# taz.de -- Pflege und Kosten: Sozialverträgliches Frühableben
> Durch die Pflegereform könnte die Bemessungsgrenze für Angehörige neu
> festgelegt werden. Für die Kinder von heute ist das keine gute Nachricht.
(IMG) Bild: Selbst Plätze in einfachen Pflegeheimen werden in Zukunft kaum noch erschwinglich sein
Wie niedrig die Bemessungsgrenze bei der Zuzahlungspflicht von Kindern für
die Pflege Angehöriger künftig sein soll, ist noch unklar. Klar ist
hingegen, dass die aktuelle Grenze von 100.000 Euro Bruttojahresgehalt
sinken wird. So sieht das jedenfalls die [1][Pflegereform von
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU)] vor. Vielleicht fällt die
Einkommensgrenze auch komplett. Wie sonst ist die Formulierung der
„Rücknahme“ der Bemessungsgrenze zu verstehen?
Zugegeben, [2][die Pflegekassen sind mehr als klamm], Heimpflege ist eine
überaus teure Angelegenheit, insbesondere für die Einrichtungen, die den
demografischen Wandel auf sehr direkte Weise auffangen müssen. Teuer ist
Pflege auch für den Staat, der die Kosten übernimmt, wenn Pflegebedürftige
und ihre Familien kein Vermögen haben. Momentan springt der Staat für rund
37 Prozent der Betroffenen ein.
Alle anderen tragen die Pflege im Heim mit ihrer Rente, ihren Ersparnissen,
Leistungen aus der Pflegekasse, möglicherweise aus der Vermietung von
Immobilien. Reicht dieses Geld nicht aus, müssen die Kinder ran – wenn sie
mehr als 100.000 Euro Brutto im Jahr verdienen. Machen wir uns nichts vor,
das ist ein schönes Jahresgehalt. Wer keinen Jaguar fahren, keine Yacht
besitzen und nicht in einem Schloss wohnen muss, kann davon gut leben – und
auch Teile der Pflegekosten übernehmen.
Wird diese Grenze allerdings heruntergesetzt oder komplett gestrichen,
werden sich sehr viele Menschen die teure Pflege nicht mehr leisten können.
Ein Heimplatz kostet im ersten Jahr aktuell rund 3.300 Euro im Monat. Mit
einem normalen Einkommen – der [3][Medianverdienst liegt momentan bei
54.000 Euro] – ist das mitnichten zu leisten. Die Kinder von heute stehen
vor einer Herausforderung, für die aktuell keine Lösung in Sicht ist.
Vielleicht verfolgt die Bundesregierung folgenden Plan: Pflege zu Hause,
bis pflegende Angehörige – meist die Frauen – selbst zum Pflegefall und
nicht alt werden. Das berühmte sozialverträgliche Frühableben.
16 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Geplante-Pflegereform/!6181292
(DIR) [2] /Finanzloch-bei-der-Pflegeversicherung/!6098556
(DIR) [3] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_113_621.html
## AUTOREN
(DIR) Simone Schmollack
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