# taz.de -- Hamburger Schwimmbäder an Hitzetagen: Schlange stehen bei 39 Grad
       
       > Während der Hitzewelle ließen Hamburgs Freibäder viele Gäste nur
       > „verlangsamt“ ein. Kein Wunder, denn viele Freibäder wurden für immer
       > geschlossen.
       
 (IMG) Bild: Während der Hitzetage ein Bild, das es in vielen Städten gab: lange Schlangen vor dem Freibad
       
       Samstagmittag, 39 Grad im Schatten. Die [1][Luft draußen ist dick] und
       steht. Schnell die Tür schließen. Ins Freibad zu gehen, ist keine Option.
       Schon gar nicht in Rahlstedt. Auf Facebook notiert eine Anwohnerin:
       „Samstag 14.50 Uhr. Schwimmbad-Rahlstedt lässt keinen mehr rein!“ Und sie
       fügt hinzu: „Da zeigt sich, wie unnötig der Abriss des Freibades Rahlstedt
       war.“ Darunter frustrierte Kommentare von anderen Rahlstedtern, die ihr
       altes Freibad vermissen.
       
       Denn bis vor vier, fünf Jahren hatte dieser Stadtteil, der mit über 90.000
       Einwohnern zu den größten Hamburgs gehört, ein richtiges [2][Freibad am
       Wiesenredder], mit einer riesigen Wiese und einem 50-Meter-Becken, Rutsche,
       Planschbereich und Pommesbude.
       
       Nur wurde das geschlossen. Und als Ersatz wurde neben das Hallenbad im
       Zentrum des Viertels ein kleines 25-Meter-Becken gebaut und daneben ein
       kleines Stückchen Wiese zum Liegen eingezäunt. Mickey-Maus-Bad wird es im
       Volksmund auch genannt. Da kann man schon mal schwimmen gehen, aber um
       Gottes willen nicht, wenn es heiß ist und man Abkühlung nötig hat.
       
       Nach dem Wochenende fragen wir die städtische Bäderland-Firma: Wieso und
       wie lange wurde dort in Rahlstedt kein Badegast mehr reingelassen?
       Bäderland-Sprecher Michael Dietel verweist darauf, dass es in Hamburg fast
       40 Grad waren. Da sei es in vielen Freibädern voll gewesen. Nicht nur in
       Rahlstedt, auch im Niendorfer Bondenwald-Bad, in Bergedorf, in Wilhelmsburg
       beim Inselparkbad, beim Kaifu-Bad in Eimsbüttel und in Altona beim
       Festland-Bad habe es vorübergehend einen Einlassstopp gegeben.
       
       Wobei der Sprecher später präzisiert: Nicht den ganzen Tag, nur für
       anderthalb Stunden sei der Einlass „verlangsamt“ worden. Dietel:
       „Verlangsamt bedeutet, dass wir langsamer kassieren, also nicht mehr
       schnellstmöglich anstehende Gäste einlassen.“
       
       Das Problem bei der Hitze am Wochenende sei gewesen, dass die Badegäste,
       die früh am Tag kamen, länger blieben als sonst. Da verlangsame Bäderland
       den „Prozess“ an der Kasse, um wieder „einen stetigeren Durchlauf zu
       erreichen, anstelle alle schnell ins Bad zu lassen“. Und sollte der
       „Ablauf“ der frühen Gäste stocken, dann käme es im Extremfall zu einem
       Einlassstopp, bei dem nur neue Gäste reindürfen, wenn alte rausgehen. Aber
       „ausverkauft“, wie in anderen Städten, sei Bäderland nicht gewesen.
       
       ## Immer weniger Freibäder
       
       Hm. So ein längeres Anstehen bei 39 Grad im Schatten ist aber auch keine
       Freude. Da möchte man einfach nur rein ins Bad – oder doch besser zu Hause
       bleiben. Und dass Kinder und Eltern, die in Wohnungen leben, im Sommer den
       ganzen Tag im Freibad verbringen, war früher ganz normal. Da gab es in
       Hamburgs Osten auch noch mit Lattenkamp, Dulsberg, [3][Ohlsdorf] und
       [4][Aschberg] vier weitere Freibäder, die inzwischen alle weggeplant sind.
       Dass man nun derart Gäste „verlangsamt“ einlässt, scheint neu. Als es 2025
       [5][einen Hitzetag mit 35 Grad gab, blieb das Rahlstedter Minibad zu].
       
       „Die Anzahl der Tage mit extremer Hitze nimmt zu“, sagt der Linkenpolitiker
       Stephan Jersch, der nun zu Freibadkapazitäten eine Anfrage erwägt. Denn
       dass gleich sieben Freibäder bei Hitze an ihre Kapazitätsgrenze stoßen,
       zeige, dass Hamburg eigentlich mehr davon braucht. „Das ist auch [6][allen
       Akteuren bewusst]“, sagt der Umweltpolitiker. Denn Freibäder spielten für
       die Klimagerechtigkeit eine große Rolle.
       
       Apropos Klima. Die taz fragte auch die für Bäder zuständige Umweltbehörde,
       wie groß die Kapazität der in Hamburg am Hitzewochenende geöffneten
       Freibäder war. Und ob es Pläne gibt, die Kapazitäten zu erweitern. Mit der
       Antwort dauere es etwas, bat man uns am Mittwoch um Verständnis. Das Haus
       ist mit einem anderen wichtigen Thema beschäftigt. Zuletzt steigende
       CO2-Emissionen erschweren [7][Hamburgs Ziele der Klimaneutralität].
       
       1 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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