# taz.de -- Studie eines Fraunhofer-Instituts: Biomethan kann Gasheizungen laut Forschern nicht retten
       
       > Die Bundesregierung will Biobrennstoffe im Heizgas vorschreiben. Doch
       > wegen der hohen Kosten würden die Gasnetze bis 2045 stillgelegt, sagen
       > Forscher.
       
 (IMG) Bild: Hier wird Biogas produziert: Anlage mit zwei Fermentern
       
       Gasheizungen könnten trotz der von der Bundesregierung geplanten
       Beimischung von Biomethan kaum noch betrieben werden. „Aktuelle
       Preisprognosen für Strom und Biomethan zeigen, dass bis spätestens 2045 ein
       Betrieb von Gas[1][heizungen] und Gasnetzen mit erheblichen
       wirtschaftlichen Risiken verbunden ist“, heißt es in einer Studie des
       Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung
       im Auftrag des Umweltinstituts München. Es sei „sehr unwahrscheinlich“,
       dass die Gasnetze in Wohngebieten noch genügend ausgelastet und deshalb von
       den Betreibern aufrechterhalten würden.
       
       Gebäude verursachten laut Umweltbundesamt vergangenes Jahr [2][rund 16
       Prozent] der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Das geplante
       Gebäudemodernisierungsgesetz von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche
       (CDU) kippt jedoch die Vorgabe des bisherigen Heizungsgesetzes, dass
       klimaschädliche Gas- und Ölheizungen bis spätestens 2045 stillgelegt werden
       müssen. Reiche will aber vorschreiben, ab Januar 2029 mindestens 10 Prozent
       klimafreundlichere Brennstoffe wie Biomethan oder Bioöl zu nutzen. Bis 2040
       soll der Anteil auf 60 Prozent steigen („Biotreppe“). Auch Umweltschützer
       halten den Anbau von Raps und Mais für solche Brennstoffe aber für
       problematisch für die Artenvielfalt und kritisieren den Flächenverbrauch.
       
       Nach Berechnungen der Forscher wird Biomethan voraussichtlich so teuer
       sein, dass sich Gasheizungen im Vergleich zu Wärmepumpen kaum noch rechnen.
       Nur unter extrem unwahrscheinlichen Annahmen – sehr hohe Strompreise,
       ungewöhnlich günstiges Biomethan und ineffiziente Wärmepumpen – könnte ein
       Weiterbetrieb der Gasnetze wirtschaftlich sein.
       
       Die Haushalte müssten dann in eine neue Heizung investieren. Die
       niedrigeren Betriebskosten einer Wärmepumpe würden diese Mehrkosten jedoch
       in fast allen Szenarien ausgleichen oder sogar deutlich übertreffen. Für
       einen Dreipersonenhaushalt errechnen die Autoren Einsparungen von mehr als
       1.000 Euro pro Jahr und fast 30.000 Euro über 20 Jahre.
       
       ## „Für die meisten Menschen nicht bezahlbar“
       
       Bleibe wegen der neuen Regeln länger unklar, wann die Gasnetze stillgelegt
       werden, investierten Netzbetreiber womöglich weiter in Leitungen, die
       später kaum noch genutzt würden, warnen die ForscherInnen. Hochgerechnet
       auf Deutschland könnten dadurch bis 2045 zusätzliche Netzkosten von mehr
       als 50 Milliarden Euro entstehen. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass
       HausbesitzerInnen aus falschen Erwartungen heraus noch einmal in
       Gasheizungen investierten.
       
       Die Autoren ziehen deshalb ein deutliches Fazit: Die Biomethan-Pflicht
       ändere nichts an der grundlegenden Entwicklung hin zur Stilllegung der
       Gasverteilnetze. Im Gegenteil: Sie könnten den geordneten Ausstieg
       erschweren und die Wärmewende unnötig verteuern.
       
       An diesem Fazit ändere auch die nun bekannt gewordene Einigung der
       CDU/CSU-SPD-Koalition nichts, dass Gas- und Ölhändler für die
       Wärmeerzeugung ab 2045 nur noch „klimaneutrale Brennstoffe“ verkaufen
       dürfen. Denn das würde den Biomethan-Preis noch weiter in die Höhe treiben,
       sagte Till Irmisch, Referent für Energiepolitik am Umweltinstitut, der taz.
       
       „Steigende Gaspreise können die Energieversorger nicht unbegrenzt auf ihre
       Kund:innen umlegen“, ergänzte Irmisch. „Die Studie zeigt, dass die
       Kombination aus teurem Biogas und immer höheren Netzentgelten für die
       meisten Menschen nicht bezahlbar sein wird.“
       
       Viele Netzbetreiber und Städte würden schon heute die Stilllegung ihrer
       Gasnetze planen. Laut Irmisch ist das die richtige Strategie: „Der Umstieg
       auf Wärmepumpen und Wärmenetze funktioniert nur, wenn er frühzeitig und gut
       geplant wird. Das dämpft die Energiepreise und spart unserer
       Volkswirtschaft viel Geld.“
       
       Die Fraunhofer-Studie zeige: „Wer sich heute in der Hoffnung auf eine
       Versorgung mit Biogas noch eine Gasheizung einbaut, wird auf einer teuren
       Investitionsruine sitzen bleiben. Das Heizungsgesetz wird damit früher oder
       später unweigerlich scheitern.“
       
       Das Bundeswirtschaftsministerium ließ eine Bitte der taz um Stellungnahme
       bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
       
       6 Jul 2026
       
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 (DIR) [2] https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/treibhausgasdaten-zeigen-klimaschutz-braucht-neuen
       
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 (DIR) Jost Maurin
       
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