# taz.de -- Gedenken an Nizza-Attentat: Feier- und Trauertag in einem
       
       > In Frankreich werden im Andenken an die Opfer des Attentats von Nizza
       > 2016 einige Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag auf den Vorabend
       > verschoben.
       
 (IMG) Bild: Angehörige von Opfern, die beim Anschlag am 14. Juli 2016 ums Leben kamen, nehmen an einem Gedenkmarsch in Nizza teil
       
       [1][Der 14. Juli ist Frankreichs Nationalfeiertag] im stolzen Gedenken an
       die Erstürmung der Bastille. Doch seit zehn Jahren wird das Datum von einem
       anderen Ereignis überschattet. Denn die Feierlichkeiten von 2016 an der
       Promenade des Anglais in Nizza wurden zum Anlass und dramatischen
       Schauplatz eines der blutigsten Terroranschläge in Frankreich.
       
       Nur ein paar Monate nach der Serie von Angriffen auf den
       Bataclan-Konzertsaal, auf ein Stadion und die Terrassen mehrerer Lokale in
       Paris im November 2015 tötete ein Terrorist im Alleingang 86 Menschen,
       indem er mit einem Laster im Zickzackkurs wahllos Leute auf dieser
       Uferpromenade überfuhr. Hunderte andere, die an diesem Abend gekommen
       waren, um das Feuerwerk anzuschauen und zu feiern, wurden verletzt. Die
       angeblichen, aber konfusen religiös-politischen Motive des als
       verhaltensgestört beschriebenen Täters, der von der Polizei gestoppt und
       erschossen wurde, bleiben bis heute unklar.
       
       [2][Die Justiz hat 2022 in einem Prozess acht Helfer des Terroristen, die
       in unterschiedlicher Weise zur Organisation und Vorbereitung des Anschlags
       beigetragen hatten, verurteilt]. Die Persönlichkeit des in Nizza wohnhaften
       Tunesiers blieb aber ebenso unverständlich wie seine Motivation, Leute
       verschiedenster Herkunft, die ihm nichts zuleide getan hatten, vorsätzlich
       totzufahren und so einen terroristischen Massenmord zu verüben.
       
       Mohamed L. war kein praktizierender oder frommer Muslim. Laut Bekannten
       trank er Alkohol und aß Schweinefleisch und ging so gut wie nie in die
       Moschee. Er war Vater von drei Kindern und ein gewalttätiger Gatte. Seine
       Frau hatte die Scheidung verlangt. Laut Angaben seines Vaters litt er an
       Depressionen, für die ihm Ärzte Medikamente verschrieben hatten. Das alles
       aber konnte doch kein Grund sein, Dutzende von Menschen umzubringen.
       
       ## Aus Respekt vor Opfern Feierlichkeiten verschoben
       
       Zehn Jahre danach sollen die Französinnen und Franzosen, die längst wieder
       zur Tagesordnung zurückgekehrt waren und sich um andere Dinge und Tragödien
       sorgen, an diesen blutigen Tag in Nizza erinnert werden. Dieses Attentat
       hat nicht nur die Bevölkerung an der Côte d’Azur, sondern das ganze Land so
       sehr schockiert, dass der zehnte Jahrestag nicht einfach wie sonst üblich
       im Festtrubel und -jubel, dem Feuerwerk und den traditionellen Tanzanlässen
       in den Feuerwehrkasernen verdrängt werden konnte.
       
       Aus Respekt vor den Opfern und ihren Familien wurden viele Ereignisse
       entweder annulliert oder auf den Vortag verschoben. Ein anderer Grund, vor
       allem Feuerwerkanlässe in vielen Orten abzusagen, sind auch die
       gegenwärtigen dramatischen Waldbrände und die Hitzewelle in weiten
       Landesteilen.
       
       An der traditionellen Truppenparade des 14. Juli aber hielt Staatspräsident
       Emmanuel Macron Fest. [3][Es ist die letzte seiner zweiten Amtszeit.] Er
       empfängt dazu den gleichaltrigen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr
       Selenskyj. Eine kleine Einheit ukrainischer Militärangehöriger ist
       ebenfalls zur Teilnahme an der Parade eingeladen. Bei dem patriotischen
       Feiertag gibt es in diesem Jahr also gleich mehrere Nebenklänge mit
       symbolträchtiger Bedeutung.
       
       14 Jul 2026
       
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