# taz.de -- Macron in Syrien: Strategischer Weitblick
       
       > Als erster europäischer Staatschef besucht Macron Damaskus. Er hat
       > erkannt, dass das „neue Syrien“ der natürliche Partner für Europa ist.
       
 (IMG) Bild: Der französische Präsident Macron (links) und der syrische Präsident al-Sharaa bei ihrem Treffen am 7. Juli 2026 in Damaskus
       
       Der Sturz der Assad-Diktatur in Syrien ist schon neunzehn Monate her, aber
       erst jetzt findet ein Staatschef aus Europa den Weg nach Damaskus.
       [1][Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat mit seinem Besuch in Syrien]
       auf dem Weg zum Nato-Gipfel in der Türkei und seinem Bekenntnis zu einer
       „strategischen Partnerschaft“ zwischen beiden Ländern nicht nur dem
       syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa den Rücken gestärkt. Er hat auch
       etwas erkennen lassen, was die vielen europäischen Kritiker Scharaas, auch
       in Deutschland, vermissen lassen: strategischen Weitblick.
       
       Ein stabiles Syrien aufzubauen, ist eine immense Zukunftsaufgabe, an der
       auch Europa ein Interesse hat. Nachdem die Diktatur Assads, die gegen das
       eigene Land Krieg führte, Syrien verwüstet und seinen Menschen
       unermessliches Leid zugefügt hat, ist die Aufgabe der neuen Machthaber ohne
       äußere Unterstützung kaum leistbar. Die Rebellen um al-Scharaa, die Assad
       im Dezember 2024 zu Fall brachten und sich zu ihrer eigenen Überraschung
       plötzlich an der Spitze eines kollabierten Staates wiederfanden, müssen
       alles auf einmal machen: einen funktionierenden Staat aufbauen,
       Assad-Nostalgiker und auswärtige Störer wie Iran oder Israel fernhalten und
       eine tief zerrissene Gesellschaft wieder versöhnen.
       
       Für Europa, das sich mit der Abwehr eines imperialistischen Russlands
       beschäftigen muss, ist das neue Syrien der natürliche Partner. Syrien und
       die Ukraine, der südliche und der nördliche Nachbar der Türkei, haben beide
       auf unterschiedliche Weise dem russischen Staatsterror die Stirn geboten
       und ihre Unabhängigkeit verteidigt. Als Verbündete könnten Syrien, die
       Ukraine und die Türkei ihre Kräfte bündeln und auch für Europa ein
       Schutzschild sein. Und wenn tatsächlich im Laufe der Jahre – schneller geht
       es nicht – ein neues demokratisches Syrien entsteht, wäre es ein Vorbild im
       Nahen Osten. [2][Macron hat diese Chance erkannt]. Hoffentlich bleibt er
       nicht der Einzige.
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/syrien-explosionen-macron-100.html
 (DIR) [2] /Macron-auf-Staatsbesuch-in-Syrien/!6194057
       
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 (DIR) Dominic Johnson
       
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