# taz.de -- Neue Emissionsbilanz: Hamburg steuert weit an Klimazielen vorbei
> Bis 2030 will Hamburg 70 Prozent seiner CO₂-Emissionen einsparen. Doch
> neue Zahlen rücken das Ziel in weite Ferne. Für den Senat steigt der
> Druck.
(IMG) Bild: Nach erfolgreicher Kampagne: Der Zukunftsentscheid setzt den Hamburger Senat unter Zugzwang
Während klimapolitische Maßnahmen vielerorts unter Beschuss stehen, hat
Hamburg in Sachen Klimaschutz zuletzt positive Schlagzeilen gemacht. Mehr
als 300.000 Menschen stimmten im Oktober [1][für einen sogenannten
Zukunftsentscheid] und verpflichteten ihre Stadt damit, schon bis 2040
statt erst 2045 klimaneutral zu werden.
Neue Zahlen zeigen nun, dass zumindest das Zwischenziel für 2030 kaum zu
erreichen ist. Um die Emissionen bis Ende des Jahrzehnts um 70 Prozent
gegenüber 1990 zu reduzieren, müssten sie jährlich um mindestens 4,5
Prozentpunkte sinken. Doch die CO₂-Bilanz für das Jahr 2024, die [2][das
Statistische Landesamt am Mittwoch veröffentlichte], zeigt keine Reduktion
zum Vorjahr.
Die Stadt spricht von einem „Seitwärtstrend“ – tatsächlich sind die
Emissionen sogar minimal gestiegen. Die Stadt verbucht das als Erfolg.
Immerhin habe man das Niveau der Coronajahre ungefähr halten können.
Probleme bereitet unter anderem die Hamburger Industrie, die zwar auf einem
guten Weg ist, sich mit ungefähr 6 Prozent mehr als im Vorjahr einen
Ausreißer nach oben leistete. Auch der Verkehrssektor legte zu, wenn auch
deutlich weniger. Er ist das Sorgenkind der Hamburger Energiewende, wie
auch aus einem Zwischenbericht des Hamburger Klimabeirates hervorgeht.
Während die anderen Sektoren ihre Emissionsziele knapp erreichen könnten,
steuert [3][der Verkehr] auf einen Wert weit darüber hinaus.
## Parkplatz-Moratorium kontraproduktiv
Der Umstieg vom fossilen Individualverkehr hin zum E-Auto und vor allem den
öffentlichen Verkehrsmitteln komme viel zu langsam voran, heißt es in dem
Bericht. Der Klimabeirat empfiehlt daher eine „integrierte Strategie“, die
neben dem Ausbau der Öffis und der Förderung des Fuß- und Radverkehrs auch
das Parkplatzmanagement einschließt. Mit Maßnahmen wie einem
[4][Parkplatz-Moratorium] unterstützte der rot-grüne Senat zuletzt aber
eher den Autoverkehr.
Aufgefangen wird das Emissionsplus in den Sektoren Industrie und Verkehr
2024 nur durch Einsparungen bei Privathaushalten und kleinen Betrieben.
Deren Emissionen sanken um 3,5 Prozent, wovon die Privathaushalte mit einer
Einsparung von 157.000 Tonnen CO₂ den Löwenanteil beitrugen.
Dort sind Einsparungen auch besonders wichtig. Laut dem Klimabeirat
erreicht der Sektor Privathaushalte zwar knapp das 2030er-Ziel; um bis 2040
klimaneutral zu werden, seien aber weitere Maßnahmen nötig. Gemeint ist vor
allem der Umstieg auf klimaneutrale Heizungen.
Deutlich zugenommen haben die Emissionen des internationalen Flugverkehrs
vom Hamburger Flughafen. Nach einem Tief während der Coronapandemie ist der
Ausstoß der Flugzeuge nun fast auf Rekordniveau. Bei den Klimazielen werden
diese Emissionen allerdings nicht berücksichtigt. Auch der internationale
Schiffsverkehr spielt dort keine Rolle. Ob Hamburg wirklich keine
Verantwortung für die Fernflüge und die Emissionen der Hochsee-Riesen
trägt, die seinen Hafen ansteuern, darüber lässt sich streiten.
Ohne weitere Maßnahmen, besonders im Verkehrssektor und der Industrie, wird
Hamburg jedenfalls nicht nur das Ziel 2030, sondern auch die neu gesteckte
Vorgabe der Klimaneutralität 2040 verfehlen. Für den Senat würde das
unruhige Zeiten bedeuten, denn der Zukunftsentscheid verankerte auch
Kontrollmechanismen im Klimaschutzgesetz.
Ab 2027 ist der Senat verpflichtet, bei Überschreitung festgelegter
Emissionsgrenzen binnen fünf Monaten ein „Sofortprogramm“ auf den Weg zu
bringen, um die Überschreitungen zu korrigieren.
Druck wird der Senat dabei vermutlich auch von der Straße bekommen. Die
Initiative hinter dem Zukunftsentscheid ist nicht die einzige Gruppierung,
die versucht, Klimathemen wieder stärker auf die politische Agenda zu
bringen.
Unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen“ ruft ein breites Bündnis
verschiedener Organisationen, darunter Campact, Fridays for Future und
Greenpeace, am Samstag in mehreren deutschen Städten zu Demonstrationen
auf. Auch in Hamburg ist eine Kundgebung angekündigt. Zuspruch dafür kommt
auch aus der Wirtschaft. Laut den Veranstalter:innen haben Unternehmen
und Verbände aus der Energie-, Heizungs- und Baubranche angekündigt, die
Demonstrationen mit ihrer Belegschaft zu unterstützen.
Das könnte der Startpunkt einer neuen Allianz sein, so der hoffnungsvolle
Tenor der Veranstalter:innen. „Wir stehen da so eng zusammen wie selten“,
sagt die Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Bei den erneuerbaren Energien gebe
es überlappende Interessen zwischen Klimabewegung, Start-ups und Teilen der
Wirtschaft.
Die Forderungen des Bündnisses richten vor allem gegen die Energiepolitik
von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Angesichts der
ernüchternden Emissionsbilanz Hamburgs werden die Proteste aber sicherlich
auch im Rathaus genau beobachtet werden.
17 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Erfolgreicher-Klima-Volksentscheid/!6116533
(DIR) [2] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/klima/klimaschutz-klimaplan/co2-bilanz-hh-2024-169240
(DIR) [3] /E-Autos-mit-Tankproblemen/!6151034
(DIR) [4] /Verkehrswende-rueckwaerts/!6084235
## AUTOREN
(DIR) Jannik Hiddeßen
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parkt.