# taz.de -- Fehlender Hitzeschutz in Krankenhäusern: Arbeiten bis zum Umfallen
       
       > Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind bei Hitzewellen
       > systemrelevant. Doch die Beschäftigten werden mit den Rekordtemperaturen
       > allein gelassen.
       
 (IMG) Bild: Nur Wasser zu trinken, hilft bei über 30 Grad Zimmertemperatur nicht mehr
       
       Am Ende, berichtet Intensivpflegerin Hannah Mayer*, blieb ihr und ihren
       Kolleg:innen nichts anderes übrig, als sich während des Dienstes
       Eisbeutel in den Nacken zu halten. „Es war ein kompletter Ausnahmezustand“,
       sagt Mayer über ihren Dienst am Wochenende an der Universitätsklinik
       Charité in Berlin.
       
       Dabei ist es ein Glücksfall, dass sie auf ihrer Station eine Eismaschine
       haben. Diese ist eigentlich zum Anfertigen von Kühlpackungen für die
       Patient:innen gedacht. Eine funktionierende Klimaanlage gebe es
       hingegen nicht. Auch die Ventilatoren dürften sie und ihre Kolleg:innen
       nicht verwenden, weil diese Bakterien verbreiten. Und an den großangelegten
       Fensterfronten sind nicht durchgängig Rollos angebracht. Dazu kommt die
       Arbeit in luftundurchlässigen Plastikkitteln auf der Isolationsstation.
       „Eine Kollegin musste sich zwei Stunden vor Feierabend hinsetzen, weil bei
       ihr nichts mehr ging“, berichtet Mayer.
       
       Mayers Bericht ist kein Einzelfall. Die taz hat mit mehreren Beschäftigten
       im Gesundheitswesen über ihre Erfahrungen am Hitzewochenende gesprochen.
       Die Erfahrungsberichte zeigen, [1][wie schlecht es um den Hitzeschutz in
       Berliner Gesundheitseinrichtungen bestellt ist.] Denn für die Umsetzung von
       effektivem Hitzeschutz fehlt das Geld.
       
       Stattdessen sind es die Beschäftigten, die mit kreativen Maßnahmen die
       Folgen der Hitze zu lindern versuchen „Es waren unerträgliche Temperaturen
       auf Station. Gerade wenn die Patienten eh schon Herzprobleme haben“, sagt
       ein Kardiologe der taz, der seinen genauen Arbeitsort lieber nicht
       mitteilen möchte. Zur Linderung habe er dann den Patient:innen, die nicht
       mobil waren, kalte Wasserlappen auf die Stirn gelegt. Auch für das Personal
       sei es „der Horror“ gewesen, besonders weil die neuen Kittel kaum
       luftdurchlässig seien.
       
       ## Kein Geld für Klima
       
       Ähnliches berichtet eine Pflegerin auf einer Neugeborenenstation einer
       Berliner Klinik. Als Beweis hat sie ein Thermometer auf Station
       fotografiert, die Temperatur liegt bei 33 Grad. „Das sind die Temperaturen
       in den Zimmern auf der Südseite, da liegen die Kleinsten. Das sind auch die
       Zimmer, in denen wir in Vollmontur arbeiten müssen, weil dort infektiöse
       Kinder liegen. Sprich, Schutzkittel, Maske, Haube und Mundschutz tragen“,
       berichtet die Pflegerin.
       
       Der Anbau von Jalousien sei in ihrem Klinikum aufgrund von Denkmalschutz
       nicht sicher. „Die Klinikleitung sagt, eine Klimaanlage in jedem Raum
       können wir vergessen, das sei zu teuer“, sagt die Krankenpflegerin. Auch
       die Bitte nach mobilen Klimageräten sei abgelehnt worden, weil die
       verantwortliche Person im Urlaub sei.
       
       Für Peter Frosig*, Intensivpfleger an einer DRK-Klinik, war es ein
       Wochenende im Ausnahmezustand. „Im Tagesverlauf ist im OP-Saal die
       Klimaanlage ausgefallen, da waren es teilweise über 30 Grad.“ Eine
       ärztliche Kollegin sei im Dienst einfach umgefallen und hätte
       zwischenzeitlich mit einer Infusion versorgt werden müssen.
       
