# taz.de -- CDUler spielt Verfassungsschutz: Professor fühlt sich wegen linker Posts unter Druck gesetzt
       
       > Ein Professor der Universität Vechta wird von einem
       > CDU-Landtagsabgeordneten aus Hannover angegriffen, weil er auf Instagram
       > linksgrün gepostet hat.
       
 (IMG) Bild: Als linksextremistisch denunziert: Marco Rieckmann, Professor an der Uni Vechta
       
       Marco Rieckmann ist ein Mann mit Haltung. Das gilt auch für seine
       Instagram-Postings. Der Hochschuldidaktiker und Umweltwissenschaftler,
       Professor an der Universität Vechta, bezieht dort gern
       gesellschaftskritisch Position, unter anderem kontra AfD und pro
       Nachhaltigkeit.
       
       Einer, dem nicht alles davon gefällt, ist [1][Dirk Toepffer,
       Landtagsabgeordneter der CDU in Hannover]; bis 2022 war er Vorsitzender der
       CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag. Toepffer ist Jurist, und am 7.
       Juli hat er Rieckmann eine Mail geschrieben, die hart an Silencing grenzt.
       
       Bereits „vor Längerem“ sei er von Studierenden der Universität Vechta auf
       Rieckmanns Instagram-Account „aufmerksam gemacht worden“. Rieckmann äußere
       sich dort in einer Weise, die erhebliche [2][Zweifel] [3][an dessen
       Bekenntnis zu Demokratie und rechtsstaatlicher Grundordnung] aufkommen
       lasse, findet Toepffer. Er beabsichtige, zwei dieser Instagram-Beiträge
       „zum Gegenstand meiner parlamentarischen Arbeit“ zu machen.
       
       Am 30. Juni hatte Rieckmann ein Zitat aus dem taz-Kommentar „Macht kaputt,
       was euch die Zukunft nimmt“ von Meinungsredakteurin Pauline Jäckels
       gepostet. Darin ist von „das System kaputt machen“ die Rede.
       
       ## Antifaschistisch, grün und links
       
       Am 5. Juli hatte Rieckmann einen von „Knallbunte Rose“ verfassten Post
       repostet, in dem es zu den Protesten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt
       heißt: „Auf der einen Seite gewaltbereite bewaffnete Extremisten, in
       Vollmontur und mit Hunden und auf der anderen Seite besorgte Bürger, die
       sich gegen Faschismus stellen.“
       
       Rieckmann, von Toepffer aufgefordert, sich zu erklären, tut das auf
       Instagram. Er sei Antifaschist, politisch „grün und links“. Deshalb trete
       er „öffentlich für Demokratie, Menschenrechte und Nachhaltigkeit“ ein.
       Kritik am Wirtschaftssystem sei keine Demokratiefeindlichkeit, Protest
       gegen Rechtsextremismus kein Extremismus. Als WissenschaftlerIn dürfe man
       „Haltung zeigen“, ohne „eingeschüchtert“ zu werden. Er lasse sich „nicht
       mundtot machen“.
       
       „Überrascht hat mich Toepffers Mail schon“, sagt Marco Rieckmann der taz.
       „Nicht als politischer Mensch, der ich seit drei Jahrzehnten bin, aber als
       Wissenschaftler.“ Bezeichnend sei, dass ihn seine Studierenden nie auf
       irgendwelche Postings angesprochen hätten.
       
       Rieckmann sieht Toepffers Mail als Angriff. „Ich wusste, dass ich mit
       meinen Instagram-Inhalten ein bisschen an Grenzen gehe, das Übliche
       verlasse, obwohl ich da natürlich auch ganz harmlose Gartenfotos zeige,
       oder Bilder von Konferenzen.“ Viele seiner KollegInnen seien in den
       sozialen Medien einfach nicht so aktiv wie er selbst oder dabei
       unpolitischer.
       
       Er habe sich gefühlt „wie bei diesen AfD-Meldeportalen, auf denen
       SchülerInnen ihre LehrerInnen denunzieren sollen, wenn sie angeblich nicht
       neutral genug sind“, sagt Rieckmann. Im ersten Augenblick habe er das als
       Drohung wahrgenommen. „Das hat mich schon ein bisschen getroffen, bewegt“,
       sagt er. „Aber vermutlich verwendet Toepffer das nur als Munition in einer
       breiter angelegten Parlamentsdebatte, in der ich nur eines von mehreren
       Beispielen bin.“
       
       Rieckmann hat nach seiner Verteidigung auf Instagram viel Zuspruch
       bekommen: „Die moralische Unterstützung war groß, von KollegInnen, NGOs,
       Privatpersonen, von den Grünen.“ Sein Fazit, bis jetzt: „Erst denkst du
       natürlich: Muss ich ab jetzt vorsichtiger sein, zurückhaltender? Aber dann
       wird dir schnell klar: auf gar keinen Fall!“
       
       Mittlerweile hat Toepffer Rieckmann eine zweite Mail geschrieben. Rieckmann
       dazu: „Herr Toepffer rückt meine öffentlichen Positionierungen sinngemäß in
       die Nähe gesellschaftlicher Radikalisierung.“ Er halte das für eine
       problematische Täter-Opfer-Umkehr. Nicht antifaschistische und
       klimapolitische Positionierungen gefährdeten die Demokratie, sondern die
       zunehmende Normalisierung rechter und autoritärer Diskurse.
       
       [4][Volker Bajus, parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion
       der Grünen] in Hannover, ist empört: Man bekomme den Eindruck, die CDU
       unterhalte an der Universität Vechta eine Art Spitzelsystem. „Auf jeden
       Fall sieht es sehr nach Blockwart-Kultur aus“, sagt Bajus. „Mich erinnert
       das an die düstere [5][McCarthy-Ära] der Hatz auf Linke in den USA der
       1950er-Jahre.“
       
       Die Universität Vechta stärkt Rieckmann den Rücken. Für Hochschulen gelte
       „kein Gebot zur Meinungslosigkeit“, teilte das Präsidium der Universität
       der taz mit. „Im Gegenteil: Gerade im Kontext von Bildung, Wissen und
       Demokratie gehört der politische Diskurs zum Kern des Auftrags“, teilte
       Uni-Sprecher Friedrich Schmidt mit.
       
       „Dozierende dürfen und müssen aus [6][Sicht der Universität Vechta]
       demokratische Werte im Sinne des Grundgesetzes vertreten“, stellt die
       Hochschulleitung fest. Sie dürfen dabei nicht überwältigen, nicht
       parteipolitisch indoktrinieren und kontroverse Fragen nicht einseitig
       schließen. Das seien die anerkannten Grundsätze politischer Bildung.
       Entsprechend seien Rieckmanns Äußerungen einzuordnen.
       
       11 Jul 2026
       
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