# taz.de -- Anti-Antifa-Gipfel in den USA: Auf der Suche nach einer Verschwörung
> US-Außenminister Rubio glaubt, die übersehene Gefahr unserer Zeit sei der
> Linksterrorismus. Sein Antiterrorgipfel sollte Allianzen gegen die Antifa
> schmieden.
(IMG) Bild: Gehört diese Person zur internationalen Antifa-Verschwörung? Proteste im Juli in New York
Marco Rubio gab sich staatsmännisch, als er am Donnerstag in Washington vor
eine Gruppe von Delegierten aus 65 Ländern trat. Was er vorzutragen hatte,
sollte eine große Rede sein, eine, die ein neues Zeitalter einleitet.
Viel zu lange, sagte der Außenminister der USA, habe man im Westen
Terrorismus vornehmlich als islamistischen Terror begriffen und dabei die
Gefahr übersehen, die der zivilisierten Welt heute drohe: den Terrorismus
von links. Rubio zitierte die Unruhen in amerikanischen Städten im Zuge der
Demonstrationen gegen Polizeigewalt vor sechs Jahren, anarchische Zustände,
die von der linkslastigen Presse gefährlich heruntergespielt worden seien.
Die Gruppen, die das Chaos angezettelt hätten und in den USA weiterhin
umstürzlerisch konspirierten, seien Mitglieder internationaler Netzwerke.
Es bedürfe einer multinationalen Anstrengung, um diese Gefahr für die
westliche Welt zu neutralisieren. Rubio verwies auf den Brandanschlag in
Berlin im Januar, der die Stromversorgung von 100.000 Menschen mehrere Tage
unterbrochen hatte.
Das Publikum, das zu Rubios Antiterrorgipfel geladen worden war, spendete
höflichen Applaus. Wie der energische Beginn einer internationalen
Antiterrorallianz gegen links wirkte das Treffen jedoch nicht. Vom
israelischen Außenminister Gideon Sa’ar abgesehen, waren praktisch keine
hochrangigen Diplomaten angereist. [1][Die Bundesregierung hatte zuvor
angekündigt, einen Abteilungsleiter des Bundesinnenministeriums zu
entsenden].
## Freifahrtschein für Verfolgung politischer Gegner
Thomas Renard vom Internationalen Zentrum für Terrorismusbekämpfung in Den
Haag sagte: „Man hat junge Delegierte geschickt, um die USA nicht zu
brüskieren.“ An die Notwendigkeit einer konzertierten Anstrengung gegen
Linksterrorismus glaubten die meisten der eingeladenen Nationen nicht.
Es scheint, als versuche die Trump-Regierung mit internationaler Hilfe ein
Problem zu lösen, dass sie selbst geschaffen hat. Mit dem Memorandum,
[2][in dem Trump im vergangenen Herbst nicht nur die einheimische „Antifa“
als Terrororganisation] bezeichnete, hat er der Strafverfolgung politischer
Gegner in den USA eine Carte blanche erteilt. Es hält das Justizministerium
dazu an, Anti-ICE-Proteste, Pro-trans-Aktivitäten und feministische
Meinungsäußerungen zu untersuchen und zu verfolgen.
Die Tatsache, dass „Antifa“ keine wirkliche Organisation ist, spielt Trump
dabei in die Hände. Er kann linke Aktivitäten nach Belieben als Antifa und
somit als terroristisch bezeichnen. Ein ehemaliger Angestellter des
Justizministeriums nannte das Memorandum „ein verdammt gefährliches
Dokument“. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU bezeichnete es als Versuch,
politischen Widerstand zu kriminalisieren.
Von der Möglichkeit der Einschüchterung abgesehen, ist das Memorandum
juristisch jedoch zahnlos. „Es hebelt nicht die Verfassungsrechte der
Meinungs- und Versammlungsfreiheit“ aus, sagt David Schanzer, Direktor des
Zentrums für Terrorismus und Heimatschutz an der Duke Universität. Der
Patriot Act, der schärfere Maßnahmen der Überwachung und Strafverfolgung
ermöglicht, gilt nur für internationale Terroristen. Deshalb sucht die
Trump-Regierung nun verzweifelt nach ausländischen Verbindungen, um eine
internationale Verschwörung zu konstruieren.
## Haftstrafen von 15 bis 20 Jahren
Dass es Trumps Antiterrorchef Sebastian Gorka ernst damit ist, politische
Gegner strafrechtlich zu verfolgen, hat er in den vergangenen Wochen
bereits unter Beweis gestellt. In [3][einem Prozess in Texas wurden acht
Angeklagte zu insgesamt mehr als 400 Jahren Haft verurteilt.] Sie hatten an
einem Protest vor einer ICE-Verwahranstalt in Texas teilgenommen, der
eskalierte. Ein Angeklagter erhielt 100 Jahre Haft, weil er einen
Polizisten angeschossen hatte.
Andere wurden beschuldigt, einer „terroristischen Organisation materielle
Hilfe“ geleistet zu haben. Die Demonstranten, die im bürgerlichen Berufe
wie Lehrer*in oder Krankenpfleger*in ausübten, bekamen Haftstrafen zwischen
15 und 50 Jahren. Alle Beschuldigten wurden als „Antifa-Terrorzelle“
bezeichnet und von den Richtern Reed O’Connor und Mark Pittman auch so
behandelt.
Rubio verwies in seiner Rede auf einen Workshop zur Terrorismusbekämpfung,
der im Mai stattgefunden hatte, und kündigte einen weiteren an. Es werde
zusammen mit deutschen Partnern veranstaltet. Auf Anfrage der taz, erklärte
ein Sprecher des Bundesinnenministeriums, der geplante "Workshop von
Fachexperten" solle insbesondere auch aus "logistischen Gründen" in
Deutschland stattfinden. Deutschland habe in der Konferenz am Donnerstag
seine Bereitschaft erklärt. Die Abstimmungen würden nun beginnen.
18 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
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