# taz.de -- Linksradikale Onlineplattform: Droht ein Verbot von Indymedia?
> Die Seite de.indymedia.org ist ein zentrales linksradikales
> Informationsforum. Die Innenminister:innen der Länder fordern, dass
> es dichtgemacht wird.
(IMG) Bild: Menschen protestieren unter dem Motto,,Wir sind alle linksunten'‘ gegen das Verbot der Internetplattform Indymedia
Die Bundesländer drängen auf ein Verbot der linksradikalen [1][Webseite
de.indymedia.org]. Ein entsprechender Beschluss der Innenministerkonferenz
(IMK) Ende Juni in Hamburg wurde jetzt veröffentlicht. Zuständig für ein
derartiges Vereinsverbot wäre Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).
Indymedia existiert in Deutschland seit 2001 und wird vor allem von
linksradikalen Gruppen und Einzelpersonen genutzt, um Veranstaltungen
anzukündigen und Diskussionen zu führen. Indymedia hat keine Redaktion.
Theoretisch kann alles veröffentlicht werden, außer „sexistischen,
rassistischen, antisemitischen u./o. faschistischen Inhalten“.
Moderator:innen platzieren die Beiträge an besseren oder schlechteren
Plätzen der Webseite.
Derzeit mobilisiert auf Indymedia das Bündnis „Widersetzen“, das den
Erfurter AfD-Parteitag am Wochenende verhindern will. Hingewiesen wird zum
Beispiel auch auf die „Entglasung“ von Geschäftsräumen aus Solidarität mit
dem besetzten Haus Rigaer Straße 94 in Berlin.
Die Konferenz der 16 Landesinnenminister bittet nun Dobrindt, „alle
rechtlichen Möglichkeiten für ein vollständiges Verbot des
linksextremistischen Portals ‚indymedia.org‘ zu prüfen“. Die IMK fasst ihre
Beschlüsse einstimmig. Ihr gehören derzeit neun Minister mit
CDU/CSU-Parteibuch an und sieben SPD-Minister.
## AfD forderte schon 2020 ein Verbot
Eingebracht hatte den Indymedia-Antrag der hessische Innenminister Roman
Poseck (CDU). „Diese Plattform ist derzeit das wichtigste Informations- und
Propagandamedium der linksextremen Szene“, erklärte er im Vorfeld der IMK.
„Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Plattform Straf- und Gewalttaten
fördert.“
Wie Dobrindt mit der Verbotsforderung der Länder umgehen wird, ist noch
unklar. Zu etwaigen Verbotsverfahren äußere sich das Ministerium
grundsätzlich nicht, sagte eine Sprecherin. Doch auch sie mahnt: „Auf
‚de.indymedia‘ erscheint eine Vielzahl von Beiträgen, die einen Bezug zu
linksextremistischen Straf- und Gewalttaten haben. So werden regelmäßig
Taterklärungen und explizite Aufforderungen zu weiteren Straftaten
veröffentlicht.“
Die AfD hatte im Bundestag schon 2020 ein Verbot von de.indymedia.org
gefordert. SPD und Grüne warfen der AfD damals aber vor, sie wolle nur von
der Bedrohung durch den Rechtsextremismus ablenken. Die Linke lobte
Indymedia als „wichtige Plattform für Enthüllungen antifaschistischer
Recherche“. Und der CDU-Abgeordnete Christoph Bernstiel warnte:
„Linksextremisten sind längst nicht so dumm, für wie manche hier in diesem
Haus sie halten. Sie haben natürlich schon Ausweichplattformen gegründet;
die Server stehen im Ausland, und oft sind die Inhalte kopiert.“ Der
AfD-Antrag auf ein Indymedia-Verbot wurde deshalb Anfang 2021 im Bundestag
mit 574 zu 77 Stimmen abgelehnt.
## Vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft
Ein Verbot gab es seither nicht. Allerdings wird de.indymedia.org seit Juni
2021 vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft. Ein Jahr später
erfolgte sogar die Hochstufung zur „gesichert linksextremistischen
Bestrebung“. Auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht, der am Dienstag
vorgestellt wurde, ist de.indymedia.org erwähnt: „Linksextremisten wird
wissentlich und absichtlich eine Plattform geboten, die in hohem Maße einem
verfassungsfeindlichen Zweck dient.“
Eigentlich ist de.indymedia.org für die Sicherheitsbehörden aber vor allem
praktisch. An einem Ort können sie alle relevanten linksradikalen Aktionen
und Debatten beobachten. Dennoch ist ein Verbot nicht völlig
ausgeschlossen.
Das zeigt der staatliche Umgang mit der Plattform
[2][linksunten.indymedia.org], die sich 2008 von der Mutterseite
de.indymedia.org abgespalten hatte, weil sie noch viel weniger moderieren
wollte als diese. Schnell hatte sich damals ein Großteil der linksradikalen
Kommunikation auf die neue Plattform verlagert. Innenminister Thomas de
Maizière (CDU) verbot „linksunten“ erst 2017, nachdem es beim G7-Gipfel in
Hamburg zu massiven Autonomen-Ausschreitungen gekommen war und er einen
Sündenbock gebraucht hatte.
Die Folgen des Verbots waren allerdings überschaubar. Ermittlungsverfahren
gegen fünf Freiburger:innen, die die Linksunten-Seite angeblich betrieben
hatten, wurden aus Mangel an Beweisen eingestellt, zuletzt 2025. Die
linksradikalen Bekennerschreiben erschienen jetzt wieder auf der
fortbestehenden Mutterseite de.indymedia.org. Und falls diese bald auch
verboten wird, wird sich sicher schnell eine neue linksradikale
Nachrichtenseite herausbilden.
1 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.indymedia.org/
(DIR) [2] /Urteil-zu-linksuntenindymedia/!5660935
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
## TAGS
(DIR) Indymedia
(DIR) Alexander Dobrindt
(DIR) Linksextremismus
(DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Geheimdienste
(DIR) Schwerpunkt Antifa
(DIR) Schwerpunkt Stadtland
(DIR) Indymedia
(DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
(DIR) Indymedia
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kritik an Geheimdienstreform: Dobrindts Schnüffeloffensive
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Kompetenzen von
Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst ausweiten. Expert*innen
schlagen Alarm.
(DIR) Doku „Generation Antifa“: Antifa heißt Widerstand
Junge Menschen widersetzen sich der Gründung der AfD-Jugend. Der Film
„Generation Antifa“ begleitet sie. Und zeigt ihren Mut jenseits von
Klischees.
(DIR) Fotograf*innen über Rechtsruck: „Es gibt immer wieder dieselben visuellen Fallen“
Wie kann man sich vom Rechtsruck ein Bild machen? Diese Frage treibt Rosa
Burczyk, Thomas Victor und Stella Weiß vom Fotograf*innen-Netzwerk
Shift um.
(DIR) Durchsuchungen in Freiburg: Razzien wegen Indymedia-Ermittlungen waren rechtswidrig
Fünf Linke wurden 2023 durchsucht, die ein Archiv von „Indymedia
linksunten“ betrieben haben sollen. Nun erklärte ein Gericht: Das war
rechtswidrig.
(DIR) Prozess Radio Dreyeckland: Verbotene Verlinkung
Ein Freiburger Journalist verlinkte unter einem seiner Texte die seit 2017
verbotene Plattform „Indymedia-Linksunten“. Ist das strafbar?
(DIR) Durchsuchungen bei Aktivist*innen: Archiv soll strafbar sein
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat neue Ermittlungen wegen der verbotenen
Plattform Linksunten.indymedia eingeleitet.