# taz.de -- Lehrer muss sein T-Shirt zu Hause lassen: Schulen sind keine neutralen Orte
> Die Bremer Schulaufsichtsbehörde verbietet einem Lehrer, ein
> Seenotrettungsshirt zu tragen. Es folgt ein Maulkorb für das Kollegium.
> So geht es nicht.
(IMG) Bild: Sind Schulen neutrale Orte oder nicht? Dieses Shirt könnte dem Bremer Bildungssenator gefallen, zumindest die Rückseite
Jemand hatte das T-Shirt des Lehrers gesehen und Anstoß daran genommen: ein
stilisiertes Schiff, in Schwarz und Rot auf weißem Grund –
„Antifaschistische Seenotrettung“ stand drauf. Laut der
Lehrer*innengewerkschaft GEW hatte sich „eine schulfremde Person“
darüber bei der [1][Bremer Förderschule Paul Goldschmidt] beschwert. Dem
Lehrer wurde verboten, sein T-Shirt weiter in der Schule zu tragen.
Die Bremer Schulaufsichtsbehörde verfasste ein Schreiben zu dem Fall: Das
Personal solle während der Dienstzeit überhaupt „keine Kleidungsstücke mit
politischen Botschaften oder Slogans“ tragen, zumindest keine, die
„geeignet sind, im schulischen Umfeld Kontroversen auszulösen oder den
Schulfrieden zu beeinträchtigen“. Schließlich gebe es ein
[2][Neutralitätsgebot an Schulen].
Der Rektor zitierte das Schreiben der Schulaufsicht auf einer
Gesamtkonferenz und untersagte dem Kollegium danach die weitere Diskussion
über das Thema, [3][wie die GEW schreibt]. Nicht, dass da noch jemand im
schulischen Umfeld Kontroversen auslöst.
Tatsächlich heißt es in Paragraf 59 des Bremischen Schulgesetzes: „Die
öffentlichen Schulen haben religiöse und weltanschauliche Neutralität zu
wahren.“ Und: Auch das äußere Erscheinungsbild der Lehrkräfte dürfe nicht
geeignet sein, die religiösen und weltanschaulichen Empfindungen der
Schüler*innen oder Erziehungsberechtigten zu stören. In Wirklichkeit ist
alles, wie immer, komplizierter.
## GEW fordert, Diskussionsverbot aufzuheben
„Äußerst irritierend“ findet die GEW den Vorfall; schließlich solle Schule
doch nach Landesverfassung und Bremer Schulgesetz dazu erziehen,
„politische und soziale Verantwortung zu übernehmen sowie kritische
Solidarität zu üben“, schreibt die Lehrer*innengewerkschaft. Sie fordert
die Schulleitung auf, das Diskussionsverbot für das Kollegium
zurückzunehmen – sowie die Sache mit dem Neutralitätsgebot noch mal
klarzustellen.
Als Bildungssenator Mark Rackles (SPD) um ein Statement dazu gebeten wird,
erwähnt er das Neutralitätsgebot nicht, die Entscheidung des Schulleiters
und seiner Schulaufsicht verteidigt er inhaltlich trotzdem. „Die Tatsache,
dass Lehrkräfte nicht neutral sein sollen, bedeutet keinesfalls, dass sie
einen Freibrief für jede Form der politischen Manifestation im Schulbereich
haben“, schreibt der Senator.
Schließlich sei ein Slogan auf einem Shirt nicht mit einer Debatte im
Unterricht gleichzusetzen. Der Senator bezieht sich auf den
[4][Beutelsbacher Konsens]: Der kennt nämlich auch noch das
„Überwältigungsverbot“: Schüler*innen dürfen von Lehrer*innen nicht
politisch überrumpelt werden.
Eine demonstrative politische Botschaft auf einem T-Shirt biete nicht den
geforderten Raum für Diskurs, sondern sei eher eine Form der Indoktrination
durch den Lehrer, findet Rackles. In dem Spruch auf dem beanstandeten Shirt
schwinge die Aussage mit, dass die EU-Politik faschistisch sei, „was in der
Einordnung mehr als zweifelhaft ist“, wird der Senator im Weser-Kurier
zitiert.
Auf dem T-Shirt steht aber bloß „Antifaschistische Seenotrettung“, sonst
nix. Allenfalls kann man aus den zwei Wörtern schließen, dass es wohl
mehrere Seenotrettungen gibt, und dass mindestens eine davon
antifaschistisch ist. Vielleicht kann man im Kontext des T-Shirts noch den
heuristischen Schluss ziehen, dass der Träger die „antifaschistische
Seenotrettung“ nun irgendwie gut findet. Aber: Das war’s dann auch.
Die Assoziation einer faschistischen EU entsteht in Rackles’ Kopf, und das
natürlich nicht ganz ohne Kontext und Grund. Dem hübschen Shirt kann man
die traurige Weltlage aber nicht anlasten.
„Die Debatte wäre vermutlich im Kollegium eine andere, wenn
rechtspopulistische oder rechtsextremistische Sprüche zur Schau getragen
würden“, sagte Rackles noch zum Weser-Kurier. Und zwar aus ziemlich guten
Gründen, so könnte man ergänzen. Wir können das ja mal auf dem Schulhof
ausdiskutieren – wenn es der Schulfrieden denn erlaubt.
Anmerkung der Redaktion: Wir hatten zunächst geschrieben, dass der Rektor
der Schule dem Lehrer verboten hatte, das „Antifaschistische
Seenotrettung“-Shirt zu tragen. Richtig ist, dass er das Verbot auf
Anhalten der Bremer Schulaufsichtsbehörde aussprach. Wir haben die Passage
entsprechend geändert.
9 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://226.sixcms.schule.bremen.de/startseite-1459
(DIR) [2] /Neutralitaetsdebatte-in-der-Schule/!6179783
(DIR) [3] https://www.gew-hb.de/presse/detailseite/schulen-sind-keine-neutralen-raeume
(DIR) [4] https://www.bpb.de/die-bpb/ueber-uns/auftrag/51310/beutelsbacher-konsens/
## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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