# taz.de -- Kunstkollektiv Kunzten in Berlin: Sie winden sich wie Würmer
       
       > Junge Kunst an der Spree: Bis Ende der Woche noch kann man in Berlin eine
       > Ausstellung des Kollektivs „Kunzten“ am Flutgraben anschauen.
       
 (IMG) Bild: Blick in die Ausstellung „Echoes“
       
       Draußen, direkt vor der [1][Kunstfabrik am Flutgraben, fließt die Spree]
       vor sich hin, umspült von einer Suppe aus Musik von den umliegenden Clubs.
       Drinnen, in den lichtdurchfluteten Räumen, die [2][das Kollektiv Kunzten
       gerade bespielt], befasst sich Rebekka Benzenberg in „driving blind“ unter
       anderem mit der Objektifizierung des weiblichen Körpers. Und sie zeigt auf,
       was in der heutigen Social-Media- und der übrigen Welt (leider) noch immer
       Realität ist. Das Werk hat sie mithilfe eines Feuerzeugs erschaffen. Eine
       Technik, die Sprayer auf Clubtoiletten oft benutzen. Ob sich ihre Bilder
       dadurch ins Gedächtnis brennen sollen? Oder sie die alten Bilder von
       Weiblichkeit verbrennen will? Es bleibt unklar.
       
       Klar ist hingegen, dass die von Leopold Schaefer und Louis Bortt
       kuratierten Kunstwerke in der Ausstellung „Echoes“ entweder sehr ästhetisch
       oder interessant im sehr positiven Sinn oder beides zugleich sind. In beide
       Kategorien fallen etwa die schwarzen Keramikobjekte von Neda Aydin die sich
       inmitten des Raumes wie Würmer (oder wie Badenudeln?) um das gleichfarbige
       Stahlgestell winden. Dabei entsteht ein Tanz zwischen fragilen, weichen und
       festen Materialien.
       
       Schaefer und Bortt bilden gemeinsam mit Maximilian Schaefer das Kollektiv
       Kunzten. Seit 2019 fördert die Plattform junge Kunst, zum Beispiel in
       Ausstellungen wie aktuell in „Echoes“. Angucken lässt sich dort auch ein
       sich windender Cyborg von Minu Park in einem Brutkasten (irgendwo zwischen
       Alien und Embryo und zwischen Deutschland und Korea – dorthin schickte die
       Künstlerin das Werk, damit die Mutter es bestickte), oder ein Film von
       Jonas Höschl über das versteigerte künstlerische Hab und Gut von Gloria von
       Thurn und Taxis. Die These des Künstlers: Nach ihrem Abdriften ins
       rechtsextreme Milieu musste sie die Kunst, die nicht mehr in ihr Weltbild
       passte, loswerden. Dass sich damit spannende Kunst machen lässt, zeigt der
       Film.
       
       Kritische Auseinandersetzungen mit Körperdarstellungen finden sich auch bei
       Felix Giesen. Hier begegnet man männlichen Körpern, genauer seinem eigenen,
       in zigfacher Wiederholung. In eigens trainierter KI skalierte er Bilder von
       sich mit „70, 80, oder 90% Männlichkeit“ hoch. Und kombinierte diese mit
       Malerei und Fotografien von Burschenschaftstreffen, in die er sich zuvor
       eingeschleust hatte. Entstanden sind bunte Bilder, mit deren Begutachtung
       man viel Zeit verbringen kann.
       
       Und gemäß dem Titel der Ausstellung „Echoes“, der auf das Nachhallen von
       Bildern über Jahrhunderte hinweg hinweist, hallen auch die Kunstwerke nach
       dem Verlassen des Backsteingebäudes nach, eingebrannt oder sich windend wie
       Cyborgs.
       
       10 Jul 2026
       
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