# taz.de -- Rückschlag für Hamburgs Klimaziele: Hoffen auf die Habeck-Klausel
> Das Ende des Heizungsgesetzes torpediert strenge Klimaziele, für die
> Hamburger:innen kürzlich gestimmt hatten. Sind sie trotzdem noch zu
> retten?
(IMG) Bild: Wärme aus Müll an der Borsigstraße: Mit seinem großen Fernwärmenetz hätte Hamburg eigentlich gute Karten, klimaneutral zu werden
Nicht einmal die Hamburger SPD wollte vergangene Woche verteidigen, was
ihre Genoss:innen in Berlin da ausgehandelt hatten: [1][Die Abschaffung
des sogenannten Heizungsgesetzes,] das nun von CDU und SPD durch ein
„Gebäudemodernisierungsgesetz“ ersetzt werden soll, werfe viele Fragen auf
– und schwäche „Klimaziele indirekt ab“, konstatierte der Chef der
SPD-Bürgerschaftsfraktion Dirk Kienscherf.
So verwundert es auch kaum, dass Fridays for Future zur Demo in der
Hamburger Innenstadt am Dienstagnachmittag aufruft, weil nun die
„Klimaziele gegen die Wand gefahren“ würden.
In Hamburg geht zugleich die Suche danach los, wie die selbstgesteckten
Klimaziele dennoch erreicht werden können. Schließlich hat sich die
Mehrheit der Hamburger Wahlberechtigten erst im vergangenen Oktober in
einem verbindlichen Volksentscheid, dem Hamburger Zukunftsentscheid, dafür
ausgesprochen, ein strengeres Landes-Klimaschutzgesetz zu erlassen.
Allerdings: Während Hamburg damit bereits 2040 klimaneutral sein soll,
macht die auf Bundesebene geplante Rücknahme der Regelungen zum
klimaneutralen Heizen von Häusern und Wohnungen diese Vorgabe gar für 2045
nahezu unmöglich. Nur eine Hoffnung scheint es zum Festhalten am
Klimaentscheid derzeit noch zu geben: dass im neuen Gesetz die sogenannte
„Länderöffnungsklausel“ erhalten bleibt, die der frühere grüne
Wirtschaftsminister Robert Habeck im Gesetz verankert hatte.
## Abschaffung der 65-Prozent-Regel
Ab dem 1. Juli hätte in Hamburg wie in den anderen Ländern die schrittweise
Einführung der 65-Prozent-Regel beim Heizungstausch angestanden: Wer als
Haus- oder Wohnungseigentümer eine neue Heizung anschaffen wollte, hätte ab
dann nachweisen müssen, dass sie zu mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren
Energien betrieben wird. Das ist nun jedoch vom Tisch – wer will, kann sich
nun auch wieder eine neue Gas- oder Ölheizung einbauen lassen, mit der
einzigen und umstrittenen Bedingung, dass sie ab 2029 mit einem zunehmenden
Anteil CO₂-neutraler Brennstoffe betrieben wird.
„Die Abschwächung der 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien ist ein
Geschenk an die Gas-Lobby auf Kosten der Planungssicherheit – und letztlich
von uns allen“, sagt [2][Lou Töllner vom Hamburger Zukunftsentscheid.]
Damit würden „zentrale Leitplanken für die Wärmewende aufgeweicht“. Dabei
hätten sich die Hamburger:innen mehrheitlich für ein klimaneutrales
Hamburg 2040 ausgesprochen – was die rot-grüne Koalition weiterhin
verpflichte, entschlossen zu handeln – „gerade im Gebäudebereich, der für
einen großen Teil der städtischen Emissionen verantwortlich ist“, sagt
Töllner.
Wie das funktionieren könnte, zeigen die Grünen auf: Sollte das noch in
Ausarbeitung befindliche Gebäudemodernisierungsgesetz den Bundesländern
abweichende eigenständige Regelungen erlauben, könnte Hamburg an dem Ziel
festhalten, auch das Wohnen pünktlich klimaneutral zu machen. „In dem Fall
können wir uns vorstellen, dass der Anteil von 65 Prozent erneuerbarer
Energien künftig im Rahmen des Hamburger Klimaschutzgesetzes geregelt wird
und damit erhalten bleibt“, sagt die klimapolitische Sprecherin der
Hamburger Grünen-Fraktion, Rosa Domm.
Das 2023 von der Ampel-Regierung eingeführte Heizungsgesetz sah eine solche
Gelegenheit für Bundesländer vor, wenn sie ambitionierteren Klimaschutz
betreiben wollen: Die Länder können durch Landesrecht „weitergehende
Anforderungen an die Erzeugung und Nutzung von Strom oder Wärme sowie Kälte
aus erneuerbaren Energien in räumlichem Zusammenhang mit Gebäuden sowie
weitergehende Anforderungen oder Beschränkungen an Stromdirektheizungen
stellen“, heißt es in Paragraf 9a.
## Beim Wohnen wackelt die Klimaneutralität bis 2040
Auch die von der Grünen Katharina Fegebank geführte Umwelt- und
Klimabehörde hofft darauf, dass der Bund den Ländern die „Freiheit gibt,
den eingeschlagenen Weg beim Klimaschutz fortzusetzen“, sagt ein Sprecher.
Nun ist aber noch völlig unklar, ob sich dieser Passus auch im neuen Gesetz
wiederfinden wird. Die Hamburger SPD-Fraktion ist deshalb auf Nachfrage
auch zurückhaltender und will abwarten, bis ein erster Entwurf für das neue
Gesetz vorliegt. Bislang sind schließlich nur einige grobe Eckpunkte
bekannt, bis Ostern soll ein erster Gesetzesentwurf vorliegen, der dann in
den Bundestag eingebracht wird.
Dass nun Hamburger Vermieter:innen doch wieder [3][auf den Einbau von
Gas- der Ölheizungen umschwenken,] glaubt Andreas Breitner, Vorsitzender
des Verbands Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), zumindest für seine
Mitglieder ohnehin nicht: „An dem Ziel, den Ausstoß klimaschädlicher
Emissionen zu reduzieren, halten VNW-Unternehmen fest.“
Aus der schon [4][vor dem Volksentscheid vehement geäußerten Ablehnung des
Ziels, dass Hamburg schon 2040 statt wie bundesweit angestrebt 2045
klimaneutral sein soll,] macht der VNW allerdings auch weiter keinen Hehl:
Da Sicherheit und Vertrauen in politische Beschlüsse für die massiven
Investitionen der Unternehmen in die Energiewende unverzichtbar seien,
solle Hamburg sich lieber wieder dem bundesweit angestrebten Ziel der
Klimaneutralität bis 2045 anschließen.
2 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [4] /Hamburg-vor-dem-Klima-Volksentscheid/!6115003
## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
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