# taz.de -- „Gipfel gegen Linksextremismus“: Mit Trump gegen die Antifa
> Die Bundesregierung wird Gastgeber des Follow-ups von Trumps „Gipfel
> gegen Linksextremismus“ – und treibt damit den autoritären Staatsumbau
> auch hier voran.
(IMG) Bild: Ein Rechtsextremer,,Proud Boy'‘ bei einer Rally gegen Antifaschisten in Oregon
Zu 30 Jahren Haft wurde Daniel Sanchez Estrada in den USA verurteilt. Der
Grund: [1][Er soll nach einem Protest vor einem ICE-Haftzentrum eine Box
mit antifaschistischen Zeitschriften transportiert haben, was die
Ermittlungen erschwert haben soll]. Estrada selbst hatte an keiner Demo
teilgenommen. Doch ein US-Gericht verurteilte ihn als Teil eines
terroristischen Antifa-Komplotts. Acht Aktivist:innen wurden neben
Estrada zu insgesamt über 400 Jahren Haft verurteilt, nachdem bei einem
Anti-ICE-Protest ein Schuss auf einen Polizisten abgefeuert worden war.
Die drakonischen Urteile vom Ende Juni sind die ersten, die unmittelbar auf
die US-Einstufung der „Antifa“ als Terrororganisation zurückgehen. In der
vergangenen Woche nahm nun [2][das Bundesinnenministerium an einer
Propaganda-Konferenz von US-Außenminister Marco Rubio gegen
„transnationalen linken Terrorismus“ teil]. Dabei konnte der deutsche
Abgesandte Rubio dabei zuhören, wie diese über linke Bewegungen als eine
„Revolte der Schwachen und Feigen gegen die Starken und Guten“ redete und
fantasierte, dass ein internationales Antifa-Netzwerk mit dem kubanischen
Geheimdienst zusammenarbeite.
Die Teilnahme der deutschen Regierung war für sich schon ein Skandal.
Rechtfertigend hieß es dazu aus Behördenkreisen, man habe ja nur einen
Abteilungsleiter geschickt – um die USA nicht zu brüskieren. Jetzt aber hat
das Bundesinnenministerium bekannt gegeben, dass ein Folge-„Workshop“ der
Anti-Antifa-Konferenz in Deutschland stattfinden soll. Ohne jeden Zwang hat
sich das Bundesinnenministerium damit entschieden, das Framing des
Trump-Regimes vom Antifaschismus als Terrorismus zu legitimieren.
Was sich die USA von einer solchen Konferenz in Deutschland erhoffen, ist
klar. Trumps Erzählung einer angeblichen internationalen
Antifa-Verschwörung [3][basiert maßgeblich auf der Einstufung der deutschen
„Antifa Ost“ als Terrororganisation]. Dass einige junge Linke ein paar
Nazis verprügelt haben, nutzt die US-Regierung seither als Exempel für die
angebliche Gewalttätigkeit des internationalen Antifaschismus. Dazu
verweisen die USA auf den Anschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang des
Jahres, der einer anarchistischen „Vulkan-Gruppe“ zugeschrieben wird – was
aber nicht belegt ist.
## Liebäugeln mit dem autoritären Staatsumbau
Man könnte schockiert darüber sein, dass sich Innenminister Alexander
Dobrindt und die Union auf dieses Spiel einlassen. Doch das fällt zunehmend
schwer. Erinnert sei daran, wie Dobrindt bei der Vorstellung des
Verfassungsschutzberichts [4][mit Graphen unterschiedlicher Skalierung
hantierte und damit suggerieren wollte, Linksextremismus sei ein ebenso
großes Problem wie marodierende Neonazis]. Oder an die [5][Prüfung der
Gemeinnützigkeit des VVN-BdA], an die [6][Attacken der Union auf die
kritische Zivilgesellschaft, die angeblich zu links sei]. Man erkennt:
Nicht wenige in der Union liebäugeln auch hierzulande mit dem autoritären
Staatsumbau.
Die Mittel, zu denen dabei gegriffen wird, reichen von der Aufrüstung der
Polizei und des Verfassungsschutzes über [7][Flüchtlingslager an den
EU-Außengrenzen], die Entrechtung von Geflüchteten mit [8][Bezahlkarten]
und [9][Zwangsdiensten] bis hin zum Defunding und [10][Debanking der
kritischen Zivilgesellschaft.] Wer glaubt, diese Entwicklungen bedrohten
nur militante Kleingruppen der Antifa, der hat den Schuss nicht gehört.
21 Jul 2026
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## AUTOREN
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