# taz.de -- Natogipfel, Rote Karte und Haushaltsplan: Hoffnungen tragen keine Fußfesseln
       
       > Ikkimel beim ZDF freut nicht alle, genauso wenig Trumps Gepolter bei Fifa
       > und Nato. Le Pen will trotz Fußfessel regieren und bei Ford kann KI doch
       > nicht alles.
       
 (IMG) Bild: Ikkimel im „Morgenmagazin“: Aufgabe und Mittel von Popmusik ist, Grenzen zwischen den Generationen zu ziehen
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Trump beendet „Waffenstillstand“ mit Iran.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Bestes Argument gegen seine Forderungen nach Hilfe.
       
       taz: Ikkimel war beim Moma zu Gast, Clips des Auftritts gingen im Netz
       viral. Haben Sie auch einen davon gesehen? 
       
       Küppersbusch: Klar, das war so unausweichlich wie der sterbende Wal in der
       Ostsee, roch aber besser. Aufgabe und Mittel von Popmusik ist, Grenzen
       zwischen den Generationen zu ziehen, seit ungefähr der Frise der
       „Pilzköpfe“. Und, dies getan, dass man einander dann blöd, peinlich,
       cringe, unanständig finden kann. So war dieser Act nicht der GAU weder des
       Moma noch Ikkimels, sondern ihr Zweck.
       
       taz: Der [1][Nato-Gipfel in Ankara ist vorbei und mit ihm auch der Auftritt
       von Poltergeist Donald Trump]. Was wurde dort erreicht? 
       
       Küppersbusch: Deutscher Aspekt: Präsident Biden hatte Kanzler Scholz 2024
       einseitig die Stationierung von Mittelstreckenraketen und
       „Hyperschallwaffen“ in Deutschland aufgedrückt. Trump zog das zurück, und
       nun kauft Kanzler Merz genau diese „Tomahawks“ und „SM-6“ unter
       Geheimhaltung von Zahl und Preis. Spannend bleibt, welche Mitsprache sich
       die USA beim Einsatz vorbehalten und ob Russland seine Gegendrohungen wahr
       macht. Und was Merz damit über das „European Long-Range Strike
       Approach“-Programm „ELSA“ sagt, das exakt diese Waffen in eigener Regie
       herstellen soll. „Wir befreien uns aus der Abhängigkeit, indem wir uns in
       neue Abhängigkeit begeben“, ungefähr.
       
       taz: Das war natürlich nicht die einzige Schlagzeile um Trump: Nachdem ein
       US-Fußballspieler mit einer Roten Karte gesperrt wurde, [2][rief der
       Präsident kurzerhand den Fifa-Boss an und ließ sie zurücknehmen]. Ist das
       überraschend? 
       
       Küppersbusch: Im Trumpismus ist ein Ereignis so viel wert, wie Trump drin
       vorkommt. Korruption ist da Mittel wie Botschaft, wobei ich auch den
       Vorschlag begrüßt hätte, zwischen Gelber und Roter Karte eine Fußfessel zu
       installieren. Apropos!
       
       taz: Trotz Verurteilung und drohender Fußfessel hält Marine Le Pen an ihrer
       Kandidatur fest. Sie setzt darauf, dass die Wähler*innen ihr trotzdem
       Stimmen geben. Versagt hier die Justiz? 
       
       Küppersbusch: Diese seltsam anmutende Kaskade von Hausarrest, Haftstrafe,
       Fußfessel und Amtsverbot und dann aber doch – öffnet die Option, dass sich
       der RN zerlegt zwischen der großen Märtyrerin Le Pen und dem vermeintlich
       populäreren Parteichef Bardella. Hoffnungen tragen keine Fußfesseln
       (französischer Lyrikpreis 2027).
       
       taz: Von allen Seiten werden die Haushaltspläne der Regierung für 2027
       kritisiert. Wird hier mal wieder an den falschen Enden gespart? 
       
       Küppersbusch: Es sind 33 Maßnahmen bei der Altersvorsorge, 34 beim
       „Reformpaket“, dazu ein Flauschbausch Maßnahmen bei der Gesundheitsreform
       und eher Säbel als Skalpell im aktuellen Haushalt. Da kann man, vermutlich
       besonders gut mit Sozialdemokraten, darüber streiten, ob das irgendwie
       ausgewogen oder fair ist. Machen wir es kurz: Keine – in Worten: keine –
       aller Maßnahmen greift das Vermögen Besitzender an oder Rüstungsausgaben.
       Ende der Debatte.
       
       taz: In der Reality-Show „Bad Boyfriends“ wurde beiläufig ein Femizid
       angesprochen, da einer der Teilnehmer intime Fotos einer getöteten Frau auf
       seinem Handy hatte. Wie hätte RTL hier besser reagieren können?
       
       Küppersbusch: Kann mir vorstellen, dass das als ein Tropfen Reality
       verstanden wurde in einem Meer von Surreality, die diese Shows tatsächlich
       sind. So ein Gefühl von „kritischen Themen nicht ausweichen“, was die
       Möglichkeiten solcher Formate unrettbar falsch einschätzt. Ein Schnitt
       hätte gut getan.
       
       taz: Der Autobauer Ford hat Hunderte Ingenieure zurückgeholt, weil die KI
       sie nicht ersetzen konnte. Kann der Mensch also doch etwas, das der
       Maschine nicht gelingt?
       
       Küppersbusch: Lügen. Die KI macht ihre Fehler absichtslos. Sie kann nicht
       lügen, weil sie es nicht besser weiß. Dagegen muss man schon Ford-Chef Jim
       Farley sein, um die gern verbreitete „Graue Bärte statt KI“- Geschichte so
       zu würzen: Es gehe um „perfekt gebaute Fords, nicht okay gebaute Toyotas“,
       also Autos, „die amerikanische Arbeiter in Amerika bauen“. Untergerührt
       wird noch ein Aufstieg Fords in irgendeiner US-Pannenstatistik, und fertig
       ist ein solider Lungenzug Auspuffgas, das als Duftbäumchen vaterländischer
       Redlichkeit vom Innenspiegel baumelt. Was KI nun in der Autoindustrie kann,
       nicht kann und warum Ford nach Herzenslust gerade ältere MitarbeiterInnen
       heuert und feuert, frage ich lieber die KI.
       
       taz: Und was macht der RWE?
       
       Küppersbusch: 5:1 gegen den zwei Klassen tiefer spielenden Ortsrivalen
       Schwarz-Weiß Essen. Die sitzen im Süden der Stadt, wo das Ruhrgebiet seine
       Reichen getrennt sortiert. Kleiner Trost. Fragen: Selina Hellfritsch
       
       12 Jul 2026
       
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