       Teilweise mangelt es schon bei den Hitzeschutzmaßnahmen am gesetzlichen
       Minimum. Ab 26 Grad Celsius am Arbeitsplatz muss der Arbeitgeber
       kostenfreies Wasser bereitstellen. „Wir haben uns Getränke und Eis zur
       ‚Abkühlung‘ selbst besorgt“, berichtet eine Pflegerin, die bei einem
       Krankenhaus eines privaten Trägers arbeitet. Auf der gesamten Station gäbe
       es nur zwei Ventilatoren, die eigentlich für die Patienten gedacht sein.
       
       ## Hitzeschutz noch am Anfang
       
       „Hitzeschutz ist keine Ad-hoc-Maßnahme für einzelne heiße Tage oder
       Wochenenden, sondern eine langfristige Aufgabe“, sagt DRK-Pressesprecherin
       Corinna Schwetasch. Es gebe bereits einen Hitzeschutzplan und regelmäßige
       Begehungen, bei denen sie mit den Mitarbeiter:innen bauliche
       Veränderungsmöglichkeiten wie durch Jalousien oder Sonnenschutzfolien
       besprechen. „Bei grundlegenden Sanierungen oder Neubauten werden
       Hitzeschutzaspekte von Beginn an mitgedacht, etwa durch den Einbau
       spezieller Kühldecken“, sagt Schwetsch.
       
       Vivantes-Pressesprecher Christoph Lang sagt, der landeseigene Klinikkonzern
       sei gerade dabei, alle Stationen mit Wasserspendern auszustatten. „Doch das
       passiert halt nicht über Nacht.“ In den neueren Gebäuden seien bereits
       Flure und Aufenthaltsräume klimatisiert, auch die anderen Stationen sollen
       folgen. „Beschäftigte und Patient:innen haben unter der Hitze gelitten,
       das ist klar.“
       
       Die Berliner Krankenhausgesellschaft weist darauf hin, dass viele
       Einrichtungen sich schon seit Jahren mit dem Thema Hitzeschutz
       beschäftigten. Dazu zählten neben dem Aufstellen von Wasserspender auch
       Schulungen von Mitarbeitenden, [2][Erstellung von Hitzeaktionsplänen und
       Heatmaps, die besonders überhitzungsgefährdete Gebäudebereiche
       identifizierten].
       
       ## Investitionsmittel zusammengespart
       
       „Die Krankenhäuser haben beim aktuellen Extremwetter schnell und
       verantwortungsvoll reagiert und zahlreiche Maßnahmen zum Schutz von
       Patientinnen, Patienten und Beschäftigten umgesetzt“, sagt Marc Schreiner,
       Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft.
       
       Doch bei Temperaturen wie am vergangenen Wochenende sind es vor allem
       bauliche Veränderungen, die Erleichterungen schaffen. Doch für die fehlen
       häufig die Mittel. „Maßnahmen, die strukturelle Verbesserungen bringen,
       kosten richtig Geld“, sagt Tobias Schulze, gesundheitspolitischer Sprecher
       der Linken.
       
       Gerade die Investitionsmittel, aus denen auch der Hitzeschutz finanziert
       wird, hat der Senat im letzten Haushalt von 200 Millionen jährlich auf 145
       Millionen zusammengekürzt. Dazu kommt das Krankenkassen-Sparpaket der
       Bundesregierung, das die Krankenhäuser laut Berechnungen der Berliner
       Krankenhausgesellschaft um weitere 500 Millionen belasten würde. „Die Lage
       ist desaströs und das Gegenteil von dem, was man jetzt eigentlich machen
       müsste“, sagt Schulze.
       
       Am Ende hilft nur deutlich mehr Geld, fordert auch
       Verdi-Gewerkschaftssekretärin Gisela Neunhöffer: „Es braucht dringend
       bauliche Veränderungen, die verhindern, dass in Arbeits- und
       Patientenzimmern über 30 Grad herrschen. Für die dringend nötigen baulichen
       Veränderungen braucht es endlich [3][eine angemessene Finanzierung der
       Investitionskosten der Krankenhäuser durch den Berliner Senat].“
       
       29 Jun 2026
       
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 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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