# taz.de -- Debakel um Theaterintendanz in München: Sprungbrett frei!
> München sucht eine neue Intendanz für das erfolgreichste Theater des
> Jahres. Wo Kunstverstand und Interesse fehlen, braucht es keine rechte
> Kulturagenda.
(IMG) Bild: Warum bemüht sich die Politik nicht darum, die Intendantin der Münchener Kammerspiele, Barbara Mundel (hier im Bild), zu halten?
Vielleicht wird das Haus gerade ‚Theater des Jahres‘ … meine Güte, wäre das
peinlich!“, schreibt ein Kollege auf Facebook zur Neuausschreibung der
Intendanz der Münchner Kammerspiele. Dass das seit 2020 von Barbara Mundel
geleitete Haus die kommende Kritikerumfrage des Fachblatts Theater heute
gewinnen wird, ist fast zwingend. Denn es hat gerade einen Mordslauf.
Doppeleinladungen zum [1][Berliner Theatertreffen] und zur
Stücke-Champions-League nach Mülheim, ein Preisregen für Schauspieler wie
[2][Thomas Schmauser], Katharina Bach und Lucy Wilke und drei frische
Nominierungen für den Branchenpreis Der Faust sprechen für sich. Dazu kommt
eine Rekordauslastung in der aktuellen Spielzeit.
So viel messbarer Erfolg müsste eine Kulturverwaltung doch alle Hebel in
Bewegung setzen lassen, um die Intendantin ihres Stadttheaters zu halten.
Selbst wenn die klamme Finanzlage der Städte und Kommunen keine monetären
Angebote erlauben: Auch aktive (statt nur behauptete) Wertschätzung ist
eine Währung in der Kunst.
Aber was macht der Münchner Kulturreferent Marek Wiechers? Erst mal lange
nichts. Seine Besuche an den Kammerspielen kann man an einer Hand abzählen.
Und als Mundel vor wenigen Wochen anlässlich der Vorstellung des neuen
Spielplans auf Nachfrage der Presse sagte, sie stünde für Gespräche über
eine Verlängerung über das Jahr 2028 hinaus zur Verfügung, regierte er spät
und fast beleidigt: Das habe man wirklich nicht gewusst, und jetzt sei das
Kind längst im Brunnen. Ist das peinlich? Gar kein Ausdruck. Das ist, wie
wenn der FC Bayern nach einem Triple den Trainer vom Hof jagte.
Wer jetzt warum nicht gewusst hat, dass Mundel gerne bleiben würde oder
dass die Ausschreibung für ihre Nachfolge schon seit Juni auf wenig
einschlägigen Kanälen kursiert, ist müßig zu diskutieren. Offenbar – und
auch das ist keine neue Erkenntnis – versteht die Verwaltungslogik unter
Gesprächen etwas anderes als ein Kulturmensch. Auch die Verwunderung
einiger Stadträte über Wiechers’ Anmerkung, es habe bereits Anfang des
Jahres keine Mehrheit für Mundel gegeben, lässt sich noch mit personellen
Umbrüchen im Kommunalwahljahr 2026 erklären.
## Warum ist Expertise in der Kulturpolitik ein Nice-to-have?
Aber wann hat eigentlich wer beschlossen, dass Expertise in Sachen Kunst
für Kulturverwaltungen allenfalls ein Nice-to-have ist? Das ist ja nicht
nur in München so. Wiechers ist parteiloser, SPD-naher Jurist, in der
Kurzbio der Kulturbürgermeisterin Mona Fuchs ist keinerlei Kunstaffinität
auffindbar. Beide haben ebenso wenig eine rechte Kulturkampfagenda wie der
neue grüne Münchner OB, der einen Brief von kammerspielnahen Regiepersonen
schlicht ignorierte. Sie haben einfach gar keine Haltung, und das genügt,
wenn die einzige Agenda das Sparen ist.
Nun wird mithilfe der mit viel Marketing- und Betriebswirtschaftssprech
operierenden Agentur Kulturexperten eine neue Intendanz gesucht, die das
umsetzt. Die Vorgabe, 30 Prozent Mehreinnahmen bis 2030 zu generieren,
findet sich in der Ausschreibung jedoch nicht, die Kunst rangiert darin
weit hinter der Berichtspflicht gegenüber den Organen der Stadt. Und die
AfD kann sich freuen. Hier droht ein einzigartiges Ensemble zerschlagen zu
werden, das Jahre gebraucht hat, [3][um Schauspieler mit körperlichen und
geistigen Behinderungen zu integrieren]; und die auf Experiment und die
Verbindung mit der diversen, jungen Stadtgesellschaft setzende Kultur des
Hauses gleich mit.
Das versteht weder die durchaus kritische Presse, noch verstehen es die
Abonnenten, die Mundel dieser Tage mit Extraapplaus begrüßten. Auch die
Publikumsorganisation Thea, in der sich 15.000 Kunstfreunde versammeln,
sieht der zweiten künstlerischen „Vollbremsung“ nach der Causa [4][Matthias
Lilienthal] besorgt entgegen. Die größten Erfolge von Mundels Vorgänger
haben sich allerdings erst nach der schon entschiedenen Trennung
eingestellt. Diesmal zieht man die Bremse im vollen Lauf. Und so sehr man
es sich als Münchnerin anders wünscht: Auch potenzielle Interessenten für
den Job dürfte das abschrecken.
18 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sabine Leucht
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