# taz.de -- Handreichung für WM-Aus der Deutschen: Und tschüss!
       
       > Gegen die DFB-Elf scheint sich bei der WM alles verschworen zu haben.
       > Fünf Gründe für Bundestrainer Julian Nagelsmann, warum die Deutschen nur
       > scheitern konnten.
       
 (IMG) Bild: Ein letzter Gruß: Mehr war einfach nicht drin für Bundestrainer Nagelsmann
       
       ## Gottes Beistand
       
       Eindrucksvolle Bilder zweier betender deutscher Nationalspieler sind um die
       Welt gegangen. [1][Felix Nmecha] und Jonathan Tah bitten um Jesus’ Segen
       für Deutschland und werden in der Springer-Presse ordentlich dafür
       gefeiert. Für einen Achtelfinaleinzug braucht es starken Gottesbeistand.
       Stoßgebete zweier einzelner Spieler sind da zu wenig. Wie es anders geht,
       hat einer der Gastgeber gezeigt. Mit 4:1 hatten die USA den Gegner der
       Deutschen in ihrem ersten Gruppenspiel bezwungen. Danach versammelte sich
       die gesamte US-Mannschaft zum gemeinsamen Gebet am Mittelkreis. Undenkbar
       im DFB-Team. In spiritueller Hinsicht hat der deutsche Fußball den
       Anschluss an die Weltspitze längst verloren. Eine Mission Weltmeistertitel
       ist im modernen Fußball ohne Missionierung nicht mehr möglich.
       
       ## Stumpfer Rasen
       
       Spätestens seit der Niederlage gegen Ecuador kennt man in Deutschland den
       Ausdruck „stumpfer Rasen“. Die Bälle rollen auf dem arg trockenen Geläuf
       nicht so weit wie sonst, sie springen anders auf und machen auch sonst
       nicht, was die Spieler wollen. Als „Wahnsinn“ bezeichnete das Jürgen Klopp.
       Der muss es ja wissen, schließlich ist er der Weltkopf des Fußballs bei
       einem Getränkehersteller. „Stumpfheit“ ist vor allem für die Mannschaft
       ungerecht, die das Spiel macht. [2][Warum Ecuador] offensichtlich keine
       Probleme mit der Wiese im Stadion von New York/New Jersey hatte, bliebt
       zwar ein Rätsel, war aber eben so. Auf jeden Fall waren die Bedingungen vor
       allem für die Deutschen unfair. In Boston soll der Rasen auch so „stumpf“
       sein.
       
       ## Südamerikanische Härte
       
       Schon wieder ein südamerikanischer Gegner. Das deutsche Team hat sich noch
       gar nicht richtig vom Spiel gegen Ecuador erholen können. Von der typisch
       südamerikanischen Zweikampfhärte und körperlichen Intensität, die sie da zu
       spüren bekommen haben. Ganz in der Tradition des südamerikanischen Fußballs
       wird es aber gegen Paraguay wohl nicht anders werden. Klar, die Deutschen
       sind auch alles durchtrainierte Profispieler, aber gegen so harten
       Körperkontakt kommen oft die besten europäischen Teams nicht an. Das weiß
       man. Und auch, dass man da spontan auch nicht mehr viel machen kann, im
       „Oberkörperbereich“, wie Nagelsmann in weiser Voraussicht schonmal
       angemerkt hat. Da hilft nur noch, den Gegnern aus dem Weg zu gehen.
       
       ## Angezählter Bundestrainer
       
       Das Turnier hatte noch gar nicht für die Deutschen begonnen, da wurde schon
       am Stuhl von Bundestrainer Julian Nagelsmann gesägt. Nicht von irgendwem,
       sondern vom zweimaligen Fifa-Welttrainer und WM-TV-Experten Jürgen Klopp,
       dem bekanntlich schon lange nachgesagt wird, dass er Lust auf diesen Job
       haben könnte. Als sein Kompagnon vor der Kamera Thomas Müller auch schon
       nicht ganz ironiefrei bemerkte, dass „zum Glück“ Julian Nagelsmann die
       Mannschaft aufstelle, erwiderte Klopp: „Noch“. Herzlich gelacht wurde
       darauf und auch die DFB-Nationalspieler werden sich kräftig auf die
       Schenkel geklopft haben. Die Autorität von Nagelsmann war schon vor
       WM-Anpfiff auf Berti-Vogts-Level. Wie will man so arbeiten? Von da an war
       das frühzeitige Ausscheiden eigentlich vorprogrammiert.
       
       ## Turnierbaum
       
       Jahrzehntelang wurde immer über das Losglück der DFB-Elf gelästert. Aber
       was da jetzt alles bei der WM in Nordamerika an Unglück zusammengekommen
       ist, kann eigentlich nicht mit rechten Dingen zugehen. [3][Mit der
       Elfenbeinküste], Ecuador und Curaçao bekamen die Deutschen, vom karibischen
       Gegner vielleicht einmal abgesehen, nahezu unlösbare Aufgaben zugelost.
       Dass trotz des Erfolgs gegen das afrikanische Spitzenteam Elfenbeinküste
       schon im Sechzehntelfinale mit Paraguay erneut ein südamerikanisches
       Schwergewicht wartet, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Und last but
       not least dann auch noch Frankreich im Achtelfinale. Bei solchen
       Konstellationen kann es selbst ein Weltklasseteam wie das deutsche einmal
       vorzeitig aus dem Turnier hauen. Bei der WM-Analyse sollte der DFB
       vielleicht einmal genauer hinschauen. Ist das die Rache der Fifa für die
       Protestgeste der deutschen Elf in Katar?
       
       29 Jun 2026
       
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       feststand.