# taz.de -- Nato-Gipfel in Ankara: Ein Häppchen für Selenskyj
> Viel fällt für den ukrainischen Präsidenten beim Nato-Gipfel nicht ab.
> Immerhin darf er jetzt die dringend gebrauchten Patriot-Abwehrsysteme
> bauen.
(IMG) Bild: Trump trifft Selenskyj beim Nato-Gipfel am 8. Juli 2026
US-Präsident Donald Trump will der Ukraine die Lizenz zum Bau von
Patriot-Abwehrraketen erteilen. Das ist nicht viel mehr als ein
Trosthäppchen für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum
[1][Ende des Nato-Gipfels in Ankara]. Die Nachricht kommt überraschend –
nach all dem öffentlichen Theater, mit dem Trump in den vergangenen zwei
Tagen von der Hauptsorge der europäischen Verbündeten, dem anhaltenden
[2][Krieg in der Ukraine], ablenken wollte.
Und wie so oft viel zu spät. Die Ukraine kann die schwersten russischen
Raketenangriffe seit Beginn der Vollinvasion auf ihre Hauptstadt nicht mehr
abwehren. Selenskyj machte wiederholt klar, dass die Abwehr von Drohnen
nach eigenen Angaben zwar gut funktioniere, sie aber an der Abwehr von
ebenjenen ballistischen Raketen scheiterten. Zukünftig wird die Ukraine mit
den europäischen Patriot-Abwehrsystemen und den eigens produzierten Raketen
besser aufgestellt sein. An der akuten Bedrohungslage ändert das indes
nichts.
Auf dem Nato-Gipfel zeigte sich auch in diesem Jahr das bereits bekannte
Narrativ, die Nato-Mitglieder betonen ihre „unerschütterliche
Unterstützung“ und können auch anerkennen, dass die Ukraine mittlerweile
eine der wehrfähigsten Armeen Europas besitzt. Fleißig wurden
Drohnenabkommen mit der Ukraine abgeschlossen. Eine Initiative, die
insbesondere die Nachbarstaaten Russlands vorantreiben.
Für mehr reicht es am Ende jedoch nicht. Der Satz, dass die „Zukunft der
Ukraine in der Nato“ läge, 2024 noch Teil der Abschlusserklärung, fehlte
schon im vergangenen Jahr. Das ist zumindest ehrlich, denn es spiegelt die
Stimmung der Nato-Mitglieder wider.
Klar war, dass die Nato auch schon 2024 die Ukraine nicht als aktive
Kriegspartei aufnehmen konnte, aber wenigstens den Weg für eine
Mitgliedschaft zu Friedenszeiten in Aussicht gestellt hat. Das nun wieder
zurückzunehmen, lässt an der Stärke des Bündnisses zweifeln und spielt
besonders einem in die Karten – dem [3][russischen Machthaber Wladimir
Putin]. Passenderweise ist das nächste Telefonat, so man Trump glauben
darf, bereits geplant.
8 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anastasia Zejneli
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