eines
Liebesentzugs.
Und dann? „Es war ein großartiges Treffen, es gab viel Liebe in diesem
Raum, eine Menge Verbundenheit“, sagte Trump nach einem gemeinsamen Treffen
mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Keinesfalls war damit
nur der Mann im Krieg gegen den Kreml gemeint, sondern auch die anderen
Staaten des Militärbündnisses. Offenbar herrscht hier ein Gefühlschaos,
oder es handelt sich um eine nicht erklärbare Strategie zwischen dem, was
Trump öffentlich sagt, und dem, was in den Sitzungen passiert.
Und diejenigen, die es mit dem US-Präsidenten zu tun haben, versuchen mit
Schleimoffensiven (Nato-Generalsekretär Mark Rutte), mit Fußballtrikots
(Kanzler Friedrich Merz) oder autokratischem Männergehabe (Gipfelgastgeber
[3][Präsident Recep Tayyip Erdoğan]) sich die Liebe Trumps zu verdienen. Ob
diese Strategien fruchten, ist in der Regel offen. Aber was wäre ein
Liebesbeweis ohne Risiko? Genau, der Mühen nicht wert.
## In den Hinterzimmern
Einer, der bisher zumindest viel Liebe erfährt, ist Selenskyj. Bei allen
Gipfeln, auf denen er auftaucht, wird er umarmt, geherzt, ihm wird
anerkennend auf die Schulter geklopft. Viel Freundlichkeit, bevor es dann
in den Hinterzimmern um Drohnenabkommen, die Lieferung von
Luftabwehrsystemen oder die Zukunft der Ukraine in Europa geht. Dass diese
Liebe bittere Grenzen hat, spiegelt sich auch im Abschlussdokument des
Nato-Gipfels wider. Der Satz: „Die Zukunft der Ukraine ist in der Nato“,
kommt gar nicht mehr vor, anders als noch vor zwei Jahren.
Diese ungestüme Liebe in der Diplomatie sorgt für ein gefährliches
Machtgefälle. Aber an der Liebe kann man ja arbeiten. Gerade in diesen
Zeiten.
10 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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