# taz.de -- Steigende CO₂-Emissionen in Hamburg: Der Weg zur Klimaneutralität wird immer mühsamer
> Im vergangenen Jahr hat Hamburg wieder mehr CO₂ ausgestoßen. So wird die
> Diskrepanz zur anvisierten Klimaneutralität bis 2040 immer größer.
(IMG) Bild: Macht dem Senat Beine in puncto Klimapolitik: Plakat für den erfolgreichen Hamburger Zukunftsentscheid
14 Jahre sind es noch, bis Hamburg klimaneutral sein muss. Doch nun zeigt
sich: Ohne dass schon bald die ersten drastischen Maßnahmen eingeleitet
werden, wird das nicht klappen.
Hamburg ist auf keinem guten Weg, die durch einen Volksentscheid im
vergangenen Oktober verbindliche Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen –
im vergangenen Jahr ist der CO₂-Ausstoß stattdessen gestiegen. Das zeigt
die CO₂-Schätzbilanz, die der rot-grüne Senat dank dieses [1][„Hamburger
Zukunftsentscheids“] nach einem Jahr erstmals vorlegen muss.
Wie das Hamburger Abendblatt zuerst berichtete, sind im vergangenen Jahr in
Hamburg rund zwölf Millionen Tonnen CO₂ ausgestoßen worden. [2][Im Jahr
zuvor waren es noch 11,7 Millionen Tonnen.] Damit vermindert sich der
Kohlendioxidausstoß der Stadt gegenüber dem Basisjahr 1990 aktuell auf nur
noch 41,3 Prozent. Als Ursachen nennt der Senat tiefere Temperaturen im
Jahr 2025 gegenüber 2024, die zu einem Anstieg des Wärmeenergieverbrauchs
geführt hätten.
Überdies habe die leichte wirtschaftliche Erholung sowie die zunehmende
Elektrifizierung des Straßenverkehrs zu einer Zunahme des Stromverbrauchs
geführt. Weil der Strom noch nicht klimaneutral produziert wird, stiegen
entsprechend die CO2-Emissionen. „Die Schätzbilanz ist für uns eine
wichtige neue Hilfe: Sie liefert uns aktuelle Daten und zeigt uns zugleich
deutlich auf, dass wir beim Klimaschutz noch eine weite Strecke vor uns
haben“, sagt die grüne Senatorin für Umwelt, Klima und Energie, Katharina
Fegebank.
## Kommt bald die City-Maut?
Für die Aktivist:innen des Zukunftsentscheids, die die Klimapolitik
nach ihrem Erfolg beim Volksentscheid nun kritisch begleiten, ist es
angesichts der bisherigen Bemühungen des rot-grünen Senats beim Klimaschutz
zwar nicht überraschend, dass der CO₂-Verbrauch zuletzt nicht gesunken ist.
„Es ist aber ein großes Alarmsignal, dass der CO₂-Ausstoß im vergangenen
Jahr auch noch spürbar gestiegen ist“, sagt Sprecherin Annika Rittmann.
„Die Bilanz ist Ausdruck einer verfehlten Klimapolitik der vergangenen
Jahre.“
Noch hat der Anstieg keine politischen Folgen, doch das wird sich zügig
ändern: Auch schon vor dem Zukunftsentscheid hatte sich der rot-grüne Senat
auf einen Pfad zur Klimaneutralität festgelegt, der bis zum Jahr 2030 die
Reduktion um 70 Prozent gegenüber 1990 vorsieht.
Als Folge des Zukunftsentscheids bleibt der Pfad aber von nun an keine
reine Willensbekundung, sondern er ist für die Politik verpflichtend. Weist
nämlich die Schätzbilanz nach, dass Hamburg nicht (mehr) auf dem Pfad ist,
muss der Senat ein Sofortprogramm auflegen, wie er wieder dahin
zurückkommen will. Zum Tragen kommt diese Verpflichtung erstmals im
kommenden Jahr, wenn die Bilanz für 2026 vorliegt.
Schon mit der aktuellen Bilanz zeigt sich aber, wie groß die Diskrepanz
zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist: Die im vergangenen Jahr
ausgestoßene Menge liegt um satte 20 Prozent über dem vorgegebenen Wert für
2026 von 9,6 Millionen Tonnen. Dass die Reduktion innerhalb des laufenden
Jahres also so groß sein wird, ist unwahrscheinlich.
Senatorin Fegebank spricht zwar deshalb auch von einem „Warnsignal“, zeigt
sich aber optimistisch: „Die großen Hebel für den Klimaschutz in Hamburg
folgen mit der verstärkten Elektrifizierung im Verkehrsbereich sowie mit
der Dekarbonisierung der Energieversorgung und dem Ausstieg aus der Kohle
bis 2030 erst noch.“
Abhängig sei Hamburg aber bei der Reduzierung des CO₂-Verbrauchs von
politischen Entscheidungen auf der Bundesebene. „Dass die Bundesregierung
die Menschen in zentralen Klimafragen verunsichert und mühsam Erreichtes
wieder zurückdreht, bremst uns alle aus“, kritisiert sie und spielt damit
auf die anstehende Reform des sogenannten Heizungsgesetzes an.
Wenn künftig auch in Hamburg weiter Öl- und Gasheizungen verbaut werden
dürfen, torpediert das die städtischen Klimaziele. Hamburg drängt deshalb
derzeit auf eine [3][Länderöffnungsklausel, nach der die Bundesländer auch
strengere Klimaschutzvorgaben machen dürfen, als es das künftige
Gebäudemodernisierungsgesetz vorsieht.]
Die Aktivist:innen des Zukunftsentscheids halten diese Kritik aber in
Teilen für eine Ausrede. In einem 43-seitigen Katalog haben sie Maßnahmen
aufgelistet, die Hamburg für den Klimaschutz unternehmen kann: So könnte
Hamburg erst mal seine bislang höchst überschaubare Anzahl von Solaranlagen
auf öffentlichen Dächern ausbauen. Die Stadt könnte auch ein
vergleichsweise günstiges Straßenbahnnetz ausrollen und zugleich eine
[4][PKW-Maut für die Innenstadt] einrichten.
Ebenso schlagen sie zur Wärmewende im Gebäudesektor die stärkere
finanzielle Förderung energetischer Sanierungen im Gegenzug für einen
freiwilligen Warmmietendeckel vor. „Mit dem Katalog an möglichen Maßnahmen
kann sich der Senat nun nicht mehr mit Verweis auf die mangelhafte
Klimapolitik auf Bundesebene herausreden“, sagt Sprecherin Rittmann. „Die
Vorschläge zeigen auf, was Hamburg alles auch sozialverträglich unternehmen
kann, um das Klimaziel zu erreichen.“
30 Jun 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
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